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Fürstenfeldbruck:Volltreffer

Alle Neune

Michaela Millers Werke, wie dieses Paar Schuhe, zeigen, wie ausgefeilt Papierkunst sein kann.

(Foto: Günther Reger)

Ausstellung "Alle Neune + 1" in der Brucker Sparkasse

Das Foyer in der Fürstenfeldbrucker Sparkasse eignet sich bestens um Künstlern ein Podium zu geben. Dieses Mal ist eine reine Damenriege zu Gast, "Alle Neune + 1". Das klingt nach Volltreffer. Und in der Tat, die Besucher erwartet eine sehr abwechslungsreiche Leistungsschau. Die "+1", Monika Wahl, fällt allerdings ein bisschen aus dem Rahmen, was möglicherweise an der sehr mit dem Attribut Hobby behafteten Technik "Tiffany" liegt. Ingrid Walter-Ammon, die Initiatorin und Vorsitzende des Künstlerspektrums Pasing hat bewusst darauf verzichtet die Werke in einen Titel zu pressen. Simone Ari hat sich der Lasurmalerei verschrieben. In ihrer Selbstporträtreihe drückt sie eine breite Palette von Emotionen aus. Den Bildern sieht man die akribische Technik nicht an. 30 bis 50 hauchdünne übereinander aufgetragene Schichten ergeben eine Vielfalt an Rottönen, Aris Lieblingsfarbe. Im Kontrast dazu stehen die naiven Bilder von Mariele Berngeher. Sie strahlen eine Unbekümmertheit aus, die wohl mit dem Beruf der Olchingerin zusammenhängt. Sie ist Kinderpflegerin. Da tummeln sich spielende Kinder, wirbeln Hexen mit nacktem Po und entblößtem Busen auf ihren Besen durch die Luft, Nonnen schaukeln und treiben Sport.

Die besondere Beziehung zu Tieren äußert sich bei Petra Herrmann-Boeck in bewegungsintensiven Bildern. Im Bild "Winterkühe" verschmelzen die massigen Körper von drei Tieren derart ineinander, dass der Betrachter eine Weile braucht um sie zu erkennen. Nicht nur bewegt sondern regelrecht stürmisch geht es auf den Bildern von Karen Hinterleitner zu. Die Natur mit all ihren Elementen ist das beherrschende Thema. Den Eindruck des "Bikefeuer" genannten Brauchs, die Seefahrer werden damit verabschiedet, hat sie in einem eruptiven Werk verarbeitet. In Michaela Millers Wandobjekten zeigt sich wie ausgefeilt Papierkunst sein kann. In den wächsernen, durchsichtigen, knittrigen Anzug könnte man spontan hineinschlüpfen. Das feinmaschige Drahtgerippe gibt der Frauenfigur "Allein" den nötigen Halt und wirkt doch federleicht und ausdrucksstark.

Eva Radek spielt bei etlichen Plastiken mit der Technik des Rakubrandes und nimmt die dabei entstehenden überraschenden Farbschattierungen bewusst in Kauf. Die lebensechten Figuren hat sie zunächst aus Ton geformt, dann in Bronze gießen lassen. Zusammen mit Renate Streck präsentiert sie filigrane Bronzefiguren in der Vitrine. Ansonsten zeigt die leidenschaftliche Bildhauerin Streck eine ganze Reihe unterschiedlicher Objekte. Weibliche Figuren aus zerklüftetem, fast zerrissen wirkendem Bronzematerial. In die hölzerne Stehle, einem Isarfindling, hat die Münchnerin die Konturen eines weiblichen Körpers geschnitten. Ein Pferdekopf aus stahlblauem Alabaster ist aus jedem Blickwinkel erkennbar. Ein wesentlich weicheres Material hat sich Margit Valjak für ihre Textilbilder ausgesucht: Kokons und Seide. Unterschiedlich strukturierte Stoffe in Cremeweiß, verknotet, gefältelt, genäht oder gebügelt erzeugen verschiedene Schatteneffekte. Schwarze Kautschukmasse, "Gutta" genannt, ergibt in Verbindung mit faltigen Stoffbahnen eine sehr dekorative Wirkung. Der Drang zur Dramatik beherrscht die Bilder von Ingrid Walter-Ammon. Natur, Jahreszeiten, Emotionen, das alles scheint sich im Aufbruch zu befinden. Kristallartige Aufbrüche mit Schelllack verstärken den Eindruck von Explosion und Bewegung.

Ausstellung "Alle Neune + 1", Sparkasse Fürstenfeldbruck, zu sehen bis 17. Juli. Geöffnet während der Geschäftszeiten