Fürstenfeldbruck:Weinende Cowboys

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Islandpferdehof WaldAuen

Innozenz Näßl und Haflingerstute Nala freuen sich, dass es eine neue Regelung gibt, die es Reitern erleichtert, ihre Pferde zu besuchen.

(Foto: Lukas Barth)

Pferdebesitzer ohne Impfung durften einige Tage nicht zu ihren Tieren. Nun ist die Regel geändert

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

Viele Pferdebesitzer im Landkreis waren entsetzt: Sie durften nur unter erschwerten Bedingungen oder gar nicht mehr zu ihren Lieblingen. Zu hören war sogar von weinenden Reitern in einer Westernanlage im Landkreis. Reitsport fällt unter die 2G-plus-Regel - und Ungeimpfte sind in Sportstätten nicht erlaubt, und Geimpfte oder Genesene müssen zusätzlich jedes Mal einen negativen Corona-Test vorlegen. Doch beim Reiten geht es natürlich auch um Tiere und ihr Wohlbefinden.

Seit diesem Dienstag gibt es deshalb eine Erleichterung, wie Innen- und Landwirtschaftsministerium mitteilen: Pferdebesitzer und alle, die von ihnen beauftragt wurden, dürfen ohne zusätzlichen Test in die Reithalle, sofern sie geimpft oder genesen sind. Das gilt, wenn keine Testmöglichkeit besteht und der Aufenthalt nur zu dem Zweck erfolgt, dem Pferd die Bewegung zu verschaffen, die es aus Tierwohlgründen braucht. Die Tiere dürfen geritten und longiert werden. Sonderregelungen gelten für Kinder und Jugendliche, ebenso bleibt die übliche Maskenpflicht bestehen.

Auch Pferdebesitzer ohne Impfung dürfen sich wieder um ihre Tiere kümmern, dürfen füttern und ausmisten, sofern das nicht die Betreiber der Ställe ohnehin tun, was meist der Fall ist. Auch sie dürfen ihre Pferde bewegen - allerdings nicht in der Reithalle - und dabei sein, wenn Tierarzt oder Hufschmied kommen. Der Bayerische Reit- und Fahrverband und der Bauernverband hatten sich ebenso wie zahlreiche Reiter an die Politik gewandt und die Änderung erreicht.

Livia Herion, die ihre Stute Sinfonia auf Gut Gernlinden stehen hat, fand, obzwar selbst vollständig geimpft, die strenge Regelung ohnehin übertrieben und unlogisch. "Wir sind ja an der frischen Luft, und in der Gastro gilt auch nur 2 G", sagt sie. Sie verstand auch nicht, dass die Testregelung gelten sollte, selbst wenn man nur im Stall oder in der Sattelkammer sei, wo man ohnehin eine Maske trage. Das neue Verfahren sei anstrengend für alle gewesen. Die Testpflicht und die Ergebnisse zu kontrollieren bedeutete für Pferdebesitzer und Reitstallbetreiber in der Tat nicht unerheblichen Stress, bestätigt Innozenz Näßl.

Er ist Inhaber des Reiterhofs in Hanshofen (Gemeinde Mittelstetten) mit der Anlage "Tashina Haila" und dem Isländerstall "Waldauen" mit insgesamt fast 80 Pferden. Tests und Kontrollen selbst hätten ganz gut funktioniert. Aber er müsse alles dokumentieren. "Das ist eine Hölle an Bürokratieaufwand", sagt Näßl. Dazu komme, dass das Testen immer aufwendiger werde. "Selbsttests sind ausverkauft, und an den Testzentren stehen lange Schlangen." Überdies gebe es in der Nähe der Ställe häufig keine Testmöglichkeiten, und es müsse ständig eine Person vor Ort sein um die Reiter zu kontrollieren - oft er selbst.

Näßl hatte nach dem Studium des Tierschutzgesetzes und in Absprache mit dem Landratsamt schon am Montag für seinen Betrieb eine Regelung eingeführt, die der jetzigen offiziellen entspricht. "Das Wohl des Pferdes muss gewährleistet sein", das war für ihn klar. Die neue offizielle Regelung nennt er "perfekt. Es ergibt ja keinen Sinn, wenn jemand eineinhalb Stunden am Testzentrum in Fürstenfeldbruck anstehen muss, nur weil er mit seinem Pferd spazieren gehen will". Nun sei "ein Minimum mit wenig Aufwand zu haben, und wer mehr will, muss auch mehr machen." Näßl lobt seine Reiter, die meisten seien wirklich vernünftig, nur etwa zehn Prozent noch nicht geimpft. Livia Herion berichtet, einige der wenigen nicht geimpften Reiter im Gut Gernlinden hätten sich ganz schnell Impftermine besorgt.

Versorgt wurden die Pferde auch, als ihre Besitzer nicht zu ihnen durften, erklärt Näßl. Die Tiere in seinem Betrieb könnten zudem auf die Koppeln. "Die Pferde leiden nicht unter den Vorschriften, die Besitzer schon. Für manche ist das Pferd ein Kind-Ersatz."

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