Kommentar:Tiefpunkt für die Gleichberechtigung

Nach dem Fraktionswechsel von zwei Gemeinderätinnen bestehen Gröbenzells Grüne nur noch aus Männern

Von Ariane Lindenbach

Wie ein Donnerhall erschüttert die Neuigkeit vom Austritt zweier Gemeinderätinnen aus der Grünen-Fraktion das politische Gröbenzell und vor allen Dingen den Gemeinderat. Es sind nicht nur die einzigen beiden Frauen in der Fraktion. Mit Ursula Retz wechselt noch dazu ein Urgestein der Grünen zur Unabhängigen Wählergruppierung UWG. Als Mitglied bleibt sie den Grünen erhalten, doch das Mandat geht mit ihr zu der Gruppierung, die in den 1990er Jahren von der ehemaligen CSU-Gemeinderätin und langjährigen Kreisvorsitzenden des Bund Naturschutz, Christa Spangenberg, gegründet wurde.

Spangenberg kandidierte übrigens 2020 auf der Grünen-Liste auf dem vorletzten Platz. Ihre Tochter Karin sitzt seither für die UWG im Gemeinderat. Diese politische Variabilität findet man öfter in der Gröbenbachgemeinde. Sie zeigt auf den ersten Blick, dass man durchaus flexibel sein darf, was die politische Ausrichtung anbelangt. Wer genauer hinsieht, erkennt, dass es dabei ganz oft auch um persönliche Entwicklung oder zwischenmenschliche Verwerfungen geht.

So eben wie jetzt beim Austritt von der parteifreien Larissa Holmer und Ursula Retz aus der Grünen-Fraktion. Damit hat nun ausgerechnet jene Partei, die seit ihrer Gründung mit paritätischen Listen und Doppelspitzen für Gleichberechtigung steht, keine Politikerin mehr im Gemeinderat. Das ist ein schwerer Schlag, wenngleich die Ursache nicht nur der aktuelle Fraktionsaustritt ist. Verantwortlich dafür sind auch die Wählerinnen und Wähler, die ganz überwiegend den männlichen Kandidaten der Grünen ihre Stimme gaben. Man kann aber auch noch einen Schritt weiter zurückgehen, zur Kandidatenaufstellung vor zwei Jahren. Damals hätte Retz gerne einer Jüngeren ihren Listenplatz zwei überlassen - allein, es wollte keine Frau kandidieren. Und dass Larissa Holmer von Platz 15 nach vorne gehäufelt wurde, kann man so interpretieren, dass die Wählerschaft die anderen Kandidatinnen nicht wollte. Womöglich sollten die Grünen in Gröbenzell mehr Frauen für sich gewinnen.

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