Kultur:40 Jahre Leidenschaft für die Musik

Kultur: Neue Mitglieder gewinnt das Germeringer Kammerorchester meist durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Neue Mitglieder gewinnt das Germeringer Kammerorchester meist durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

(Foto: privat)

Das Germeringer Kammerorchester ist 1982 aus einem privaten Ensemble hervorgegangen. Nun feiert es seinen Geburtstag mit einem großen Konzert.

Von Anja Kolnsberg, Germering

Das Germeringer Kammerorchester feiert am Sonntag mit einem Konzert sein vierzigjähriges Bestehen. Auf dem Programm stehen Werke von Gluck, Boccherini und Hegele. Als Höhepunkt des Konzerts wird Peer Bohn, Jungstudent der Hochschule für Musik und Theater München, als Solist das Violinkonzert in A-Dur op. 219 von Mozart begleiten. Das Streichorchester wird von Marie-Josefin Melchior geleitet, die hauptberuflich unter anderem als musikalische Aufnahmeleiterin beim Bayerischen Rundfunk, Südwestdeutschen Rundfunk und Deutschlandradio Kultur tätig ist.

Zum vierzigjährigen Bestehen blickt das Germeringer Kammerorchester (GKO) auf eine lange Geschichte zurück: 1982 entstand es aus einer privaten Kammermusikvereinigung, gegründet von Oskar Vadillo, der damals als Pianist und Korrepetitor am Gärtnerplatztheater tätig war. Seine Ehefrau hatte eine Gruppe aus örtlichen Kirchenmusikern zusammengetrommelt, die sich zunächst zu lockeren Proben trafen, erzählt Klaus Ende. Der Violinist war von Anfang an mit dabei, heute spielt der mittlerweile 81-Jährige dort schon seit beinahe vierzig Jahren zweite Violine. Bereits mit sieben Jahren hat Ende das Musizieren begonnen, über Geigenunterricht an der Volksschule, später in Schul- und Studentenorchestern hat er das Instrument erlernt. In den 40 Jahren beim GKO hat er mit fünf verschiedenen Dirigenten und Dirigentinnen gespielt, dabei sei jeder Stil ein wenig anders gewesen. Auch außerhalb des Kammerorchesters trifft er sich zu Streichquartetten und anderen musikalischen Veranstaltungen. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

Seit 1993 Jahren ist die heutige Vorstandsvorsitzende Irene Wunder schon beim GKO. Von klein auf hat sie Geige gespielt, über den Geigenlehrer ihrer Tochter vom Orchester erfahren. Weil es in ihrer Nähe praktisch zu erreichen war, ist sie gekommen und weil es "musikalisch und menschlich eine tolle Truppe" sei, ist sie seit 28 Jahren geblieben, mittlerweile als sie Konzertmeisterin und somit Stimmführerin der ersten Geige. Über die Jahre hat sie mit dem GKO viele Konzerte erlebt, unter anderem auch in München und Rom - der bisher internationalste Auftritt des Kammerorchesters. Wunder hat viele Dirigentenwechsel miterlebt - und auch wie das Orchester seit Jahrzehnten Bestand hat. "Jeder neue Dirigent bring frischen Schwung, neue Stücke und Abwechslung", sagt sie. Das ist ihrer Meinung auch der Grund, warum das Orchester nun schon seit 40 Jahren besteht. Natürlich neben der Tatsache, dass Musik vor allem in großer Gruppe schöne Erlebnisse bereithält. Mit neuen Dirigenten und Dirigentinnen sei auch immer die Hoffnung auf jungen Nachwuchs verbunden, manchmal schließen sich dadurch deren Schüler dem Orchester an. Ansonsten werden neue Mitglieder hauptsächlich durch Mund-zu-Mund-Propaganda oder über die Homepage auf das Orchester aufmerksam. Insgesamt sei es aber doch eher schwierig, Nachwuchs zu finden.

Sie selbst bezeichnet ihr Orchester als "recht tolerante Gruppe". Wer mitmachen will, muss nicht offiziell vorspielen oder sich einer Jury stellen. Mitspielen kann jeder, der Spaß am Musizieren hat und sich das Niveau selbst zutraut. Neue Mitglieder können sich der Gruppe anschließen und selbst beurteilen, ob sie mithalten können. Zur Probe trifft sich das Orchester einmal wöchentlich, für ein Konzertprogramm wird im Schnitt ein halbes Jahr im Voraus geprobt. Da die meisten Mitglieder des Orchesters voll berufstätig sind, sind die Kapazitäten für das Proben daheim unterschiedlich groß, hier müssen alle aufeinander Rücksicht nehmen.

Monika Koch ist der neueste Zuwachs beim Kammerorchester und seit einem halben Jahr dabei. Viele Jahre Orchestererfahrung aus ihrer alten Heimat hat sie schon mitgebracht, trotzdem erachtet sie das Niveau des Germeringer Kammerorchesters als recht anspruchsvoll. "Ich habe noch nie so viel geübt wie im letzten halben Jahr", erzählt sie lachend. Bei der ersten Probe habe sie direkt in der ersten Geige das aktuell zu probende Stück vom Blatt gespielt und sei sehr freundlich aufgenommen worden. Dass das gemeinsame Musizieren Spaß mache, sei aber die Hauptsache.

Durch einen Mitgliedsbeitrag der Musizierenden und über Spenden finanziert das Orchester seine Ausgaben für Dirigentin, Solisten und Räumlichkeiten. Da sie die letzten zwei Jahre durch Corona nicht spielen konnten, haben sich Irene Wunder und die restlichen Vorstandsvorsitzenden bewusst dafür entschieden, ein kostenloses Konzert zu geben. Bei ihrem Jubiläumskonzert möchten sie die Menschen einladen und hoffen, dadurch wieder in das Bewusstsein und Gedächtnis der Menschen zu gelangen.

Jubiläumskonzert, Sonntag, 17. Juli, von 19.30 Uhr an in der Stadthalle Germering. Eintritt frei, Spenden erwünscht

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