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Germering:Germering verzichtet weiter auf Luftfilter

Stadt setzt in Schulen auf Kohlendioxid-Sensoren und offene Fenster

Von Ingrid Hügenell, Germering

Im Dezember hat der Germeringer Stadtrat beschlossen, für die städtischen Grund- und Mittelschulen keine Raumluftgeräte anzuschaffen. Stattdessen stehen in den Klassenzimmern Geräte, die anzeigen, wann zu viel Kohlendioxid-Gas in der Luft ist und deshalb gelüftet werden sollte. Damals habe der Stadtrat keine Notwendigkeit für Raumlüfter gesehen, und seither hätten sich die Voraussetzungen nicht wesentlich geändert, sagt Andreas Robrecht vom Germeringer Bauamt. Die Entscheidung werde jedoch regelmäßig überprüft. Sie solle momentan nicht geändert werden, sagt Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) auf Anfrage, ein Antrag auf eine erneute Abstimmung im Stadtrat liege nicht vor. Der Stadtrat sei "der Herr des Verfahrens". Haas selbst sieht den Einsatz von Lüftungsgeräten derzeit immer noch als nicht notwendig an. "Es ist jetzt durch die Wärme draußen eher so, dass man besser lüften kann als im Winter", sagt er.

Auch Robrecht hält die Geräte für nicht notwendig. Denn derzeit würden Lehrer und Schüler ja getestet und es seien ohnehin nur halbe Klassen im Wechselunterricht in der Schule, wenn überhaupt. "Die Lage hat sich entschärft", sagt Robrecht vom Germeringer Bauamt. "Es dürfte keine Virus-Aerosol-Verunreinigung geben." Zudem sei es in der wärmeren Jahreszeit besser verträglich zu lüften. Dass das in allen Klassenräumen ausreichend möglich ist, hatte Robrecht vor der Stadtratsentscheidung im geprüft. Zusammen mit den jeweiligen Hausmeistern sei er in allen Schulen in allen Klassenzimmern gewesen, berichtet er. Teilweise sind die Schulen bereits mit Lüftungsanlagen ausgestattet.

Der Vater eines 15-jährigen Mittelschülers hatte sich an die Süddeutsche Zeitung gewandt, weil er nach wie vor auf Raumluftfilter hofft. Die Kinder könnten sich durch das ständige Lüften erkälten, fürchtet er. Bei der Stadt habe er deswegen vergeblich angerufen, berichtet er. Er vermutet, dass die Raumlüfter wegen der hohen Kosten nicht angeschafft worden seien.

Das verneint Robrecht. Germering sei auch nicht die einzige Stadt gewesen, die sich gegen Raumluftfilter entscheiden hat. Auch in München sei so entschieden worden, sagen Haas und Robrecht. Der Diplomingenieur aus dem Germeringer Bauamt bezog sich schon im Dezember auf das Umweltbundesamt, das ein ausgeklügeltes Lüftungssystem mit Unterstützung durch CO2-Sensoren als ebenso effektiv wie Luftreiniger ansieht. Das sieht er heute nicht anders. Luftreinigungsgeräte gebe es zwar "wie Sand am Meer", sagt Robrecht. Für Schulen seien sie aber kaum geeignet. Denn sie seien im Betrieb häufig sehr laut, manche setzten auch Ozon frei, das die Schleimhäute reizt. "Der Betrieb soll den Unterricht ja nicht stören." Nur vereinzelt habe es Stimmen gegeben, die das Lüften als unzumutbar bezeichneten. Es gebe aber Rückmeldungen, die den Einsatz der CO₂-Ampeln begrüßt hätten, sagt Robrecht.

© SZ vom 06.05.2021
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