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Grafrath:Empfehlung oder Pflicht

Im Grafrather Gemeinderat wird intensiv über Bepflanzungsvorgaben für Bauherren debattiert. Vor allem darüber, wie bindend die Vorschläge sein sollen

Von Manfred Amann, Grafrath

Vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung sollen in Grafrath Bauleitpläne zukünftig durch eine Musterpflanzenliste mit Grünordnungshinweisen ergänzt werden. Ein entsprechend von Monika Glammert-Zwölfer (Grüne) mit Unterstützung von Manfred Heilander (Grafrather Einigkeit) erstellter Vorschlag hat im Gemeinderat jedoch zu einer kontroversen Diskussion geführt.

Dabei stand weniger die vorgeschlagene Liste selbst in der Kritik, sondern die Frage, ob diese zukünftig als Teil von Bauplänen verbindlich sein, oder nur als Empfehlung beigegeben werden soll. Ruhe in die Debatte brachte schließlich die Anregung von Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei), vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München prüfen zu lassen, ob Pflanzvorschriften und verbindliche Anweisungen für die Grüngestaltung überhaupt rechtskräftig in Baupläne aufgenommen werden können. Im vorgelegten Diskussionspapier hatten die Ersteller vorgeschlagen, "sämtliche heimischen, standortangepassten Laubbäume sowie Nadelbäume zuzulassen, sofern diese nicht steril sind und wegen ihrer gefüllten Blüten von Insekten nicht aufgesucht werden". Dazu wurden einige Arten von kleinen, mittelgroßen und großen Bäumen aufgelistet, die außer den ohnehin bekannten einheimischen noch in Frage kämen. Außerdem soll gemäß Vorschlagspapier angewiesen werden, nur solche Sträucher und Hecken zu erlauben, die von Insekten aufgesucht werden.

Für "überzogen" hielten Gemeinderäte den Wunsch der Verfasser, Bauherren Fassaden- und Zaunbegrünungen anzuraten und eine gärtnerische Gestaltung im Umfeld der Häuser anzuordnen. "Damit wollen wir dem Trend entgegenwirken, dass Vorgärten insektenfeindlich nur mit Schotter bedeckt werden und Grundstücke mit Gabionen eingerahmt werden", erklärte dazu Glammert-Zwölfer. Gegen die Aufnahme solcher Vorschriften in Bebauungspläne sprach sich energisch CSU-Gemeinderat Karl Ruf aus und dessen Fraktionskollege Gerald Kurz verurteilte den Vorschlag als "Requiem auf die Gestaltungsfreiheit". Eine solche Auflistung könne nur als Empfehlung an die Hand gegeben werden, sonst müssten Bauherren starke Einschränkungen hinnehmen, argumentierte Ruf. Silvia Dörr (GE) wies darauf hin, dass die Gestaltung von Grünanlagen auch vom jeweiligen Geldbeutel abhängig sei und man daher keinen Zwang ausüben dürfe.

Eine Pflanzenliste mit Anweisungen sollte Bauherren daher nur als Ratschlag ans Herz gelegt werden, befand Kennerknechts Stellvertreterin. Glammert-Zwölfer wandte dagegen ein, dass man mit einer Empfehlung nur langsam vorankommen werde. "Wenn Grafrath im Zuge der Bauleitplanung etwas gegen den Klimawandel tun will, dann muss der Gemeinderat sich auch dazu bekennen entsprechende Vorgaben machen", fordert die Gemeinderätin. "So weit sind wir doch gar nicht auseinander, die vorgelegte Liste ist eine gute Basis" besänftigte schließlich der Bürgermeister die Debatte und bekam Zustimmung zum Vorschlag, von Fachleuten prüfen zu lassen, was bei der Bauleitplanung hinsichtlich Grüngestaltung angeordnet werden kann und was nicht.

© SZ vom 23.10.2020
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