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Hörbach:Jugendstil-Schule soll verkauft werden

Das Gebäude in Hörbach von 1908 soll das Geld für ein neues Feuerwehr- und Gemeinschaftshaus auf grüner Wiese einbringen. Der Bürgermeister macht eine angespannte Finanzlage geltend, die Gegner fürchten, dass das preisgekrönte Dorf verschandelt wird

Von Peter Bierl, Hörbach

Ansprechend restaurierte Höfe säumen die Straßen, überall stehen Obstbäume und Linden. Ein renaturierter Bach schlängelt sich durch den Ort. Hörbach ist ein Juwel, im Jahr 2000 als das schönste Dorf Oberbayerns ausgezeichnet. Ein Jahr später heimsten die Bewohner beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" die Silbermedaille ein. Beim landesweiten Wettbewerb "Lebendiges Grün" war Hörbach Sieger im Landkreis.

Jetzt droht Ungemach. Die Gemeinde Althegnenberg will die alte Schule des Ortsteils Hörbach verkaufen. Es handelt sich um einen Jugendstilbau von 1908. Von dem Erlös soll ein Feuerwehr- und Gemeinschaftshaus auf der letzten freien Wiese im Dorf bezahlt werden. Bewohner und Gemeinderäte sind in der Frage gespalten. Konsens ist, dass die Feuerwehr von Hörbach eine neue Bleibe braucht.

Die Gemeinde will die Jugendstil Schule von 1908 verkaufen, um einen Ersatz für das marode Feuerwehrhaus zu bezahlen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Gegner warnen davor, dass das Dorf verschandelt wird. "Die Schule ist das Herzstück, das gibt man nicht aus der Hand", sagt Kreisheimatpfleger Toni Drexler. Die alte Schule sei prägend für das Ortsbild und wichtig für die Dorfgemeinschaft. Generationen von Hörbachern haben dort die Schulbank gedrückt oder später den Kindergarten besucht. Auf dem Platz davor befindet sich ein Spielplatz, werden Feste gefeiert. Das alles sei gefährdet und weil das Jugendstilhaus nicht denkmalgeschützt ist, ist ein Abriss nicht ausgeschlossen.

Das alte Feuerwehrhaus soll erneuert werden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Befürworter machen eine "angespannte Finanzlage der Gemeinde" geltend, wie Bürgermeister Paul Dosch, ein Parteifreier. Er kalkuliert, dass der Verkauf des Gebäudes bis zu einer halben Million Euro einbringen könnte. Damit wäre ein Teil der Kosten für das neue Feuerwehr- und Gemeinschaftshauses gedeckt. Schlüsselfertig würde der Neubau etwa 990 000 Euro kosten, sagte Dosch der SZ. Und Verkauf bedeute ja nicht automatisch Abriss. Man könne den künftigen Eigentümer per Vertrag verpflichten, das Schulhaus zu erhalten, sagt Dosch.

Der mehrfach ausgezeichneten dörflichen Idylle in Hörbach droht Ungemach.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Finanziell stünde die Gemeinde gut da, hält Gemeinderätin Marianne Dunkel (SPD) dagegen. Das neue Kinderhaus in Althegnenberg für 1,8 Millionen Euro werde ja auch nicht durch den Verkauf der Dorfkapelle finanziert, sondern aus den Rücklagen. Genauso wenig müsse man das einzige öffentliche Gebäude von Hörbach, die Schule, verkaufen, um eine Pflichtaufgabe zu erfüllen, sagt Dunkel. Der Neubau soll auf der 1500 Quadratmeter großen Dorfwiese entstehen. Das Gebäude würde etwa 25 Meter lang, zwölf Meter breit und zehn Meter hoch, sagt die Gemeinderätin. Von der Wiese bliebe nicht viel übrig. Die Fläche wurde im Zuge der Dorferneuerung gekauft als grüne Oase und Bolzplatz inmitten der Häuser. Auch ein Treffpunkt für die Jugend ist dort entstanden. Die Jugendhütte könnte bleiben, sie würde nur versetzt, argumentiert der Bürgermeister.

Die Gegner des Projektes schlagen andere Lösungen vor: Das alte Feuerwehrhaus könnte saniert und vergrößert oder neben dem Schulhaus eine Garage für das Feuerwehrauto aufgestellt werden. Man könnte einen Neubau am Ortsrand oder ein gemeinsames Feuerwehrhaus für Althegnenberg und Hörbach errichten. Das Schulhaus, das seit drei Jahren leer steht, sollte saniert und den Hörbacher Vereinen oder für Wohnungen zur Verfügung stehen.

Der Bürgermeister hält von den Vorschlägen wenig. Eine Sanierung der alten Schule samt Erweiterung für die Feuerwehr würde 840 000 Euro kosten. Der Anbau wäre eine Fertighalle, die nicht zum Altbau passe, außerdem wäre die Zufahrt für das Feuerwehrauto "katastrophal". Bei einer Zusammenlegung der Ortsfeuerwehren fürchtet Dosch, dass Aktive das Handtuch werfen. Ein kompletter Neubau anderswo würde drei bis vier Millionen kosten und zwei bis drei Jahre dauern, der Bürgermeister will nächstes Jahr anfangen.

Hinter den Kulissen wird in dem 400-Einwohner-Dorf debattiert, ein Arbeitskreis sollte verschiedene Lösungen prüfen. An diesem Donnerstag wollte der Gemeinderat von Althegnenberg, dem vier Räte aus Hörbach angehören, entscheiden. Der Bürgermeister hat den Termin verschoben. Er will die Versammlung abwarten, die die Gegner einberufen haben. Unter Moderation von Michael Raith (CSU), dem Bürgermeister von Adelshofen, können die Hörbacher am Mittwoch, 29. März, um 19.30 Uhr im Gasthof Sandmeir ihre Argumente austauschen.

© SZ vom 29.03.2017
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