Hattenhofen:Krach und Gift im Boden

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Hattenhofen: 8000 bis 10000 Schuss am Tag: Der "Jagdparcour Oberbayern" in Hattenhofen hat seit 1972 seine Spuren im Boden hinterlassen.

8000 bis 10000 Schuss am Tag: Der "Jagdparcour Oberbayern" in Hattenhofen hat seit 1972 seine Spuren im Boden hinterlassen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Hattenhofener Schießanlage kämpft nun mit zwei Problemen

Von Karl-Wilhelm Götte, Hattenhofen

Neben dem Lärmproblem kommt auf den Betreiber der Schießanlage Hattenhofen ein zweites Problem hinzu: die Belastungen von Boden und Wasser im Jagdparcours. Die Ergebnisse erster Untersuchungen weisen auf erhöhte Belastungen durch Schwermetalle, aber auch Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) hin. Auch eine Überschreitung des Grenzwertes für Arsen wurde festgestellt. Das ergab eine Antwort der Bayerischen Staatsregierung auf eine Anfrage des Gröbenzeller Grünen-Landtagsabgeordneten Martin Runge vom 3. Mai dieses Jahres.

"Das ist aufgrund der langjährigen und intensiven Nutzung des Geländes nicht verwunderlich", kommentiert Runge das Untersuchungsergebnis. Das bezieht sich auf eine sogenannte "orientierende Untersuchung" des Brucker Landratsamtes, die als untere Staatsverwaltungsbehörde für den Naturschutz, den Wasserschutz, den Bodenschutz, den Immissionsschutz (auch Lärmschutz) zuständig ist. Runge hatte gefragt nach Belastungen von Boden und/oder Grundwasser durch Gefahrenstoffe wie Nitrosamine, Blei, Antimon, Nickel, Barium oder andere Metalle, verursacht durch das Schießen mit Feuerwaffen. Zudem interessierte ihn, wie der Boden durch den Aufschlag des Bleischrots belastet ist.

Die Antwort des Ministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz: "In den Aufschlagsbereichen des Bleischrots in nahezu allen aus dem oberflächennahen Bereich entnommenen und im Feststoff untersuchten Bodenproben (bis in 0,5 Meter Tiefe) erhöhte Gehalte für die Parameter Blei, Arsen und Antimon festgestellt. Ebenso ergab sich für die meisten Untersuchungen im Eluat erhöhte Gehalte für die genannten Parameter. Bei den Aufschlagsbereichen der Wurfscheiben ergab sich für alle untersuchten Bodenproben erhöhte PAK- und Blei-Gehalte (Feststoff). Aus den Entwässerungsgräben entnommene Sedimentproben wiesen Überschreitungen für Arsen, Blei und Antimon (Feststoff) auf und die Beprobung des Teichs ergab erhöhte Gehalte von Arsen (Feststoff)." Auch aus den Entwässerungsgräben entnommene Sedimentproben wiesen Überschreitungen für Arsen, Blei und Antimon auf und die Beprobung des Teichs ergab erhöhte Gehalte von Arsen.

Zu möglichen Belastungen des Grundwassers wurden in der Beantwortung der Anfrage keine konkreten Aussagen getroffen. "Um dem Verdacht einer Gefährdung des Schutzgutes Grundwasser vertiefend nachzugehen, hat das Landratsamt Fürstenfeldbruck weitere Maßnahmen zur abschließenden Gefährdungsabschätzung veranlasst", antwortete das Ministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz. Runge reicht die Antwort der Staatsregierung noch nicht und fordert vom Landratsamt Fürstenfeldbruck "jetzt zügig gründliche Detailuntersuchungen" und - basierend auf den Ergebnissen - umgehende Sanierungsmaßnahmen. Auch der Olchinger SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi hatte das Landratsamt schon mehrmals zu Bodenuntersuchungen aufgefordert und entsprechend tätig zu werden. Das Landratsamt hat "bereits vor vielen Jahren Beschwerden über und Hinweise auf unzulässige Abfallablagerungen und mögliche Boden und Wasserverunreinigungen bekommen", kritisiert Runge die Untätigkeit der Behörde, sich das 1972 als "Jagdübungsplatzes" eröffnete Gelände exakt anzuschauen.

Ob der vom Landratsamt erwartete Bescheid, die Schussanzahl pro Tag auf 2200 aus Lärmschutzgründen zu begrenzen, bereits dem Betreiber zugestellt wurde, hat die Behörde auf Nachfrage der SZ nicht bestätigen wollen. Beschwerdeführende Anwohner von Hattenhofen bis nach Mammendorf konnten auch mit Tonbandaufnahmen belegen, dass an den Schießtagen 8000 bis 10 000 Schuss täglich abgefeuert wurden. Sie hatten deshalb eine erhebliche Verminderung gefordert. Auch Hattenhofens Bürgermeister Franz Robeller unterstützt diese Forderung nachdrücklich: "Wir hoffen auf 2200 Schuss, sonst wehren wir uns."

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