Gröbenzell:Zu wenig Geld und Personal

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Gröbenzell verschiebt seine Bemühungen um das Prädikat "Kinderfreundliche Kommune" auf das nächste Jahr

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzel

Das Prädikat "Fahrradfreundliche Kommune" hat sich Gröbenzell bereits erarbeitet. Jetzt soll auch das Siegel "Kinderfreundliche Kommune" dazu kommen. Ulrike Breitkopf (CSU), Referentin für Familien, hatte den Antrag mit ihrer Fraktionskollegen Anita Rieger im Vorjahr gestellt. Für die Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend hatte das Sozialreferat ausführlich skizziert, wie sich so eine Mitgliedschaft im gleichnamigen Verein realisieren lässt. Am Ende einer engagierten Diskussion, in der sich eigentlich alle einig sind, dass das prinzipiell eine gute Sache ist, einigt sich der Gemeinderat darauf, eine Bewerbung zu den Haushaltsberatungen 2022 zu beschließen.

Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) fasst es eingangs folgendermaßen zusammen: "Wir sind ein bisschen zwiegespalten in der Verwaltung. Wir würden es gerne machen", aber das ganze Projekt koste nicht nur Geld, sondern er fordere auch einen erheblichen Arbeitseinsatz. Mit Blick auf die Personalsituation im Rathaus bedauert er: "Das ist für uns momentan nicht darstellbar", die Bewerbung erfordere eine Halbtagskraft. Auch sei der Haushalt für dieses Jahr bereits beschlossen und von der Kreisbehörde bewilligt, plädiert er dafür, erst im kommenden Jahr mit der Bewerbung zur kinderfreundlichen Kommune zu beginnen.

Ähnlich wie bei der fahrradfreundlichen Kommune vergibt auch dieses Siegel ein Verein, der interessierte Kommunen auf ihrem Weg zum Prädikat begleitet. Die erforderliche Mitgliedschaft kostet 6000 Euro im Jahr und ist zunächst für vier Jahre angesetzt. Zu Beginn des Beitritts gibt es eine Bestandsaufnahme, außerdem werden Kinder und Jugendliche in der Kommune befragt, wie sie sich am Ort fühlen und welche Punkte sie gerne verbessert hätten. Beides fließt in einen Aktionsplan ein, den Experten als Leitfaden für die nächsten Jahre erstellen. Das Programm erfolgt auf Grundlage internationaler Erfahrungen der Child-Friendly-Cities-Initiative. Eines der Ziele ist mehr Mitbestimmungsrechte für junge Menschen.

Peter Falk lobt im Namen der SPD die Idee und will möglichst bald mit der Bewerbung beginnen. "Die zentrale Aufgabe der Gemeinde ist nun mal die Kinderbetreuung", auch Puchheim und München seien bereits Mitglied, unterstreicht der Fraktionsvorsitzende. Larissa Holger (Grüne) wirbt mit Blick auf den von der Pandemie geschädigten Haushalt dafür, das Geld lieber direkt für Kinder und Jugendliche auszugeben, anstatt dafür so ein Siegel zu bekommen. Ihrer Argumentation schließt sich Jugendreferentin Karin Spangenberg (UWG) an; man solle das Geld beispielsweise lieber in die so notwendige Skaterbahn investieren. Außerdem seien Kinder und Jugendliche generell wichtig, auch ohne Siegel.

Die CSU-Fraktion will ihren Antrag freilich so schnell wie möglich realisiert wissen. "Ausgerechnet an den Kindern zu sparen, halte ich für falsch", kontert Brigitte Böttger. Und auch, die Skaterbahn gegen die Mitgliedschaft im Verein Kinderfreundliche Kommune auszuspielen, einer Initiative des deutschen Komitees für Unicef und des deutschen Kinderhilfswerks.

Man wolle doch im Falle einer Mitgliedschaft gut dastehen, wirbt Zweiter Bürgermeister Martin Runge (Grüne) dafür, den Beitritt erst zu den Etatberatungen 2022 zu beschließen. Wie Schäfer erläutert, ist die neue Kraft im Sozialreferat dann so weit eingearbeitet, dass sie die Kollegen unterstützen könne. "Das Projekt soll ja auch gelingen", unterstreicht der Bürgermeister und kann so die CSU-Fraktion überzeugen. Der Beschluss fällt ohne Gegenstimmen aus.

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