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Gröbenzell:Grüne wollen Tempo 30 als Standard

Eine der Hauptverkehrsadern: Die Eschenrieder Straße ist recht übersichtlich. Wohl auch deshalb wird dort manchmal zu schnell gefahren.

(Foto: Günther Reger)

Ortsverband will nicht nur auf der Eschenrieder Straße die Geschwindigkeit reduzieren, sondern möglichst im gesamten Ortsbereich. Das freilich dürfte rechtlich schwierig werden

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Tempo 30 oder 50? Die Diskussion um eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Kilometer pro Stunde in der Eschenrieder Straße in Gröbenzell dauert an. Spätestens seit die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Ausfallstraße 2019 testweise herabgesetzt worden war, weil die Gemeinde an einer Studie teilnahm, bewegt das Thema die Gemüter. Es gab eine Klage gegen die Geschwindigkeitsreduzierung, und als die Grünen kurz vor Weihnachten - inzwischen war das Tempo wieder auf 50 heraufgesetzt worden - Plakate mit "Freiwillig Tempo 30" an der Eschenrieder Straße aufgehängt hatten, waren diese in großer Zahl zerstört wurden. Am Mittwoch haben die Grünen nun bei einer Online-Diskussion ihren Standpunkt verdeutlicht. Innerorts, so das Ziel, soll Tempo 30 zur Normalgeschwindigkeit werden und Tempo 50 die Ausnahme. Mit einer virtuellen Unterschriftenliste wollen sie dafür die Unterstützung dokumentieren.

Mit 21 Teilnehmern ist das Interesse an dem virtuellen Meinungsaustausch überschaubar. In einer kurzen Zusammenfassung legt Reinhard Jurk die Argumente der Grünen dar. Der Physiker verweist auf die Historie des Tempolimits und erinnert daran, dass die heute geltende Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Stundenkilometer in Ortschaften 1957 eingeführt wurde. "Seit 1957 ist schon ein bisschen was passiert", unterstreicht der Referent und zeigt 60 Jahre alte Fotos vom Münchener Stachus mit nur vereinzelten Autos. Und für die Eschenrieder Straße gebe es auch schon mindestens seit 2013 Bestrebungen, das Tempo zu reduzieren. Mit Blick auf die geltenden Regeln und jenen Kläger, der die vorübergehende Geschwindigkeitsreduzierung gerichtlich überprüfen lassen wollte (die Tempo-30-Schilder wurden an dem Tag abgebaut, als die Verhandlung stattfinden sollte - kurzfristig wurde diese abgesetzt) sagt der Referent: "Er hat vermutlich recht", die geltenden Gesetze würden ein Tempolimit nicht hergeben, da die Eschenrieder Straße zu stark befahren und entsprechend bedeutend für den überörtlichen Verkehr sei.

Als weitere Argumente führt Jurk die geringere Zahl an Unfällen an, den Lärm- und Umweltschutz sowie den Zeitverlust, der so gering sei, dass er, "wahrscheinlich für jeden verschmerzbar ist". Besonderen Fokus legt der Physiker auf den Anhalteweg, also die Summe aus Reaktions- und Bremsweg. Aus Tempo 30 würde ein Auto in etwa 13 Metern zum Stehen kommen, bei Tempo 50 wären es etwa 28 Meter. Die Grünen im Bund hätten das gleiche Ziel, so Jurk, nämlich 30 statt 50 km/h als innerörtliche Richtgeschwindigkeit. Eine entsprechende kleine Anfrage im Bundestag vom September sei jedoch "mit den üblichen Argumenten" abgelehnt worden. Also haben die Grünen Gröbenzell überlegt, wie sie als Ortsverband Druck ausübenkönnen und bieten jetzt eine Unterschriftenliste an (Tempo 30@gruene-groebenzell).

de). Jurk zeigt eine Karte von Gröbenzell mit den verschiedenen, aktuell geltenden Geschwindigkeiten von Schrittgeschwindigkeit bis 50 Stundenkilometer. Sie zeigt auf einen Blick, dass die laut Straßenverkehrsordnung geltende Höchstgeschwindigkeit in Gröbenzell höchstens in der Hälfte der Straßen noch gilt. Insofern ist das Ziel der Grünen von möglichst durchgängig Tempo 30 nach Jurks Einschätzung gar nicht mal so weit entfernt.

Walter Voit, Ortsvorsitzender und Verkehrsreferent im Gemeinderat, weist darauf hin, dass die Grünen in den letzten Jahren am Ort bereits an einigen Stellen eine Geschwindigkeitsreduzierung durchsetzen konnten. In der Zillerhof-, Augsburger und Lena-Christ- Straße wurde die Höchstgeschwindigkeit an einigen Stellen auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert; bei Letzterer geschah das, nachdem die Ampel dort mehrmals von Autos umgefahren worden war. Und in der Augsburger Straße, dem jüngsten Erfolgsprojekt von Grünen und Arbeitskreis Verkehr der Agenda 21, half der dort gelegene Kindergarten. Obwohl die Augsburger Straße eine Staatsstraße mit großem Verkehrsaufkommen sei, so Voit. Zum Vergleich verweist der Verkehrsreferent auf die vierspurige Verdistraße in München; dort gilt seit einiger Zeit aus den selben Gründen ebenfalls Tempo 30, wie in Gröbenzell zeitlich limitiert.

Juristisch betrachtet ist es laut Heinrich Moser leichter für eine Kommune, eine 30er-Zone einzurichten - was die Grünen für die Eschenrieder Straße ablehnen, da dann zwangsläufig rechts vor links gelten würde - als ein Geschwindigkeitslimit von Tempo 30. Laut dem Kreisvorsitzenden des Verkehrsclubs (VCD) Fürstenfeldbruck-Starnberg sind die Hürden für die Zone niedriger. Schwierig bleibe es dennoch, erklärt Moser.

"Bayern handhabt solche Tempolimits sehr restriktiv", weiß Bernd Sluka. Er ist der Landesvorsitzende des VCD Bayern und hat einen guten Überblick. Doch es gebe auch regional große Unterschiede. In seinem Wohnort Passau etwa werde sehr viel für nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer getan. Allerdings gebe es über der Stadt keine Kontrollinstanz, wie etwa für Gröbenzell das Landratsamt. "Passau ist eine kreisfreie Stadt.", betont Sluka.

© SZ vom 19.01.2021
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