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Kirche:Neue Aufgabe als Springer

Pfarrer Singer

Im Alter von 61 Jahren nimmt der evangelische Pfarrer Niclas Willam-Singer eine neue Herausforderung an.

(Foto: Günther Reger)

Pfarrer Niclas Willam-Singer verlässt nach zwölf Jahren Fürstenfeldbruck

Von Julia Bergmann, Fürstenfeldbruck

Während es andere in seinem Alter ruhig angehen lassen und auf den Ruhestand hinarbeiten, will sich Pfarrer Niclas Willam-Singer mit 61 Jahren noch einmal einer neuen Aufgabe widmen. Von März an wird er als Springer im Dekanat arbeiten und immer dort aushelfen, wo ein Kollege ausfällt. "Ich werde in den kommenden drei Jahren die Ärmel hochkrempeln und es noch einmal so richtig krachen lassen", sagt Willam-Singer, der fast zwölf Jahre lang Pfarrer in der evangelischen Erlöserkirche war.

Seine Entscheidung für die neue Aufgabe habe er aus freien Stücken getroffen. "Keiner vertreibt mich", sagt Willam-Singer. "Es macht sich einfach eine gewisse Routine breit", begründet er seine Entscheidung. Obwohl der Pfarrer seine Arbeit in den vergangenen Jahren gerne gemacht hat, musste er vor einiger Zeit an seinen Mentor denken und kam ins Grübeln. Eines Tages vor vielen Jahren kurz vor einem Gottesdienst hat Willam-Singer den damals etwa 60-jährigen Pfarrer beobachtet und ihm war aufgefallen, wie hibbelig der Mann war. Erstaunt habe er seinen Mentor gefragt, ob er nervös sei. "Er hat geantwortet, dass er, wenn er vor dem Gottesdienst nicht mehr aufgeregt wäre, in einer solchen platten Routine gefangen wäre, dass er sofort aufhören würde." So hält es nun auch Willam-Singer.

Da die evangelischen Kirche in Bayern, auch vor den Hintergrund des Nachwuchsmangels ohnehin einen großen Reformprozess angestoßen hat, war die Gelegenheit für den evangelischen Pfarrer günstig, neue Wege einzuschlagen. Angedacht ist laut Willam Singer, dass es künftig in jedem Dekanat einen solchen Springer geben wird. "Vielleicht ist das die Lösung für unser Personal-Problem", meint er. Willam Singers Nachfolger, Valentin Wendebourg, wird nach seinem Vikariat in Berlin und einem Auslandseinsatz in Brüssel seinen Dienst in Fürstenfeldbruck antreten. Für den Nachfolger wird das die erste Pfarrstelle sein und Willam-Singer ist froh darüber, seine Aufgaben an einen jungen Nachfolger übergeben zu können. "Junge Leute können doch ganz anders mit Familien und Kindern umgehen", findet er.

Die ersten Einsätze für Willam-Singer werden in Eichenau und Puchheim sein. In Puchheim etwa braucht Pfarrer Markus Ambrosy von Frühjahr an Verstärkung. Denn er wird Dekan Stefan Reimers vertreten, der dann seine Stelle als neuer Personalchef der Landeskirche antritt. Wer Reimers Nachfolger wird, ist derzeit noch offen. Von Juni an wird Willam-Singer auch in Gilching bei Gottesdiensten, Taufen, Trauungen und Beerdigungen aushelfen. Auf die Abwechslung, die nun vor ihm liegt, freut er sich. Seine Frau hat allerdings auch eine Sorge. "Ich soll nicht wieder 90 Stunden in der Woche arbeiten", sagt er. Da habe er lange Zeit gemacht und im Nachhinein wisse er, dass ihm das gesundheitlich sehr geschadet habe. Wie es sich nun mit seiner Aufgabe als Springer entwickeln wird, sei nicht abzuschätzen. Aber er freue sich aufs Neue und ist sich sicher: "Ich bin nicht umsonst Theologe: Das Ganze ist sicherlich Fügung."

Für die Menschen in den Gemeinden, will Willam-Singer aber da sein, wann immer sie ihn benötigen. An seine Zusage hatte der Pfarrer eine Bedingung gestellt. "Meine Seniorenkreise will ich noch bis Ende des Jahres weiterführen." Denn die Entscheidung sei relativ kurzfristig gefallen und einen überstürzten Abschied habe er seinen Senioren nicht zumuten wollen. Auch in den Seniorenheimen Laurentiushaus in Olching und Haus Elisabeth in Puchheim wird der Pfarrer künftig jeden Montag seinen Dienst als Seelsorger leisten. Außerdem hat Willam-Singer auch eine Ausbildung zum Notfall-Seelsorger angefangen. Schon an früheren Stellen, in Ingolstadt und Königsbrunn, habe er diese Art von Arbeit geleistet. Nun will er sich durch die Fortbildung eine solide theoretische Grundlage auf diesem Feld aneignen.

Bei Unfällen und Todesfällen wird der 61-Jährige als Notfallseelsorger gerufen, wenn Einsatzkräfte feststellen, dass etwa Angehörige seelische Unterstützung brauchen. "Ich bleibe so lange bei den Menschen, bis ich merke, dass ich sie guten Gewissens alleine lassen kann", sagt er. Auch wenn das Stunden dauere. "Das werde ich auch in den Ruhestand mitnehmen", sagt er. Berufung hält sich eben an kein Renteneintrittsalter.

Beim Gottesdienst am Sonntag, 25. Februar, wird sich Pfarrer Niclas Willam-Singer verabschieden. Beginn ist um 15 Uhr in der Erlöserkirche.

© SZ vom 24.02.2018
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