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Kommentar:Jämmerliche Nummer

Olchings CSU und Freie Wähler haben bei der Absage des Festaktes des Stadt-Jubiläums wieder einmal bewiesen, dass sie sich eher auf Dorf-Niveau bewegen

Von Erich C. Setzwein

Die CSU und die Freien Wähler in Olching haben das getan, was sie seit Jahren am liebsten tun: den Bürgermeister von der SPD in Schwierigkeiten bringen. Jüngstes Beispiel ist die Weigerung beider Stadtratsfraktionen, am Festakt zum zehnten Stadt-Jubiläum teilzunehmen. Die Argumente sind jämmerlich. Schon allein deshalb, weil sie dem Verhalten von CSU- und FW-Mandatsträgern und Mitgliedern der vergangenen Monate und Wochen widersprechen. Die CSU hat es sich nicht nehmen lassen, ihre Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler wieder zur Direktkandidatin zu küren - im Fürstenfeldbrucker Stadtsaal. Alles war coronakonform, es gab ein Hygienekonzept, es mussten vorher Schnelltests gemacht werden. Aber es ist freilich nicht bekannt, ob es nach der Nominierungsveranstaltung nicht doch den einen oder positiven Fall gegeben hat. Und die Freien Wähler? Treffen sich auch zur Nominierung ihres Kandidaten, zwei Mal inzwischen, immer im Freien und ebenfalls coronakonform. Sie alle haben kein Problem damit, die üblichen Routinen und Rituale zu verlassen und sich der Pandemie anzupassen. Aber an einem Sekt- und Häppchen-Nachmittag vor dem Kom in Olching - im Freien - teilzunehmen, das geht natürlich gar nicht.

Nun macht es natürlich schon einen Unterschied, ob eine Bundestagskandidatin oder Bundestagskandidat aufgestellt wird oder ein Jubiläum im kleinen Kreis begangen wird. Nominierungen sind alle vier Jahre, sie sind notwendig und am besten in Präsenzveranstaltungen abzuhalten. CSU und Freie Wähler aber haben versucht, den völlig berechtigten Wunsch des auch schon vor zehn Jahren amtierenden Bürgermeisters Andreas Magg, in diesen schwierigen Zeiten zumindest einen kleinen Festakt hinzubekommen und ein kleines Hoffnungszeichen zu setzen, durch ihre Absage lächerlich zu machen. Es ist ihnen nicht gelungen, weil sie dafür keine weitere Unterstützung im Stadtrat bekamen.

Magg hat das einzig Richtige gemacht und die Veranstaltung abgesagt. Hätte er daran festgehalten, hätte man ihm sicher prompt Personenkult vorgeworfen. In ihrer gemeinsamen Haltung haben die Fraktionen von CSU und Freien Wählern gezeigt, dass sie zwar seit zehn Jahren in einem Stadtrat sitzen, aber letztlich doch eher auf Dorfniveau geblieben sind.

© SZ vom 11.06.2021
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