Grafrath:Im Christbaumwald

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Grafrath: Stachelige Last im Schlepptau: Jens und Silvia Thiel mit Tochter Emma und Hund Daisy haben bei ihrem Ausflug in die Winterlandschaft das passende Inventar fürs heimische Wohnzimmer gefunden.

Stachelige Last im Schlepptau: Jens und Silvia Thiel mit Tochter Emma und Hund Daisy haben bei ihrem Ausflug in die Winterlandschaft das passende Inventar fürs heimische Wohnzimmer gefunden.

(Foto: Günther Reger)

Vor allem viele Stammgäste nutzen auch in diesem Jahr wieder das Angebot des Rotary-Clubs nahe dem Bahnhof. Dort wird sogar eine Familie fündig, die eine Tanne im XXXL-Format sucht

Von Manfred Amann, Grafrath

Den Christbaum im Wald nordöstlich vom Bahnhof Grafrath selbst aussuchen und absägen - das ist für viele Familien im Umkreis Tradition. Seit vielen Jahren bietet der Rotary-Club Fürstenfeldbruck dort aus der Pflanzung eines "gönnerhaften Waldbauern" verschiedene Arten von Nadelbäumen an, die dann reichlich geschmückt zu Weihnachten die Menschen erfreuen.

"Wir haben viele Stammkunden, die uns auch in der Coronazeit treu bleiben", erzählt der Vizepräsident der Rotarier und evangelische Pfarrer Markus Ambrosy. Am diesjährigen Aktionstag können sich die Rotarier aber auch über viele Neulinge freuen. Jens und Silvia Thiel sind zum ersten Mal gekommen, weil die dreijährige Tochter Emma "einen Baum pflücken" will. Es mache Spaß, durch die Schonung zu streifen und nach einem geeigneten Christbaum für die Wohnung zu suchen, findet die Mutter. Emma möchte selbst sägen, überlässt die Arbeit an der gut zwei Meter hohen Tanne mit einer Doppelspitze aber dann doch dem Papa. Begleitet von Mischlingshund Daisy ziehen sie den Baum über den Schnee zur Verpackungsstation, wo er eingenetzt und dann von Schöngeisings Bürgermeister Thomas Totzauer zur Feststellung des Preises gemessen wird. Im Schutze eines Hüttenvordachs kümmern sich derweil Florina und Ellena Kronenbitter sowie Lilly Bauer mit ihren Flöten um die weihnachtliche Stimmung. "Es ist wirklich schade, dass wegen Corona der sonst übliche feierliche Rahmen schon zum zweiten Mal ausfallen muss", bedauert Sigrid Scholz, die mit ihrem Mann Rupert schon "seit etwa einem Jahrzehnt" bei den Rotariern den Christbaum holt. "Bei Würstchen und Glühwein oder Punsch mit anderen plaudern zu können, das fehlt uns schon sehr", meint die Olchingerin, die im persönlichen Schneiden und Heimbringen "die schönste und auch die ökologischste Möglichkeit" sieht, einen Christbaum zu erwerben. Dass man damit auch etwas für eine guten Zwecke tun kann, sei ein zusätzlicher Anreiz. Laut Max-Josef Kronenbitter werden der Erlös aus der Aktion und die zusätzlich gerne gegebenen Spenden für verschiedene Hilfsprogramme wie Tafeln oder Schulprojekte im Landkreis zur Verfügung gestellt. Wie jedes Jahr können die Besucher auch einiges über den Rotary-Club erfahre, zum Beispiel, dass der Brucker Club die Rotary-Aktion "End Plastic Soup", unterstützt, die zum Ziel hat, den Plastikverbrauch einzudämmen. Jeder könne durch Vermeidung und Aufsammeln helfen, die Natur vom Plastikmüll zu befreien. Wichtig sei auch, im Bekanntenkreis ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen.

Max und Brigitte Oberer haben sich zum ersten Mal mit den Kindern Alexander und Leo auf die Suche nach einem Christbaum begeben und eine gut gewachsene Weißtanne gefunden, die "mit Schmuckspitze im Wohnzimmer bis unter die Decke reichen" wird. Stefanie Fleck hatte ihre Freundin zur Christbaumsuche eingeladen. "Ich bin die Frau Holle, die den Schnee nach Grafrath bringt", scherzt Eva Holle, erfreut über das schöne Wintererlebnis.

Seit langem Stammgast bei der Christbaumaktion des Rotary-Club ist "schon aus Gründen des besonderen Bedarfs ", Familie Effinger aus Fürstenfeldbruck. Statt den Baum zur Verpackungsstation zu bringen, schleppen Vater und Kinder das Verpackungsgerät zu der Stelle, an der sie einen riesigen Baum umgesägt haben. "Der Baum ist 5,30 Meter hoch und kommt in unser bis unters Dach offenes Haus mit Galerie", verrät der Hausherr. So einem großen Christbaum finde er nur hier. Auch wenn das Schmücken des Baumes jedes Jahr wieder eine Herausforderung sei, die Familie wolle darauf nicht verzichten.

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