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Gröbenzell:Stoff fürs Leinen

Heimatmuseum

Alte Technik: Werner Urban (links) und Albert Donhauser schauen Roswitha Hofrichter am Spinnrad zu.

(Foto: Günther Reger)

Die Ausstellung "Spinn. Spinn, Spinnerin" im Torfmuseum in Gröbenzell zeigt, wie mühsam und langwierig es gewesen ist, bis aus Flachsfasern brauchbare Fäden geworden sind

Im Hintergrund erklingt das alte Volkslied aus dem Salzburger Land: "Spinn, spinn Spinnerin, sitzt am goldnen Radl, Seidnfadn auf der Spindl zu a Pfoadl für mein Kindl", während im Gröbenzeller Torfmuseum am Sonntagmittag die ersten Besucher eintreffen. Sofort zieht es die Gäste zu den einfachen Gerätschaften und Werkzeugen, mit denen man früher aus Flachs die Fasern gewann, aus denen dann Fäden gesponnen wurden. Diese wiederum bildeten den Grundstoff für das Leinen, aus dem Kleider, Handtücher, Bettlaken und Unterröcke geschneidert wurden. "Spinn. Spinn, Spinnerin ...", ist die Sonderausstellung überschrieben, in der man bis ins Detail nachvollziehen kann, wie noch in der Nachkriegszeit in manchen Gegenden aus Flachsfasern wertvolle Fäden gesponnen wurden. Auf einer Wäscheleine hängen quer über der Ausstellung etliche Leinentücher, aber kein "Pfoadl" (Kinderhemdchen), wie es im Lied heißt.

Museumsleiter Albert Donhauser sprach bei der Eröffnung von einer "Wahnsinnsarbeit", die nötig war, nur um Flachsfasern zu bekommen. Einen guten Einblick hierfür bietet ein Film, in dem die Fasergewinnung vom Anbau der Pflanze über Ernte und Trocknung bis zum Feinspleißen gezeigt wird. Wie aus den Fasern die Fäden werden, führen an den Öffnungstagen Mitglieder der Brucker Handspinngilde vor. "Ziel unseres Vereins ist es, das alte Handwerk der Fadenspinnerei zu erhalten und wieder zu beleben", erklärte Roswitha Hofrichter, daher habe man Donhausers Angebot gerne angenommen, "ohne Bezahlung nur gegen Kaffee und Kuchen". Für Hofrichter ist das Spinnen "Entspannung pur". "Manche gehen Joggen, andere machen Yoga, ich dagegen setze mich nach einem stressigen Arbeitstag ans Spinnrad und komme so runter, bevor ich an die Hausarbeit gehe", erzählte sie und drehte fast meditierend bunte Fäden.

Hofrichter erklärte auch das einfache Spinnen mit der Handspindel. Davon sind in der Ausstellung einige schöne aber auch sonderbare "Eigenkreationen", wie zum Bespiel eine Holzspindel mit einer CD als Drehteller, zu sehen. Bewundernswert sind vor allem die unterschiedlich aufgemachten Spinnräder, die im Museumsraum aneinander gereiht sind. Es gibt eigentlich nur zwei Grundtypen, den Bock, mit einem vertikalen und die Ziege mit dem horizontalen Spinngerüst, wusste Monika Petri von der Spinngilde, die mittlerweile über 600 Mitglieder zählt. Anhand von Gerätschaften und Beschreibungen wird erklärt, dass man nach dem "Raufen" und Trocknen die Flachspflanzen über einen "Riffelkamm" mit langen Eisenzähnen zog, um die trockenen Samen abzustreifen. Aus dem Leinsamen, den man nicht für die neue Aussaat brauchte, wurde Leinöl gewonnen, oder man fütterte sie an Kälber oder verwendete sie als Hausmedizin, zum Beispiel gegen Abszesse, Gliederschmerzen oder bei Magenbeschwerden, ist auf einer der Tafeln zu lesen. Nach dem "Riffeln" mussten die Stängel durch Rösten oder Dörren in holzige und Bastteile für Fasern aufgespaltet werden. Nach dem Rösten musste man brecheln. Dazu benutzte man die Flachsbreche, von denen verschiedene Ausfertigungen zu bestaunen sind. Die so erhaltenen Faserbündel mussten dann noch gehechelt werden, um zusammenhängende Fasern voneinander zu trennen, denn nur so können sie wie Wollfasern zu Fäden gesponnen werden und mit einer "Haspel mit Umlaufzähler" zu einem Wollknäuel zusammengelegt werden.

Für die "hervorragende Ausstellung" gab es Dank und Lob vom Gröbenhüter-Vorsitzenden Rudi Ulrich und von Gemeinderätin Brigitte Böttger.

Spinn. Spinn, Spinnerin ... Torfmuseum Gröbenzell, bis 10. September jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr.

© SZ vom 22.05.2017

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