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Gewässerverunreinigung in Maisach:Chemikalien im Fischweiher

Badesee Gernlinden

In diesem Gernlindener Weiher wurde eine Fluor-Kohlenstoff-Verbindung nachgewiesen.

(Foto: Günther Reger)

Das Wasserwirtschaftsamt misst in Gernlinden einen erhöhten Wert eines Stoffs, der Bestandteil von Löschschaum ist. Es besteht der Verdacht, dass Altlasten auf dem Fliegerhorst die Quelle sind

Von Peter Bierl, Maisach

Das Wasserwirtschaftsamt München (WWA) hat entlang der Maisach erhöhte Werte an Perfluorcarbonen (PFC) festgestellt. Die Kohlenstoff-Fluorverbindungen kommen in vielen Produkten des täglichen Lebens vor. Der Prüfwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für einen Stoff aus dieser Gruppe, die Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), war bei zwei Weihern in Bergkirchen und einem Weiher in Gernlinden überschritten. PFOS ist Bestandteil von Löschschaum. Einige PFC stehen im Verdacht, krebserregend zu sein, der Einsatz von PFOS-haltigen Löschmitteln ist seit 2011 in der EU verboten. Allerdings geht von den gemessenen Konzentrationen wohl keine direkte Gefahr aus. Die Frage ist, ob der Stoff aus Altlasten vom Brucker Fliegerhorst stammt.

Das Wasserwirtschaftsamt hat Ende August Proben an verschieden Stellen entnommen. Die beiden Kiesweiher im Bereich des Gewerbegebiets Gada nördlich der Autobahn wiesen PFOS-Werte von jeweils 0,130 Mikrogramm pro Liter auf, in dem Weiher in Gernlinden-Ost, einem ehemaligen Kiesabbaugebiet bei Neu-Esting, wurden 0,12 Mikrogramm festgestellt. Eine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit ist wohl nicht gegeben. "Wir sind noch weit weg vom Wert, der für Trinkwasser als Leitwert gilt", sagt Stefan Homilius, der stellvertretende WWA-Leiter der SZ.

Als "offen gelegtes Grundwasser" weisen die Weiher aber eine Belastung auf, die zwingend weitere Untersuchungen erfordert. Die Landratsämter in Dachau und Fürstenfeldbruck haben die Fischer informiert.

Die Brucker Kreisbehörde lässt Fische aus dem Weiher untersuchen, sagt Pressesprecherin Ines Roellecke. Denn PFC reichert sich im Fettgewebe an. Bei dem Gernlindener Gewässer, dem Walserweiher, handele es sich um Privatbesitz, der eingezäunt sei, sagt der Maisacher Bürgermeister Hans Seidl (CSU). Die PFC-Werte im Badeweiher von Gernlinden hingegen lägen deutlich unter dem Prüfwert, betonte Seidl. Die Kommune hatte im Sommer den PFOS-Gehalt messen lassen und einen Wert von 0,04 Mikorgramm pro Liter festgestellt. Das Gewässer werde auch weiterhin regelmäßig untersucht, erklärte der Bürgermeister. Das WWA hatte jetzt 0,059 Mikrogramm festgestellt.

Bei der neuen Untersuchung durch das WWA handelte es sich um die dritte Probenentnahme in diesem Bereich. Im Mittel werde eine Jahresdurchschnittsnorm überschritten, weshalb Handlungsbedarf besteht. In Abstimmung mit dem Landratsamt wird das WWA den Grundwasserstrom zwischen Bruck und der Autobahn A 8 untersuchen. Der Schadensherd und die Ausbreitung der Belastung sollen ermittelt werden. Untersucht werde vor allem das Fliegerhorstgelände und Oberflächengewässer, sagte Roellecke. Das Gesundheitsamt habe die großen Trinkwasserversorger wie Amperverband und Stadtwerke vorsorglich angewiesen, ihr Wasser auf PFC zu untersuchen.

Der Maisacher Bürgermeister mag aus den Messungen noch keinen direkten Zusammenhang mit Altlasten auf dem Fliegerhorst ableiten. "Das muss man fachlich prüfen lassen", sagte Seidl. PFOS wurde auf dem Fliegerhorst als Löschschaum bei Bränden und insbesondere bei Übungen der Feuerwehr oder in der Ausbildung verwendet. Der Landtagsabgeordnete Martin Runge (Grüne) hatte schon vor Monaten im Zusammenhang mit der Konversion des Fliegerhorstes vor Verunreinigungen gewarnt. Auch Runge betonte, dass ein Verbindung mit den erhöhten Werten in den drei Weihern nicht nachgewiesen sei. Allerdings kritisierte Runge das staatliche Landratsamt: "Die hätten schon längst tätig werden müssen."

© SZ vom 28.09.2019
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