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Grafrath:Räte lehnen Ensembleschutz für alte Gebäude ab

Die Kapelle Sankt Nikolaus auf der Amperinsel im Grafrather Ortsteil Wildenroth stammt aus dem Jahr 1778 und steht bereits unter Denkmalschutz.

(Foto: Günther Reger)

Wie mit historischem Baubestand umgehen? Grafrath hält nichts von Konzepten, die Eigentümern Einschränkungen abverlangen könnten

Von Manfred Amann, Grafrath

Der Bereich vor und nach der Amperbrücke im Grafrather Ortsteil Wildenroth wird nicht unter Ensembleschutz gestellt. Der ehemalige Grünen-Gemeinderat Peter-Michael-Kaifler hatte das beantragt, um den Ortskern von Alt-Wildenroth zu erhalten. Doch nach Auffassung einer Mehrheit des Gemeinderats lässt sich das nicht umsetzen. Möglich wäre jedoch gewesen, ein kommunales Denkmalkonzept zu entwickeln.

Ziel des Programms ist es, mit aktiver Bürgerbeteiligung ein Konzept zu erarbeiten, das den Kommunen helfen soll, bei Planungen historischen Baubestand zu schützen. Dafür werden die historischen Grundlagen ermittelt und dann Handlungsempfehlungen formuliert. Nach kontroverser Beratung lehnte der Gemeinderat diesen Vorschlag des Landratsamtes mit einer Zweidrittel-Mehrheit ab und beschloss, Kaiflers Antrag nicht weiter zu verfolgen.

Auch der Wunsch von Arthur Mosandl (Grüne), sich das vom bayerischen Denkmalamt aufgelegte Denkmalkonzept wenigstens erklären zu lassen, lehnten die Gemeinderäte mit zehn zu fünf Stimmen ab.

Wie Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) erläuterte, erkennen weder das Brucker Landratsamt noch das Landesamt für Denkmalpflege eine ausreichende Grundlage für einen Ensembleschutz. Die Gebäude einschließlich der Kapelle auf der Amperinsel stehen ohnehin unter Denkmalschutz. In den Ensembleschutz wären auch die nicht geschützten Gebäude dazwischen einbezogen worden. Für deren Eigentümer hätte dies Einschränkungen und Auflagen zur Folge haben können, wenn sie baulich etwas hätten verändern wollen. Die Anregung, das Förderprogramm für den kommunalen Denkmalschutz zu nutzen, wurde abgelehnt, weil es nach Ansicht der Gemeinderatsmehrheit zu aufwendig wäre, nur Geld kosten würde und das Ergebnis für Eigentümer ohnehin nicht bindend wäre. Monika-Glammert-Zwölfer (Grüne) fand es bedenklich, dafür Zeit und Personal einzusetzen, zumal die Gemeinde "viele andere wichtigere Baustellen" habe.

"Wir könnten das Konzept ohne Fachplaner nicht machen, den wir bezahlen müssten", sagte Kennerknecht. Auch wenn es dafür einen Zuschuss gebe, müsse die Gemeinde Geld in die Hand nehmen. Mosandl führte an, dass sich die Ratsmitglieder irgendwann rechtfertigen müssten, wie sie mit dem historischen Erbe umgegangen seien. Daher sollte man wenigstens einen Fachmann zu dem Programm hören. Dafür fand sich keine Mehrheit.

© SZ vom 05.11.2020
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