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Herzgesundheit:"Man spricht vom Broken-Heart-Syndrom"

Die Ärztin Marianne Koch beschäftigt sich in ihrem aktuellen Buch mit dem Herzen. Ein Gespräch über häufige Erkrankungen und die Kunst, gelassen zu bleiben

Julia Bergmann

Isarsana, 5. Gesundheitslernfest

Marianne Koch, hier beim Gesundheitslernfest in Bad Tölz, ist fasziniert von der Beziehung zwischen Herz und Seele

(Foto: Manfred Neubauer)

Das Herz ist der Mittelpunkt unseres Körpers, ein Hochleistungsorgan. Innerhalb eines Tages schlägt es 100 000 Mal und pumpt ein Volumen von 8000 Litern Blut durch den Körper. Marianne Koch hält an diesem Donnerstag im Kom in Olching einen Vortrag zum Thema "Was Sie vom Herzen wissen sollten" (Beginn 19 Uhr). Vorab sprach die Ärztin und Autorin über die häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schutzmaßnahmen - und über das "Broken-Heart-Syndrom".

SZ: In Ihrem Buch "Das Herz-Buch" widmen Sie sich ausführlich dem Herzen. Wieso haben Sie den Fokus darauf gelegt?

Marianne Koch: Man kann nicht sagen, dass das Herz eines meiner Hauptthemen ist. In den Gesundheitsgesprächen im Bayerischen Rundfund, bei denen ich medizinische Fragen der Anrufer beantworte, widme ich mich ja den unterschiedlichsten Themen. Aber während meiner internistischen Ausbildung und in meiner Praxis bin ich natürlich ständig mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen konfrontiert worden. Diese sind immer noch die häufigsten Todesursachen. Außerdem war es immer mein Wunsch, mich mit den Themen, die meine Patienten beschäftigen, intensiver auseinanderzusetzen. So kam es zu dem Buch.

Welche Maßnahmen kann man im Alltag treffen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen?

Risikofaktoren für Herzerkrankungen sind unter anderem Bewegungsmangel, hoher Blutdruck und Diabetes. Deshalb sind besonders zwei Dinge wichtig - Bewegung und Ernährung. Schon ein langer Spaziergang täglich ist sinnvoll und man sollte darauf achten, kein allzu hohes Übergewicht zu haben. Mediterrane Küche ist besonders zu empfehlen. Das bedeutet viel Obst, Gemüse und Fisch zu essen und mit pflanzlichen Ölen wie Olivenöl zu kochen. Im Gegensatz zu Butter enthält es kein Cholesterin. Und man sollte natürlich nicht rauchen und nicht allzu viel Alkohol trinken. Mehr als zwei Gläser Wein oder zwei Halbe Bier am Tag sind leider schon zu viel.

Welche Warnsignale sollte man beachten?

Man sollte vor allem seinen Blutdruck beobachten. Liegt der Ruheblutdruck über 140/90, ist das zu hoch. Ruheblutdruck heißt fünf bis zehn Minuten in Ruhe sitzen, bevor man misst. Wer mit schweren Einkaufstüten im Vorbeigehen in der Apotheke den Blutdruck überprüfen lässt, bei dem ist er natürlich höher. Ein anderer Risikofaktor ist die familiäre Vorbelastung, etwa wenn es bereits Schlaganfälle oder Herzinfarkte bei Verwandten gab.

Welche Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen am häufigsten vor?

Die Herzschwäche, bei der das Herz nicht mehr kräftig genug ist, um das Blut durch den Körper zu pumpen und die koronare Herzkrankheit, also die teilweise Verengung, oder der Verschluss von Herzkranzgefäßen sind sehr häufig. Auch Herzrhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern kommen häufig vor. Bei diesen Krankheiten können sich die Vorhöfe des Herzens aufgrund ungeordneter elektrischer Impulse nicht mehr richtig kontrahieren. So können sich Blutgerinnsel bilden, die über die Blutbahn weitertransportiert werden und womöglich zu einem Schlaganfall führen. Relativ häufig kommt auch eine alters- oder infektbedingte Veränderung der Herzklappen vor.

Kardiologie und Herzchirurgie haben in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Sind diese Erkrankungen mittlerweile durch die Medizin gut behandelbar?

Ja, viele Herz-Kreislauferkrankungen kann man mittlerweile gut behandeln. Vorhofflimmern wird zum Beispiel durch eine sogenannte Ablation behandelt. Dabei werden Zellen, die diese chaotischen elektrischen Impulse verursachen und so die kontrollierte Kontraktion der Vorhöfe verhindern, ausgeschaltet. Ist dieses Verfahren aufgrund der fortgeschrittenen Krankheit oder des Alters des Patienten nicht mehr möglich, kann man mit Hilfe von Blutverdünnern vermeiden, dass sich solche Gerinnsel bilden. Defekte Aortenklappen kann man heute mittels Katheter ersetzen, ohne den Brustkorb des Patienten öffnen zu müssen.

Welche neue Erkenntnis ist für Sie die derzeit beeindruckendste?

Es gibt eine Sache, die ich hochinteressant finde. Es geht um die Beziehung zwischen Herz und Seele. Man konnte mittlerweile nachweisen, dass eine große seelische Erschütterung eine erhebliche Gefahr für das Herz darstellt. Die Ausschüttung riesiger Mengen von Stresshormonen führt zu Herzinfarktähnlichen Symptomen, nur dass es hierbei nicht zu einem Verschluss der Blutgefäße kommt, sondern dass die Herzkammer selbst in einer Schockstarre ist. Man spricht vom Broken-Heart-Syndrom.

Was kann man denn überhaupt tun, um dem Broken-Heart-Syndrom zu entgehen?

Gelassen bleiben. Gerade wenn man ständig unter Hochdruck steht oder einen Arbeitsplatz hat, in dem man sich ständig überfordert fühlt, sind Entspannungstechniken wirklich empfehlenswert. Autogenes Training oder Meditation zum Beispiel. Ganz allgemein hilft auch Sport, denn er lässt uns Spannungen abbauen.

© SZ vom 07.11.2013

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