Fürstenfeldbruck:Tragödie für Kinos

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Kino im GEP

Nur noch 25 der vorhandenen Sitzplätze dürfen aktuell auch im Kino des Gep in Germering belegt werden.

(Foto: Günther Reger)

Manchen Betreiber im Landkreis plagen wegen Besucherlimits und 2-G-plus-Regel Existenzängste

Von Kim Romagnoli, Fürstenfeldbruck

Leere Sitzplätze, abgesagte Filmvorstellungen, besorgte Betreiber. In den bayerischen Kinos dürfen seit Mittwoch nur noch 25 Prozent der Besucherkapazitäten genutzt werden, zusätzlich gilt die 2-G-plus-Regelung. Für die Kinos im Landkreis Fürstenfeldbruck ist das ein schwerer Schlag.

"Pure Verzweiflung" herrsche im Brucker Lichtspielhaus angesichts der neuen Corona-Maßnahmen, sagt Betreiber Markus Eisele. Es sei eine "himmelschreiende Ungerechtigkeit", dass die Einschränkungen erneut die Kulturstätten besonders heftig treffen - zumal dort ein vergleichsweise geringes Ansteckungsrisiko bestehe. Für die neuen Regelungen kann Eisele daher kein Verständnis aufbringen. Die Angst, dass sich das Lichtspielhaus womöglich nicht mehr lange über Wasser halten kann, ist auch bei seinen Mitarbeitern groß - viele fürchten die Kurzarbeit. Eingeschränkte Öffnungszeiten oder Programmkürzungen seien denkbare Szenarien für die nächsten Wochen, so Eisele. "Mit diesen Umsätzen lohnt sich der Kino-Betrieb auf gar keinen Fall." Dennoch wäre auch eine vorübergehende Schließung keine Lösung: "Das Kino ist ein Saisongeschäft. Wir brauchen die Einnahmen aus der Winterzeit, um die Nebensaison zu überstehen." Markus Eisele hofft daher auf staatliche Hilfen, mit denen die finanziellen Folgen für die Kinos abgefedert werden könnten. Auch ein Umstieg auf die 2-G-Regelung wäre zumindest eine kleine Entlastung.

Besorgt zeigt sich auch Markus Schmölz, der Leiter des Kinos Scala. Die Weihnachtszeit sei in der Regel die wichtigste Geschäftszeit und sorge für etwa 60 bis 70 Prozent des Umsatzes. "In diesem Jahr werden wir aber draufzahlen," vermutet er. Die zu erwartenden Besucherzahlen seien "nicht wirtschaftlich". Im Gegensatz zu anderen Kinos müsse das Scala momentan aber zumindest nicht um seine wirtschaftliche Existenz bangen. Stattdessen sorgt sich Schmölz insbesondere um die langfristigen Zukunftsaussichten der Branche als Geschäfts- und Freizeitmodell: "Wenn die Kinos das zweite Jahr in Folge verschwinden, zeigen wir, dass wir verzichtbar sind." Vor allem bei den jüngeren Generationen gelte es diesen Eindruck dringend zu vermeiden. "Wir müssen also trotz eklatanten Minusgeschäften weiterhin zeigen: Wir sind noch da."

"Noch da" sind auch das Cineplex in Germering und die Gröbenlichtspiele in Gröbenzell - allerdings mit weniger Filmvorstellungen aufgrund der niedrigen Besucherzahlen. Eine vorübergehende Schließung der Gröbenlichtspiele sei im Hinblick auf die neuen Regelungen durchaus eine Option, sagt Mitarbeiter Leonhard Lampert. Die Zahl der Reservierungen gehe insgesamt deutlich zurück, insbesondere die früher gut besuchten Kinder- und Jugendfilme seien von 2-G-plus stark betroffen. Mit dem gleichen Problem haben auch die anderen Kinos im Landkreis zu kämpfen. "Katastrophale Zahlen" erwartet etwa Schmölz selbst bei großen Hollywood-Filmen wie "Spiderman" oder "Ghostbusters", weil ein großer Teil des jungen Publikums heuer wegbleiben werde. Von Kritik an den Corona-Maßnahmen sieht er dennoch ab - die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher habe selbstverständlich Vorrang. Dennoch hofft der Leiter des Scala, dass die Zahl der Geimpften im Landkreis schnell zunimmt, damit auch die Kulturstätten endlich zur Normalität zurückkehren können.

"Das Kino ist ein Stehaufmännchen," sagt er abschließend. Von der Einführung des Fernsehens über die Erfindung der DVD bis hin zum Aufkommen von Streaming-Dienstleistern: zahlreiche Krisen habe das Kino in der Vergangenheit bereits überstanden. "Die Frage ist nur: Wie viele noch?"

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