Fürstenfeldbruck:Vorsicht in der Digital-Welt

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Illustration - Computer-Hacker

Die Politik solle ein ethisches und rechtliches Regelwerk aufstellen, fordern die Referenten. Jeder sei aber auch selbst dafür verantwortlich, was mit seinen Daten geschehe.

(Foto: Silas Stein/dpa)

Die Autorin Theresa Hannig und der Software-Unternehmer Gerald Morgner werben für einen sensiblen Umgang mit den eigenen Daten und der Künstlichen Intelligenz

Von Sabrina Jansen, Fürstenfeldbruck

Bedingt durch die Pandemie nutzen viele Menschen verstärkt digitale Netzwerke, zum Beispiel für das Home-Office. "Gerade in Zeiten von Corona kommt man um Zoom, Microsoft Teams und Co. nicht herum", sagte die Fürstenfeldbrucker Autorin Theresa Hannig kürzlich in einem Gespräch mit dem Olchinger IT/Software-Unternehmer und ÖDP-Mitglied Gerald Morgner zum Thema "Künstliche Intelligenz - Wohin steuert die digital technologisierte Welt?" Mittels Livestream wollen die beiden ihre Zuschauer für die Risiken und Chancen von Künstlicher Intelligenz und Datenerhebung sensibilisieren sowie über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt diskutieren.

Der Begriff der Künstlichen Intelligenz steht im Zentrum des Gesprächs. Hannig erklärt den Begriff als "computergesteuerte Intelligenz". Diese hat sich im Laufe der Zeit kontinuierlich weiterentwickelt. "Früher war es etwas ganz Neues, dass ein Roboter einen Menschen im Schach besiegen kann. Heute ist das ein alter Hut", erklärt die Autorin. Hannig kommt selbst aus der Informatik-Branche. Morgner sagte, dass man heutzutage tagtäglich mit Künstlicher Intelligenz konfrontiert werde. Mal treten sie in Form von Spracherkennungssoftwares wie Siri und Alexa auf, mal als Chatbots im Internet. "Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass man hier mit einem Roboter spricht", sagte der IT-Experte. Eine Spracherkennungssoftware erkenne beispielsweise nicht den Kontext einer Frage, erklärte Hannig - sie sei ja kein "echter Mensch". Die Künstliche Intelligenz ist Hannig zufolge vor allem eine Statistikauswertung, "und solange dies der Fall ist, müssen wir keine Angst haben, dass Roboter die Welt übernehmen".

Morgner und Hannig wiesen zudem auf die Chancen und Gefahren der Entwicklung Künstlicher Intelligenz hin. KI werde bereits in der Medizintechnik eingesetzt, erklärte Morgner. So könne Amputierten mittels KI-gesteuerter Prothesen mehr Lebensqualität gegeben werden. In der Pandemieforschung könnten KI und digitale Innovationen bei der Auswertung großer Datenmengen helfen und so einen Beitrag für die Forschung leisten, fügte Hannig hinzu. Wichtig sein, dass die Daten in anonymisierter Form erfasst und gespeichert werden. Ein großes Problem der Digitalisierung sehen beide beim Umgang mit persönlichen Daten. Morgner kritisierte, dass sich Nutzer digitaler Netzwerke nicht im Klaren seien, was mit ihren Daten passiere. "Die Leute denken zwar: Ich hab' nichts zu verbergen, aber Sie haben ein Recht aus Privatsphäre", sagte Hannig den Zuhörern. "Welche Apps dürfen zum Beispiel auf Ihr Mikrofon zugreifen und mithören, was Sie erzählen? Und wollen Sie das? Denken Sie darüber einmal nach."

Neben der möglichen Überwachung durch Programme ist laut Hannig die Personalabteilung ein weiterer Einsatzpunkt der KI, der kritisch zu beleuchten sei. "Die KI ist nicht fair", erklärte Hannig ihre These. "Sie analysiert die rassistischen und sexistischen Strukturen unserer Gesellschaft und wendet diese weiterhin an."

Die Verantwortung für einen sensibleren Umgang mit der fortschreitenden Digitalisierung sehen die beiden vor allem bei der Regierung. "Hier ist die Politik gefragt", erklärte Morgner. "Und zwar heute, denn morgen ist es bereits zu spät." Der IT-Experte sprach sich für ein ethisches und rechtliches Rahmenwerk aus, das festlegt, was mit den Daten des Einzelnen geschehen dürfe, wie diese erfasst und genutzt werden dürften.

Hannig unterstützte ihn darin. Sie sieht jedoch auch Verantwortung beim Einzelnen. Man müsse hinterfragen, wie man mit seinen eigenen Daten umgeht und wer letztendlich Zugriff auf diese hat. Trotzdem müsse sich die Regierung überlegen, wie die digitalisierte Zukunft gestaltet werden könne.

Ein Negativbeispiel stellt dabei Hannigs Erstlingswerk, der dystopische Science-Fiction-Roman "Die Optimierer", dar. Er zeigt, wie durch Künstliche Intelligenz und den Fortschritt der Digitalisierung ein Überwachungsstaat geschaffen werden kann. Um ein solches Szenario zu verhindern, wollen Hannig und Morgner Aufklärungsarbeit leisten. "Haben Sie keine Angst vor der Zukunft", schloss Hannig mit einem Appell an die Zuschauer. "Die kommt nicht einfach so. Das ist etwas, das wir mitgestalten können."

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