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Gartenbau in Grafrath:Zum Anbeißen

Wer heute sät, kann morgen ernten (von links): Nina Faltermair, Rishikesh Anantha Padmanaban und Annette Fulda kümmern sich gemeinsam mit weiteren Helfern um eines der neuen Hochbeete in Grafrath.

(Foto: Günther Reger)

Die Gemeinde will auf öffentlichen Flächen Obst und Gemüse anpflanzen. Ernten dürfen dann künftig alle Bürger. Angestoßen hat das die Initiative "Klimaaktiv vor Ort"

Von Manfred Amann, Grafrath

Auf möglichst vielen öffentlichen Plätzen in Grafrath sollen bald zum Verzehr geeignete Pflanzen gedeihen. Die Initiative "Klimaaktiv vor Ort" will Grafrath zur "essbaren Gemeinde" machen - und auf diese Weise auch noch "grüner und schöner". Am Samstag versammelten sich Radfahrer und Fußgänger mit Körben, Taschen und Anhängern, die mit Beerensträuchern mit Wurzelballen und den verschiedensten Pflanzensetzlingen gefüllt waren, die von den Mitgliedern zuhause vorgezogen worden waren. Erbsen, Kohlrabi, Mangold, Pflücksalat, Karotten, Zwiebeln aber auch Himbeer-, Johannisbeer- oder Goji-Beer-Sträucher: alles was die gesunde Ernährung bereichert, darf zukünftig mit Erlaubnis von Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) und Gemeinderat auf sonst ungenutzten Flächen in Hochbeeten oder Pflanztrögen gedeihen. Auch die am Bahnhof schon vorhandenen Streuobstwiesen sollen in das Konzept eingebunden werden, damit das Obst nicht im Gras vergammelt, sondern von Bürgern gepflückt wird. Am Wochenende zuvor hatten Mitglieder von "Klimaaktiv vor Ort" an der Grundschule, vor dem Fortschritt-Kinderhaus und am Ende des Schulwegs an der Amper Hochbeete angelegt, die zum Auftakt der Saison nun bepflanzt wurden. "Das ist nur der Anfang. Wir wollen, dass sich möglichst viele Grafrather einbringen und so nach und nach über den Ort verstreut Obst, Beeren, Gemüse und Salat wachsen, die dann auch jeder ernten kann", erklärte Umweltreferentin Monika Glammert-Zwölfer (Grüne). Nina Faltermayr studiert "Management soziale Innovationen" und ist begeistert von dem Projekt, weil es auch die Identifikation der Bürger mit ihrem Heimatort steigert. Möglichst viele Bürger sollen für das Projekt begeistert werden und miteinander ins Gespräch kommen. Die Örtlichkeit zum Saisonstart sei gewählt worden, um vor allem Kinder auf dem Weg zur Schule oder zum Kindergarten aufmerksam und auch neugierig zu machen, sagte Glammert-Zwölfer.

Die Absicht, die hinter der essbaren Gemeinde Grafrath steckt, ist nach Ansicht der Klimaaktiven vielschichtig. "Jeder darf nach Lust und bestem Wissen jäten, gießen und die reifen Früchte genießen", heißt es auf Erklärungstafeln, die an den Hochbeeten angebracht sind. Zu lesen ist gleichwohl: "Aber bitte nehmt nur so viel, dass für andere auch noch etwas bleibt". Für Manfred Heilander (Grafrather Einigkeit) hat das Projekt mit Blick auf Rücksichtnahme somit auch einen sozialen Aspekt. Cornelia Wiesmeier, Sprecherin der Initiative, verweist zudem auf die Hoffnung, dass die Hochbeete zu Begegnungsstätten werden und so die Dorfgemeinschaft gefördert wird. Dass das gemeinschaftliche "beackern und bepflanzen" der Beete Spaß macht, erlebte Rishikesh Anantha Padmanaban. "Die Idee ist super", befand der 14-jährige Jugendbeirat der Gemeinde und pflanzte behutsam einen Minze-Sprößling. Mit Schaufel und Harke grub Roger Struzena Pflanzgruben für Beerensträucher, während andere schon mit Kannen Wasser zum Angießen holten. Im Vordergrund der Aktion stehen der Klimaschutz und die Aufklärung der Bürger über die essbare Pflanzenvielfalt und darüber, dass schon kleine Ecken oder auch der Balkon sich fürs Garteln eignen. Gefördert werde zudem der Erfahrungsaustausch, befand er Klimaschutzbeauftrage der Gemeinde.

© SZ vom 11.05.2021
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