In Erinnerung an Poing Angst vor einem Erdbeben

Geothermie-Projekt bereitet den Puchheimern Sorgen

Für ein Nachbeben in Puchheim sorgen die Erdstöße, die Anfang September Poing erschüttert haben. Zwar versichern Experten, dass kein Zusammenhang mit der dortigen Geothermieanlage bestehe, allerdings verstärken die Vorfälle die Sorgen mancher Bürger, dass diese Form der Energiegewinnung doch nicht so risikolos ist, wie es Betreiber gerne darstellen. "Wie werden Opfer entschädigt?", fragte ein Anwohner aus der Egenhofener Straße in der aktuellen Viertelstunde des Stadtrates. Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) antwortete, dass es ein Beweissicherungsverfahren geben werde. Das heißt, der Zustand aller Gebäude wird dokumentiert, bevor die Bohrungen für die Geothermie beginnen. Wenn später Schäden auftauchen und ein Zusammenhang nachgewiesen werden kann, gibt es eine Entschädigung. Allerdings sei die Geothermie "weitgehend risikofrei".

Der Mann hakte nach und wollte wissen, wer die Eigentümer entschädige, wenn wegen der Anlage die Immobilienpreise fielen. Als sich auch noch Dana Fritzenschaft, die Sprecherin der Siedlergemeinschaft Puchheim-Bahnhof Süd einschaltete, blaffte der Bürgermeister, sie sei wohl für alle Themen zuständig. Fritzenschaft hatte sich zuvor zu den Saatkrähen geäußert und den Bürgermeister attackiert. Etliche Zuhörer protestierten gegen Seidls Intervention und verließen den Saal. Das Wohngebiet beim Schopflacher Friedhof, wo die Mitglieder der Bürgerinitiative leben, liegt nur rund 500 Meter von den mutmaßlichen Bohrlöchern entfernt. Die Stadt hat mit der Firma Geysir Europe GmbH eine Fördergesellschaft gegründet. Eigentlich waren die Bohrungen nach dem heißen Wasser für das Frühjahr angekündigt. Im Ferienausschuss hieß es im August, die neue Gesellschaft müsse erst noch einen Zeitplan festlegen. Die Stadt verfolgt das Geothermie-Projekt seit 2005, sie hat sich die Bergrechte gesichert.