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Fürstenfeldbruck:Unterricht mit Hürden

Bamberg, Deutschland 04. Januar 2021: Ein Kind sitzt an einem Tisch in einer Wohnung auf dem ein aufgeklappter Laptop mi

Einzelkämpfer: Auch Grundschüler im Landkreis sind beim Distanzunterricht auf sich alleine gestellt.

(Foto: Imago Images/Fotostand)

Die Schule zuhause kann die Präsenz im Klassenzimmer nicht ersetzen. Das zeigt eine Befragung der Grundschuleltern im Landkreis. Nun liegen die Ergebnisse vor

Von Andreas Ostermeier, Fürstenfeldbruck

Fehlende Computer, langsame Datenleitungen und überforderte Eltern: Die Schwierigkeiten des Distanzunterrichts an den Grundschulen spüren Lehrkräfte, Schüler und Eltern seit gut einem Jahr. Doch wie groß einzelne Probleme sind, das ist allgemein nicht bekannt, weil Umfragen unter Eltern dazu fehlen. Die Gesamtelternbeiräte von Fürstenfeldbruck und Olching befragten deshalb im Januar und Februar Mütter und Väter von Erst- bis Viertklässlern über ihre Erfahrungen zum Unterricht am heimischen Computer. Die Ergebnisse, die jetzt vorliegen, offenbaren erhebliche Defizite beim Unterricht. So blieb jedes zehnte Kind ohne Endgerät, mit dem es dem Digitalunterricht folgen könnte, etwa jeder zweite Schüler musste den Stoff von den Eltern erklärt bekommen und in den Kernfächern an der Grundschule, dabei handelt es sich um Mathematik, Deutsch sowie Heimat- und Sachunterricht, fielen bis zu acht Prozent der Stunden aus.

Mit der Umfrage haben die Elternbeiräte eine Lücke gefüllt. Zunächst hätten sie wissen wollen, wie es mit der Digitalisierung der Schulen aussehe, sagt Jörg Koos vom Gesamtelternbeirat in der Kreisstadt. Nach den schlechten Erfahrungen mit den Schulschließungen im vergangenen Frühjahr taten sich Elternbeiräte in ganz Bayern zusammen, um die Voraussetzungen des Distanzunterrichts in Zahlen zu konkretisieren. Denn bis dahin habe es nur Gefühle gegeben, sagt Koos, aber keine Fakten. Das wollten die Elternvertreter mit Beginn der Schulschließungen im Herbst nicht so stehen lassen. Sie forderten deshalb Väter und Mütter auf, anhand eines Fragenkatalogs ihre Erfahrungen mitzuteilen. Die Teilnahme an der Befragung war anonym und freiwillig, im Landkreis beteiligten sich 1115 Väter und Mütter an der Umfrage (in München waren es mehr als 4700, dazu kamen etliche Hundert Antworten aus fränkischen Städten). Bei der Bewertung der Antworten ist zu berücksichtigen, das Nicht-Muttersprachler unterrepräsentiert sind. Zu vermuten ist weiterhin, dass jene Eltern, die nur über eine geringe Ausstattung mit internetfähigen Geräten verfügen, ebenfalls seltener an der Beantwortung der Fragen teilgenommen haben. Das bedeutet, dass die Ergebnisse eher besser ausgefallen sind, als die Situation in der Realität ist (oder war). Für die Auswertung nahmen die Elternvertreter die Umfrageplattform der Hochschule Aalen zu Hilfe. Die Ergebnisse der Umfrage schickten sie ans Kultusministerium und ans Schulamt.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben sich die Voraussetzungen für den Distanzunterricht laut Koos in etlichen Bereichen verbessert. So ist die Kommunikation zwischen Eltern, Schülern und Lehrkräften enger geworden. Die Eltern, die im Januar und Februar befragt worden sind, bemängelten aber, dass zehn Prozent der Grundschüler zu wenig oder gar keinen Kontakt zu ihren Lehrkräften hätten. Nur ein gutes Drittel der Erst- bis Viertklässler saß am Bildschirm, wenn der Unterricht begann, mehr als 40 Prozent hatten gar keinen gemeinsamen Startschuss in den Schultag. Und obwohl die Lehrkräfte den Umgang mit den digitalen Medien besser beherrschten als während des ersten Lockdowns, bekämen nur etwas mehr als die Hälfte der Grundschüler neuen Stoff durch ihre Lehrerinnen und Lehrer in einer Videokonferenz erklärt, geht aus der Elternbefragung hervor. Laut dieser Befragung hat sich die Belastung der Eltern gegenüber dem Vorjahr sogar erhöht. 55 Prozent der Väter und Mütter gaben an, täglich bis zu drei Stunden mit ihren Kindern zu lernen. Viele Eltern fühlten sich zudem mit der Lehrerrolle überfordert. "Wie sollen sie ihren Kindern das Schreiben beibringen?", fragt Koos und nennt damit ein Beispiel.

Zu all diesen Schwierigkeiten gesellt sich die mangelhafte Digitalisierung in der Fläche. Dass die Datenleitungen in etlichen Gegenden des Landkreises zu schwach sind, um das Unterrichtsgeschehen ohne Bild- und Tonstörungen oder Abstürze in die Haushalte zu transportieren, das lasse sich schon an Online-Elternabenden feststellen, sagt Koos. Auch die Leistungsfähigkeit von Internetanschlüssen reicht bisweilen nicht aus. So halten Lehrkräfte ihre Stunden von zuhause aus, weil der Anschluss der Schule sonst überfordert wäre. Auch etliche Haushalte haben dieses Problem, mehr als die Hälfte der Eltern monierte deshalb, dass die Schulen nicht gefragt hätten, ob das Datenvolumen überhaupt für einen Distanzunterricht ausreicht.

© SZ vom 19.04.2021
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