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Kinderbetreuung in Fürstenfeldbruck:Trotz Lockdown im Klassenzimmer

Viele Eltern nutzen das Angebot an Notbetreuungen in Kitas und in den Schulen, die auf Online-Unterricht umgestellt haben. Noch gibt es genügend Pädagogen und Räume für die Kinder und Jugendlichen

Von Andreas Ostermeier, Fürstenfeldbruck

Schulen und Kindertagesstätten sind wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Dennoch müssen die Türen für Buben und Mädchen offen bleiben, denn es dürfen Kinder in die Notbetreuung kommen, wenn sie von ihren Eltern geschickt werden, beispielsweise weil Vater und Mutter arbeiten müssen. Momentan kommen Schulen und Kitas mit der Menge an Kindern zurecht, die die Notbetreuungen besuchen, aber mit längerer Dauer des Lockdowns könnten die Zahlen zunehmen, und es könnte eng werden in den Einrichtungen.

30 bis 40 Kinder, so schätzt die Fürstenfeldbrucker Schulamtsleiterin Bettina Betz, sind in jeder der großen Grund- und Mittelschulen im Landkreis täglich zu betreuen. Das Angebot an Notbetreuung werde von einer "erklecklichen Zahl" von Schülern wahrgenommen, sagt sie. Für Schulen, die an einem Normaltag von bis zu 400 Schülern besucht werden, klingt das zunächst nicht viel. Doch die Buben und Mädchen müssen in Gruppen aufgeteilt und von Lehrkräften beaufsichtigt werden. Daneben sollen die Lehrerinnen und Lehrer aber für die Kinder, die zuhause sind, Distanzunterricht halten. Da beides nicht gleichzeitig möglich ist, sind es in der Regel Fachlehrer, die die Betreuung in der Schule übernehmen. So wie in der Grundschule am Gernerplatz in Puchheim. 27 Kinder kamen dort am Dienstag zur Notbetreuung. Unter diesen Schülern befinden sich neun Buben und Mädchen aus der Asylunterkunft. Sie werden laut Schulleiterin Ruth Frank-Amberger in zwei kleinen Gruppen betreut. Die anderen 18 Schüler gehen in drei Betreuungsgruppen zu je sechs bis sieben Kinder. Neben der Einteilung der Fachlehrer muss Frank-Amberger bei der Gruppeneinteilung darauf Rücksicht nehmen, dass die Kinder auch anschließend in Hort und Mittagsbetreuung zusammenbleiben und nicht mit Kindern aus anderen Gruppen zusammengebracht werden. Schließlich soll die Zahl der Kinder, die bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus in Quarantäne müssen, überschaubar bleiben.

Unterricht erhalten die betreuten Kinder nicht. Das ist gar nicht möglich, weil die Kinder aus verschiedenen Klassen und Jahrgangsstufen stammen. Sie beschäftigen sich während des Vormittags mit den Aufgaben, die sie von ihrer Klassenlehrerin bekommen haben und in einer Woche bearbeiten sollen. Auch am Distanzunterricht ihrer Klasse können die Schüler, die in die Schule kommen, nicht teilnehmen. Dafür fehlen nach Auskunft von Frank-Amberger die nötigen Computer. Zudem wäre der Lärmpegel in einem Raum zu groß. Dass die Kinder in der Schule keinen Unterricht haben, das gilt nicht nur für die Schule am Gernerplatz, sondern für die Notbetreuung überhaupt, wie Schulamtsdirektorin Bettina Betz bestätigt.

Auch viele Erzieherinnen und Erzieher in Kindergärten und Krippen müssen trotz Lockdown in ihren Kitas arbeiten. Zwischen 30 und 50 Prozent aller Kinder, die üblicherweise betreut werden, kämen in die Notbetreuung der städtischen Kitas, sagt Germerings Sozialamtsleiter Martin Rattenberger. Geschlossen ist seinen Worten nach deshalb kein Kindergarten im Stadtgebiet. Ähnliches sagt auch Saskia Schon, Geschäftsführerin der Awo Germering, die Kindertagesstätten, Horte und Mittagsbetreuungen betreibt. Schon hat beobachtet, dass die Annahme der Notbetreuung übers Stadtgebiet verteilt recht unterschiedlich ist. Manche Einrichtung hat nur wenige Kinder zu betreuen, in anderen ist der Andrang groß. Bislang aber reichen die Räume ebenso wie die Anzahl der Betreuerinnen und Betreuer aus, um die Kinder in überschaubaren Gruppen und unter Berücksichtigung der Corona-Regeln unterzubringen. So voll, wie er es aus München gehört habe, seien die Gruppen in Germering nicht, sagt Rattenberger. Sollte der Lockdown längere Zeit bestehen bleiben, dann rechnen Schon und Rattenberger allerdings mit einer steigenden Nachfrage nach Notbetreuung. Denn auch die freien Tage, die Eltern sich nehmen können, reichten nicht ewig, sagt Schon.

© SZ vom 13.01.2021
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