Hilfsaktion:Ausgebrannt

Ein Feuer vernichtet das Hab und Gut von drei Fürstenfeldbruckern. Die Stadt ruft für die Geschädigten zum Spenden auf. Die 87 Jahre alte Erna Dürr sucht auch ein neues Zuhause

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Einige Bewohner haben ihr ganzes Hab und Gut verloren, als ihr Zuhause in der Hubertusstraße in Fürstenfeldbruck vor drei Wochen brannte. Die Stadt Fürstenfeldbruck startet nun eine Spendenaktion für Erna Dürr und die Geschwister Köteles, die keine Hausratversicherung haben. Während das Geschwisterpaar nach der Renovierung des Gebäudes in ein paar Monaten wenigstens wieder ein Dach über dem Kopf haben wird, muss sich die 87 Jahre alte Erna Dürr eine neue Bleibe suchen, eine kleine Wohnung oder einen Platz im Betreuten Wohnen.

"Ich bin barfuß aus dem Haus gelaufen, nur mit Hemd und Hose bekleidet", erzählt sie. Alles sei kaputt gegangen, Möbel und Kleidung, vor allem aber auch die Erinnerungen an ein langes Leben, die ganzen Fotos. "Das ist so schwer, wenn alle diese Stücke fort sind" klagt Dürr. Sämtliche Papiere sind verbrannt und ebenso ihr Gebiss, das sie schon abgelegt hatte. Von ihrem massiven Eichenschrank im Wohnzimmer sei nur die Bodenplatte übrig geblieben.

Hilfsaktion: Da ihr Domizil ausbrannte, muss sich Erna Dürr mit Tochter Renate Knop (oben) deren kleines Einzimmerappartement teilen.

Da ihr Domizil ausbrannte, muss sich Erna Dürr mit Tochter Renate Knop (oben) deren kleines Einzimmerappartement teilen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

In Dürrs Drei-Zimmer-Wohnung im Parterre war der Brand ausgebrochen. Ihr alter Röhrenfernseher sei implodiert und habe Feuer gefangen. "Ich wollte den Fernseher noch rauswerfen auf den Hof, habe mich dabei aber nur verbrannt", erzählt die Frau, die trotz ihres Alters und einer Herzklappe noch ziemlich rüstig ist. Früher war die gebürtige Ostpreußin eine aktive Sportlerin und Stepptänzerin. An jenem Abend habe sie es noch geschafft, die Hauptsicherung auszuschalten sowie Nachbarn und Feuerwehr zu alarmieren. Mit Verbrennungen an Gesicht und Händen wurde Dürr ins Unfallkrankenhaus nach Murnau gebracht. Sie musste sich wegen der schweren Rauchvergiftung einer Blutwaschung unterziehen.

Inzwischen lebte sie bei ihrer Tochter im Brucker Westen in einer kleinen Wohnung mit Küche, Bad und einem Zimmer im vierten Stock. Wenn Dürr am Abend die Couch ausklappt, auf der sie schläft, gibt es kaum noch ein Durchkommen in dem Appartement. Beschwerlich ist auch, dass es in dem Gebäude keinen Aufzug gibt. Dürr braucht also nicht nur eine neue Ausstattung und Kleidung, sondern auch ein neues Zuhause. Sie lebte seit mehr als dreißig Jahren in dem Gebäude in der Hubertusstraße, allerdings ist ihr die Wohnung inzwischen eigentlich zu groß geworden.

Hilfsaktion: Das Haus in der Hubertusstraße rettete die Feuerwehr zwar, nicht aber die Einrichtung mehrerer Wohnungen.

Das Haus in der Hubertusstraße rettete die Feuerwehr zwar, nicht aber die Einrichtung mehrerer Wohnungen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Gabor Köteles war noch wach, als das Feuer ausbrach. Als er den Rauch bemerkte, war der Qualm im Treppenhaus jedoch schon so stark, dass er auf diesem Weg nicht mehr flüchten konnte. Er und seine Schwester mussten von der Feuerwehr vom Balkon geholt werden. Sie sind bei Freunden in Bruck untergekommen. Bis auf ein paar Kleidungsstücke haben auch sie alles verloren, die komplette Einrichtung der Küche, die Schränke und Betten. "Es ist alles verrußt und verqualmt und nicht mehr zu gebrauchen", sagt Köteles, der als Maurer arbeitet. Eine Woche lang habe er und seine Schwester gebraucht, um die Wohnung komplett auszuräumen. Er versucht immer noch, wenigstens den Laptop in Gang zu kriegen. Den Schaden schätzt Köteles auf weit über 5000 Euro.

Gegen 20.30 Uhr hatte ein Anwohner am 16. Januar Rauch bemerkt und einen Notruf abgesetzt. Als Feuerwehren aus Bruck und Umgebung eintrafen, hatte sich das Feuer bereits in Dürrs Wohnung ausgebreitet. Mit einer Drehleiter retteten die Einsatzkräfte einen Familienvater und dessen Sohn aus dem zweiten Stock. Ein anderer Mieter stieg vom Balkon über eine Leiter ab. Das Haus stammt aus dem Jahr 1972 und besteht aus fünf Wohnungen und drei Büros. Eines davon wird vom Eigentümer genutzt, der das Haus 2005 kernsaniert und mit einem Vollwärmeschutz versehen hatte. Die Polizei bestätigte später die Angabe von Dürr, wonach das Feuer durch ein implodiertes Fernsehgerät verursacht worden sein könnte. Der Eigentümer äußerte sich dazu damals eher skeptisch. Seinen Angaben zufolge waren in der Wohnung viele alte Elektrogeräte, aber auch Textilien gestapelt.

Die Sozialberatung der Stadt unterstützt die Brandopfer. Spenden können unter dem Stichwort "Bürger in Not - Brandopfer" auf ein Konto bei der Sparkasse Fürstenfelbruck überwiesen werden. Die IBAN lautet: De15 7005 3070 0008 0008 12.

© SZ vom 08.02.2017
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