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Grafrath:Besuch in der Buschklinik

Der Verein "Help Liberia" stellt am Wochenende seine Arbeit vor

Von Ariane Lindenbach, Grafrath

Die Möbel für die Apotheke müssen den Termiten standhalten, und der Weg in die Buschklinik ist für viele Patienten und Mitarbeiter weit und beschwerlich. Mit der medizinischen Versorgung in Deutschland sind solche Anlaufstellen nicht zu vergleichen. Ärzte sind rar, meist sind es sogenannte Gesundheitsarbeiter, medizinisch geschulte Personen, die in ländlichen Gegenden Afrikas erster Ansprechpartner bei Krankheiten und Unfällen sind. Bereits zwei solche Kliniken hat der in Grafrath lebende und in der Kreisklinik Fürstenfeldbruck als Krankenpfleger tätige Thomas Böhner über den Verein "Help Liberia"inzwischen in dem westafrikanischen Land aufgebaut. Böhner hat den Verein gegründet und ist der langjährige Vorsitzende. Am Wochenende kann man in Grafrath Einblick in die Arbeit einer solchen Buschklinik erhalten, selbstverständlich unter Einhaltung aller Hygienevorschriften.

Im Kulturraum der Gemeinde Grafrath können Besucher das Prozedere in dem Krankenhaus nachempfinden. Dazu zeigt der Vereinsvorsitzende etliches Anschauungsmaterial sowie unzählige Fotos vom Alltag in der Klinik. Wobei der Begriff etwas in die Irre führt, da er, nach westlichem Maßstab gedacht, an ein größeres Gebäude denken lässt. Tatsächlich sind es aber in der Regel kleine, ebenerdige Gebäude, mit oft nur ein oder zwei Zimmern. Im Fall von Help Liberia hat die Klinik drei Gebäude: ein größeres für die Behandlung, eines für Geburten und eines für hochinfektiöse Patienten. Liberia war immer wieder von Ebola-Ausbrüchen betroffen.

Dank dem Engagement des Vereins gibt es nun zwei weitere dieser Buschkliniken in dem westafrikanischen Land. Pro Einrichtung kommen täglich bis zu 70 Patienten, um medizinische Hilfe zu erhalten. Um die Bedeutung dieser Unterstützung ermessen zu können, muss man wissen, dass es 2005, als Böhner erstmals nach dem vierzehnjährigen, grausamen Bürgerkrieg nach Liberia kam, dort insgesamt im ganzen Land nur fünf Buschkliniken gab - für knapp fünf Millionen Einwohner. Etwa die Hälfte der Liberianer lebt in der Hauptstadt Monrovia.

Help Liberia engagiert sich noch auf andere Weise in Liberia. Böhner, dessen Frau aus dem kleinen afrikanischen Staat kommt, sammelt permanent medizinisches Hilfsmaterial und organisiert den Transport nach und die Verteilung in Liberia. Jedes Jahr wird mindestens ein Container mit dem wertvollen Material dorthin verschifft. Außerdem unterstützt er Projekte, bei denen Einzelpersonen geholfen wird, sei es durch besondere medizinische Versorgung oder durch Unterstützung beim Erlernen medizinischer Kenntnisse. Help Liberia hat bereits Hebammen und Gesundheitsarbeiter bei ihrer Ausbildung gefördert.

Am Samstag und Sonntag von elf bis 17 Uhr stellt Böhner Verein und Land im Grafrather Kulturraum vor. Dabei können sich die Besucher einem einfachen Screening ähnlich wie in einer Buschklinik unterziehen. Die Veranstaltung wird von Kulturreferentin Sybilla Rathmann unterstützt.

© SZ vom 24.10.2020

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