Gröbenzell Gemeinderat will "Hexe" kaufen

Die "Hexe" ist ein beliebter Jugendtreff. Der Gemeinderat will nun auch Kaufverhandlungen mit den Eigentümern führen.

(Foto: Günther Reger)

Noch sind viele Fragen offen, doch die Rats-Mehrheit bekundet Interesse am Erwerb

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Wird abgerissen und neu gebaut oder bleibt die frühere Bahnhofswirtschaft und heutige Gaststätte "Hexe" den Gröbenzellern erhalten? Die Chance auf Letzteres hat sich am Donnerstag leicht erhöht. Denn der Gemeinderat hat mit großer Mehrheit beschlossen, neben Verhandlungen mit den Eigentümern über einen Grundstückstausch auch die Möglichkeit eines Erwerbs von Kirchenstraße 2 und 4 ins Spiel zu bringen. Gegen diese Erweiterung des Verhandlungsspielraums votierten weite Teile der CSU-Fraktion. Ihre Kritik: Es gibt noch keinen Plan, was mit dem Gebäude geschehen soll, das für den Ort historische Bedeutung hat. Bislang ist völlig unklar, was ein Kauf und vor allen Dingen die notwendige Kernsanierung kosten würden.

"Das ist das schönste Geburtstagsgeschenk heute", kommentiert Finanzreferent Peter Falk (SPD) den Antrag von Anton Kammerl (CSU), in Kaufverhandlungen mit den Grundeigentümern einzutreten, der Wohnform Wohnbau GmbH in Germering. Die SPD hatte in den 1990er Jahren schon einmal den Antrag gestellt, das Gebäude zu erwerben. Auch damals stand der Abriss der "Hexe" bevor. Eine Bürgerinitiative, ins Leben gerufen von Kammerls Schwester Lilly sowie Karin Klöpper, hatte dies verhindert. Schon damals lehnte die CSU-Fraktion den SPD-Antrag ab. "Es ist unser öffentlicher Auftrag, historische Gebäude zu erhalten", betont Falk und nennt es mit Blick auf die CSU "fahrlässig", die Chance auf einen Grunderwerb abzulehnen.

"Bevor ich etwas kaufe, sollte ich wissen, was ich damit tun will", widerspricht Anita Rieger (CSU). Alles andere sei nicht "planvoll". Ihre Fraktionschefin Brigitte Böttger ergänzt, in Gröbenzell sei "sehr viel und sehr schön" alte Bausubstanz vorhanden. Für sie sei das schwer zu entwickelnden Grundstück direkt an Bahnlinie und Unterführung kein Filetstück, "für mich ist das eher ein Kotelett". Wie seine Parteifreundinnen gibt Thomas Eichler zu bedenken, dass die Alte Apotheke auf jeden Fall abgerissen werden müsse und die Kosten für eine Kernsanierung der einstigen Bahnhofswirtschaft derzeit völlig offen seien. "Es wird Millionen kosten."

Antragsteller Kammerl unterstreicht in seiner Funktion als Jugendreferent, die "Hexe" stelle seit Jahrzehnten für den Nachwuchs einen der wenigen Treffpunkte in Gröbenzell dar. Bei der Abiturfeier vorige Woche sei der größte Jubelausgebrochen, als der Bürgermeister den Absolventen einen Hexe-Gutschein überreichte. Kammerl ist einverstanden mit einer Umformulierung seines Antrags nach einem Vorschlag von Michael Leonbacher (FW). Demnach soll die Gemeinde schlicht gegenüber der Wohnform Wohnbau GmbH Interesse an einem Kauf bekunden - ohne eine Preisvorstellung zu nennen. "Den Preis bestimmen nicht wir, den Preis bestimmt der Eigentümer." Wenn der genannt sei, könne der Gemeinderat immer noch entscheiden, ob er sich den Kauf leisten wolle. Auch das Ergebnis des Wertgutachtens, das die Gemeinde für das Areal in Auftrag gegeben hat, müsste dann vorliegen.

Zweiter Bürgermeister Martin Runge (Grüne), der wie stets beim Thema "Hexe" Rathauschef Martin Schäfer (UWG) vertritt und deshalb auch die Verhandlungen über einen Grundstückstausch führt, erklärt, es gebe unterschiedliche Auffassungen, unter anderem über den Wert des Areals. Nach seiner Einschätzung wäre die Option eines Kaufes für die aktuellen Eigentümer "ein Fitzelchen mehr an Möglichkeiten". Da aber auf dem Markt zurzeit vor allem Boden knapp ist, mutmaßt er, dass die Brüder Fontein von der Wohnform Wohnbau GmbH einen Grundstückstausch favorisieren werden.

Erst vor ein paar Wochen hatte der Bauausschuss der Gemeinde einen Bauantrag der Fonteins für die Kirchenstraße 2 und 4 abgelehnt. Ein Grund waren unterschiedliche Auffassungen über die Berechnung der Stockwerke.