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KOM:Eine Pause von der Hektik des Alltags

Unterwegs im Auftrag der Götter: Volker Kurz hat eine Skulptur des griechischen Boten "Hermes" geschaffen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Olchinger Künstler beschäftigen sich in ihrer aktuellen Ausstellung mit dem Thema "unterwegs"

Ein orangefarbenes Gewölbe spannt sich über eine verschwommene Menschenmenge. Schwarze Gestalten, deren Konturen teilweise ineinander übergehen. Die ganze Fotografie wirkt verzerrt, irgendwie surreal. Und doch ist der Ort, an dem das Motiv entstanden ist, noch deutlich zu erkennen: Der U-Bahnhof am Münchner Marienplatz.

"Rushhour Marienplatz" ist auch der Titel, den das Bild von Jutta Pielenz trägt. Es ist eines von vier Werken, die sie zur Ausstellung "Unterwegs" der Olchinger Künstler" im Rahmen der Kreiskulturtage beigesteuert hat und die an diesem Freitag im Kom eröffnet wird. Das Motiv des "unterwegs sein" sah Pielenz dabei in den vielen Menschen, die täglich mit der U-Bahn durch München reisen. "Ich habe die Leute beobachtet, wie sie aus den Zügen kommen und über den Bahnsteig gehen. Ohne nach links oder rechts zu sehen."

Mobilität ist eine Thematik, die gleich auf mehreren Kunstwerken aufgegriffen wird. Menschen auf Reisen, entweder mit dem Zug, dem Schiff oder mit dem Heißluftballon. Eindrücke und Szenen einfangen, das scheint das vorrangige Ziel von einigen der 15 ausstellenden Künstler gewesen zu sein. Die Aussage in den meisten Bildern ist klar erkennbar, eine tiefere Botschaft bergen nur wenige. Vielmehr geht es darum, eine Geschichte zu erzählen oder eine Stimmung zu vermitteln. Diese Intention hatte auch Gerd Gruber mit seinem Bild "Drachenfliegen". Mit hellen Farben und dem Motiv aus seiner Kindheit will er mit Acryl ein Nostalgiegefühl auf der Leinwand festhalten. An das Spiel aus seiner Jugend kann er sich noch gut erinnern. Wenn er ihnen nachschaute, habe er immer Fernweh empfunden, erklärt er. Mittlerweile sei das anders, die Drachen seien nicht mehr die selben. "Jetzt sind sie perfekt ausbalanciert und auch die charakteristischen Schweife fehlen."

Insgesamt verleitet die Ausstellung vielleicht nicht unbedingt zum Grübeln, regt aber zumindest verschiedene Gefühle an. Sei es nun die Heiterkeit in Mariele Berngehers postkartenhaften Szenerien Münchens, oder die Melancholie in Pielenz' Fußabdrücken, die sie im Strand fotografiert hat. Ein Rundgang durch den Raum gleicht einem Spaziergang, bei dem man seinen Geist entspannt und einfach die Eindrücke auf sich wirken lässt.

Einen solchen könne Besucher zur Eröffnung am Freitag auch tatsächlich vornehmen: Die Bilder und Skulpturen im Inneren des Kom sind nur ein Teil der Ausstellung. Die Künstler planen auch außerhalb des Gebäudes Kunstwerke aufzustellen. Hierfür haben sie vor allem Installationen konzipiert. Sie unterscheiden sich teilweise von den Motiven der Werke im Inneren des Kom: Weniger szenisch, mehr symbolisch. So plant Giorgo di Bernardo eine Konstruktion aus Holz und Metall, die ein wenig an ein Windrad erinnern soll. Das "Rad" entnahm er einem Fahrrad, die Flügel alten Flugzeugmodellen. "Kreisverkehr", nennt er sein Werk. Konstrukte wie diese werden im ganzen Gelände rund um das Kom verteilt. Er hoffe, die Besucher nehmen sich die Zeit, sie zu entdecken, meint di Bernardo.

Entspannung, eine Pause von der hektischen Zeit. Diese Idee scheint wie ein übergeordnetes Thema über der Ausstellung zu schweben. Eben einmal nicht unterwegs zu sein, nicht über den Bahnhof zu hetzen, wie die Schatten aus Pielenz' Fotodesign.

Ausstellung "unterwegs" im Olchinger Kom. Eröffnung am Freitag, 24. Mai, von 19 Uhr. Danach zu sehen bis Sonntag, 26. Mai

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