Gröbenzell:Ausgelassene Freude und ernste Untertöne

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Gröbenzell: So bunt wie die Seifenblasen zeigt sich Gröbenzell beim interkulturellen Fest.

So bunt wie die Seifenblasen zeigt sich Gröbenzell beim interkulturellen Fest.

(Foto: Günther Reger)

Bei "Gröbenzell ist bunt" feiern bis zu 5000 Menschen nach zwei Jahren Corona-Pause ein großes Fest auf dem Rathausplatz. Und vergessen dabei jene nicht, die es nicht so gut haben.

Von Karl-Wilhelm Götte       , Gröbenzell

Der Gröbenzeller Rathausplatz tanzt, und Cordula Braun ist spürbar beglückt. "Da steckt sehr viel Herzblut drin", sagt die Gemeinderätin und Referentin für interkulturelle Zusammenarbeit, die das interkulturelle Fest 2016 erstmals mit ihrem Team auf die Beine gestellt hat. Oben auf der Bühne animiert Zvonko Paunovski viele Kinder und einige Erwachsene, darunter auch Bürgermeister Martin Schäfer, zur "Jerusalema", einem Gemeinschaftstanz. "Wir fangen mit dem linken Bein an", erklärt er, "dann viermal auftippen und einen Shuffle." Das klappt ganz gut. Sehr gut ist gegen sieben Uhr abends auch noch der Besuch bei "Gröbenzell ist bunt", das schon am frühen Nachmittag begonnen hat. 2000 Besucherinnen und Besucher sind mindestens gekommen. Rathauschef Schäfer schätzt sogar 5000 während der gesamten Veranstaltung.

Gröbenzell: Bis zu 5000 Besucherinnen und Besucher kommen zum interkulturellen Fest.

Bis zu 5000 Besucherinnen und Besucher kommen zum interkulturellen Fest.

(Foto: Günther Reger)

In der Rathausstraße drängen sich die Menschen an den zahlreichen Ständen mit Speisen aus aller Welt. Natürlich steht bei "Gröbenzell ist bunt" auch bei der fünften Auflage die Begegnung der Menschen im Vordergrund. "Ja", sagt Cordula Braun, "es ist essen, trinken, Spaß und Freude." Wieder jauchzt sie dabei, als der Jerusalem-Shuffle prima funktioniert und sie ihre dreijährige Enkelin Emma auf der Bühne entdeckt. Essen, trinken und Spaß dominieren eindeutig um das neue Rathaus herum, wenn auch der eine oder andere Stand keine Verbindung zu Gröbenzell haben dürfte.

Gröbenzell: Zipporah aus Kenia flicht Anastasiia aus der Ukraine Zöpfe.

Zipporah aus Kenia flicht Anastasiia aus der Ukraine Zöpfe.

(Foto: Günther Reger)

Die Besucherinnen und Besucher sind neugierig auf das Essen aus fernen und nahen Ländern. Kulinarisch wird alles geboten. Dicht umlagert ist gerade der Syrien-Afghanistan-Stand, daneben lassen sich die Gäste eine Paella aus Spanien schmecken. Am Tibet-Stand gibt es Khapsey, einen tibetanischen Glückskeks. Gegenüber bieten die Griechen auch Nescafé mit Vanilleeis an. Drumherum wird getöpfert, es werden Graffitis gesprayt, am Nigeria-Stand Zöpfe geflochten oder Batiken für Kinder angeboten. Dieter Ziehten zeigt der neunjährigen Elena, wie das chinesische Schriftzeichen für Hund aussieht, indem er es mit einem Schreibschwamm auf den Asphalt malt.

Gröbenzell: Ada (links) und Ezeoffia präsentieren Eigenkompositionen.

Ada (links) und Ezeoffia präsentieren Eigenkompositionen.

(Foto: Günther Reger)

Doch es gibt auch politische Botschaften aus Afrika, die den interessierten Besucher aufrütteln. Da ist der Stand des Ghana-Projekts, der daran erinnert, dass der Norden dem armen Süden auf diesem Planeten nach wie vor die Lebensgrundlage raubt. "Die Trawler aus Japan, China, Russland und der EU fangen an einem Tag so viele Fische, wie 50 Boote der ghanaischen Fischer in einem Jahr", steht auf einem Plakat. Auf einem anderen geht es um den CO₂-Ausstoß pro Person und Jahr. 1990 betrug der in Deutschland 11,84 Tonnen und in Ghana 0,17 Tonnen. 2020 hat sich das Verhältnis, das nun 7,70 hierzulande und 0,5 Tonnen in Ghana beträgt, nicht wesentlich verändert. Ganz Afrika trägt nur zu vier Prozent an den globalen Treibhausgas-Emissionen bei, leidet aber unter den Folgen des Klimawandels weit mehr als andere Regionen auf dieser Erde.

Gröbenzell: Gabriel Niembs, Preisträger bei Jugend musiziert, spielt beim Fest.

Gabriel Niembs, Preisträger bei Jugend musiziert, spielt beim Fest.

(Foto: Günther Reger)

Das "Haus für Kinder", die "Ährenfeldfüchse", zeigen ihre offenbar erfolgreichen Integrationsbemühungen. Am Tisch gibt es Kinderschminken und auch die Glitzer-Tattoos erfreuen sich großer Beliebtheit. Auf einem blauen Plakat sind weiße und bunte Kinderhände geklebt worden. Darauf stehen Namen, wie Rinlada, Mona, Elisa, Dean oder Thalia. "Wir sind alle einzigartig und schön", steht darunter, "aber zusammen sind wir ein Meisterwerk." Auf der Rathausbühne geht das Programm inzwischen weiter. Bald ist die 16-köpfige-Sambagruppe von Bateria Z dran. "Wir werden ordentlich Lärm machen", verspricht Andrea Larcher aus Fürstenfeldbruck. Es folgt noch eine griechische, indische und ugandische Tanzvorführung. Erst um 22.30 Uhr schließt das Fest. Das positive Fazit von Bürgermeister Schäfer steht schon früher fest: "Gröbenzell gibt Vollgas", verkündet er zufrieden. "Das Bürgerfest vor einer Woche voll, dieses Fest heute voll und morgen wird auch das Fest der Gröbenhüter voll sein." Der gleichzeitig stattfindende verkaufsoffene Sonntag ist da noch eine willkommene Zugabe.

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