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Gröbenzell:Unterwegs zur Barrierefreiheit

Alte Schule Gröbenzell

Barrierefrei zur Diskussion: Mithilfe eines Aufzugs gelangen auch Besucher, die auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, zum Veranstaltungsraum in der Alten Schule.

(Foto: Matthias F. Döring)

Bei einer Veranstaltung in der Alten Schule betont Bürgermeister Martin Schäfer die Verbesserungen für Menschen mit Behinderung. Doch es gibt noch viele unebene Gehwege und hohe Bordsteinkanten

Immer noch haben Menschen mit Behinderung in Gröbenzell mit Stolperfallen auf Gehwegen oder Bordsteinabsenkungen zu kämpfen. Ebenso wachsen immer noch viele Büsche aus Privatgärten in die Gehwege hinein, so dass kaum Platz für einen Rollstuhlfahrer bleibt. Die schweren Brandschutztüren in der Tiefgarage des Bürgerhauses sind für Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte kaum zu öffnen. Dafür tut sich etwas beim häufig defekten Aufzug am Bahnhof. Richtig in die Bredouille kommt Gröbenzells Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) bei der Bestandsaufnahme zur Barrierefreiheit in der Gemeinde aber nicht. Die 35 Besucher aus Seniorenbeirat, VdK, Sozialdienst und interessierten Bürgern widersprachen dem Rathauschef, als der sagte: "Wir haben doch einiges vorangebracht."

Auch die anwesenden politischen Mitbewerber und Gemeinderäte anderer Parteien, darunter Bürgermeisterkandidat Ingo Priebsch von den Grünen, profilierten sich vor Kommunalwahlen in Anwesenheit des amtierenden Rathauschefs nicht. Eine treibende Kraft zugunsten der Barrierefreiheit in Gröbenzell ist Harald Hengesbach. Er steht dem Arbeitskreis "Leben ohne Barrieren" vor. Der Arbeitskreisleiter schreibt akribisch auf, was ihm Behinderte zutragen. "Wir haben im vergangenen Jahr sechs Listen ans Rathaus geschickt", verkündete Hengesbach. "Einiges ist erledigt worden. Das freut mich", resümierte er und lobte die Gemeindeverwaltung dafür, dass die Fußgängerampeln in der Bahnhofstraße behindertengerecht umgerüstet worden sind. Auch seien einige Stolperfallen in der Kirchenstraße beseitigt worden. "Einige Privateigentümer ziehen da noch nicht mit", sagte Hengesbach und kritisierte, dass noch viele Platten kippelten und Kanaldeckel zu hoch stünden. Auch auf das Areal der Münchner Bank in der Kirchenstraße war er nicht gut zu sprechen. "Es ärgert mich, dass die Pflasterreihe dort so uneben ist", sagte er und fügte an: "Die Bank interessiert das nicht."

Für die Neupflasterung oder Neugestaltung des sehr unebenen Rathausplatzes nach Fertigstellung des Rathauses versprach Schäfer, die zuständigen Initiativen rechtzeitig zu beteiligen. "Wir haben die Zusage der Deutschen Bahn, dass sie den Aufzug am Bahnhof austauschen wird", stellte Schäfer eine Verbesserung in Aussicht. Ob die Türen des neuen Aufzugs beidseitig aufgehen, wie ein Besucher vorschlug, bleibt abzuwarten. Nachdem der Bus 832 im Gröbenzeller Norden nach der Testphase in Betrieb bleiben wird, will sich die Gemeinde nun um Sitzgelegenheiten und Regenabdeckungen an den Bushaltestellen kümmern. Da alle Bushaltestellen in Bayern bis 2023 sowieso verpflichtend behindertengerecht ausgebaut werden müssen, stellte Schäfer eine Sammelausschreibung der 23 Landkreiskommunen in Aussicht, um Geld zu sparen. Auch formulierte er für den Bus 832 ein Ziel für die Zukunft: "Kürzere Taktzeiten und eine Verlängerung der Betriebsstunden in Richtung nachts und an den Wochenenden."

Schäfer teilte mit, dass die Gemeinde das gesamte Straßennetz in Gröbenzell begutachten ließ, um notwendige Ausbau- und Reparaturmaßnahmen vorzunehmen. "Wir haben alle Straßen fotografieren lassen, pro Meter fünf Fotos", erläuterte er: "Das hat uns 40 000 Euro gekostet." Daraus entstehe eine Prioritätenliste, welche Straßen, Geh- und Radwege umgehend zu sanieren sind. Schäfer: "Das ist natürlich auch eine Frage des Geldes im Haushalt." Schwierig sei die Lage an der Olchinger/Augsburger Straße, die gleichzeitig eine Staatsstraße ist. Querungshilfen müssten dort mit der Straßenverkehrsbehörde in Freising vereinbart werden. "Wir sind mit Freising in Kontakt", bestätigte Schäfer und erinnerte noch an die "gefährlichen Ausfahrten" bei den Discountern an der Augsburger Straße. Der Bürgermeister sicher: "Die Straße müsste im gesamten Bereich neu geplant werden."

© SZ vom 17.02.2020
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