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Germering:Für Radler und Bäume

Der zuständige Ausschuss debattiert über den Plan für das neue Baugebiet an der Augsburger Straße in Germering. Dabei spielen Themen des Umweltschutzes eine große Rolle

Der Japanische Kuchenbaum bietet weder Insekten noch Vögeln einen Lebensraum.

(Foto: Renate Schmidt)

Zwischen der Augsburger Straße, der Köhlerstraße und dem Hochrainweg sollen ein Wohn- und ein Gewerbegebiet mit Wohnungen für etwa 350 Menschen entstehen. Der Bebauungsplan wurde im Juli vom Stadtrat beschlossen und danach zum zweiten Mal öffentlich ausgelegt. Über die Stellungnahmen, die dazu eingingen, sprach der Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss bei seiner jüngsten Sitzung. Einwendungen von Bürgern gab es nicht, wohl aber welche vom Germeringer Umweltbeirat und vom Bund Naturschutz.

Alter Feldahorn oder Maßholder Acer campestre Thüringen Deutschland Europa Copyright imageBROK

Am heimischen Feldahorn können viele Tiere leben.

(Foto: Imago)

Der Umweltbeirat forderte, dass in den Plan beidseitige Radwege aufgenommen werden. Stadtbaumeister Jürgen Thum und Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) argumentierten, die Erschließungsstraße treffe auf die bereits vorhandene Emmy-Noether-Straße, an der es keine Radwege gebe. Hadi Roidl (Grüne) sagte dazu: "Wenn wir dort schon falsch gebaut haben, müssen wir das hier nicht wieder tun. Wir sollten einen eigenen Weg für die Radler vorsehen." Er forderte eine sichere Verbindung für Radler. Radwege könnten Roidl zufolge auch nördlich und südlich um das Gebiet herumführen.

Der Wert der Bäume

Der Bund Naturschutz hat bereits in seiner ersten Stellungnahme zu dem Bebauungsplan im Mai auf die Bedeutung heimischer Gehölze für die Artenvielfalt hingewiesen und deshalb gefordert, exotische Ziergehölze von der Pflanzliste zu streichen. Nicht nur die Blüten von Bäumen und Sträuchern seien wichtig für Bienen. Es sollten "ebenso Früchte, Blätter, Rinde und Wurzeln als Nahrungs- und Lebensraumangebot berücksichtigt werden". Selbstverständlich spiele die Zierde eine Rolle. Die sei aber auch bei heimischen Bäumen wie Berg-, Feld- und Spitzahorn oder Hainbuche gegeben.

Die bisher in der Pflanzliste aufgeführten exotischen Gehölze möchte der BN gestrichen haben und begründet das auch. Der aus Nordamerika stammende Tulpenbaum biete zwar Bienen und Hummeln Nahrung, sei aber kein Lebensraum für Tiere. Der ebenfalls aus Amerika stammende Amberbaum hat nicht einmal Nektar oder Pollen, er ist für Tiere also völlig nutzlos. Der japanische Schnurbaum blüht von August bis September und bietet dann Bienen und Hummeln Nahrung, nutzt weiteren Tieren aber nichts. Kein Lebensraum ist auch der Kuchenbaum, der aus Asien stammt. Seine markante Herbstfärbung bildet er laut BN vorrangig auf saueren Böden aus, die es aber im Gebiet des Bebauungsplans nicht gibt. Die Deutzie, die ursprünglich aus China stammt, schließlich ist ein Zierstrauch "ohne wesentliches Angebot für die heimische Fauna".

Die heimischen Arten bieten andererseits einer Vielzahl von Insekten und Vögeln Lebensräume. Ahorne und die Hainbuche kämen zudem auch gut mit den eher feuchten und extrem durch Spätfröste gefährdeten, stark humosen sowie kalkhaltigen ehemaligen Niedermoorböden zurecht. Im Randbereich der Siedlung könnte sich der BN gut ökologisch wertvolle Wildfruchtbäume vorstellen, wie Wildapfel und -birne, Pflaume, Felsenbirne und Haselnuss. Bei Rosen solle auf ungefüllte Blüten mit Nektarangebot und Wildformen geachtet werden, die Hagebutten tragen. Wenn Pflanzen gesät würden, müsse Saatgut von heimischen Pflanzen aus der Gegend verwendet werden.

Als "grotesk" bezeichnet es der BN ferner, dass ein Vorkommen beziehungsweise eine Betroffenheit von wandernden Großsäugern wie dem Wolf ausgeschlossen wird. Unverständlich finden es die Naturschützer, dass die dort vorkommenden Feldhasen bei der artenschutzrechtlichen Prüfung nicht beobachtet wurden. Das lasse "Zweifel an der naturschutzfachlichen Aussagekraft derartiger Untersuchungen aufkommen". ihr

Auch seine Fraktionskollegin Angelika Kropp-Dürr sprach sich dafür aus, den Radlern viel Platz einzuräumen und das in dem Bebauungsplan "so gut umzusetzen, wie es eben geht". Haas nahm die Stimmung im Ausschuss auf und versprach, vor den nächsten Stadtratssitzung mit dem Runden Tisch Fahrradverkehr und dem ADFC zu sprechen. Der Stadtrat muss dem Plan noch zustimmen.

Die Bedenken des Bundes Naturschutz (BN) zur Pflanzliste für die Gehölze in dem neuen Baugebiet will sich der OB ebenfalls erläutern lassen. Der BN hatte in seiner Stellungnahme darauf gedrungen, im Sinne des Artenschutzes exotische Bäume ohne Wert für heimische Tiere aus der Liste zu streichen. "Ich nehme das schon ernst", sagte Kropp-Dürr im Ausschuss.

Die Naturschützer betonten ferner erneut, dass sie die Planung für nicht nachhaltig halten, wegen der starken Versiegelung und des Verlusts von wertvollem Boden. Der Boden sei eine wichtige Ressource unter anderem für die Landwirtschaft. Versiegelter Boden könne überdies kein Wasser mehr speichern.

Dem Vorschlag des BN, eine Begrünung der Dächer vorzuschreiben, ist die Stadt gefolgt. Stadtbaumeister Thum sprach sich aber erneut gegen eine verbindliche Fassadenbegrünung bei Hauswänden mit Fenstern aus. Denn wenn beispielsweise der Eigentümer der Wohnung im mittleren Stockwerk eine Begrünung nicht wolle, werde es schwierig. Gleichwohl soll die Fassade des benachbarten Feuerwehrgebäudes begrünt werden. Es wird ebenfalls neu errichtet.

© SZ vom 27.09.2019

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