Fürstenfeldbruck Studentenführer im grünen Gewand

Sechs Monate nach der Pensionierung von Hermann Vogelgsang wird Ingbert Hoffmann nun auch offiziell als neuer Leiter der Polizei-Fachhochschule vorgestellt. Im Churfürstensaal bezeichnet Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer den 52-Jährigen als gute Wahl

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Ein König ist er nicht, der neue Chef der Polizei-Fachhochschule. Und doch genügt die Zeremonie zur Amtseinführung von Ingbert Hoffmann am Montag durchaus royalen Ansprüchen. Im Churfürstensaal hat sich am Montag versammelt, was Rang und Namen hat - vom Landtagsabgeordneten Alexander Dorow über Landrat Thomas Karmasin und Brucks Bürgermeister Erich Raff, über Staatsanwälte und Oberstaatsanwälte bis hin zu den Bankern Klaus Knörr und Walter Müller. Zwischen Ölgemälden und Stuck haben sich auch Vertreter der Luftwaffe und sogar Kreisbrandrat Hubert Stefan sowie Landwirtschaftsamtschef Hans-Jürgen Gulder eingefunden. Alle sind sie gekommen in die "Fachhochschulstadt Fürstenfeldbruck". Dieses verbale Qualitätssiegel verleiht etwas später Hoffmanns Stellvertreter Friedrich Mülder der Stadt.

Oben glänzen sechs Lüster, unten reflektieren bis zu fünf silberne und goldene Sterne den Lichterschein - auf zahllosen dunkelgrünen Uniformen, wie jener des Brucker Polizeichefs Walter Müller. Irgendwo dazwischen: strahlende Gesichter. Von ganz vorne, dort, wo die Fahnen hängen, die Blumen stehen und das Saxophonquartett des Polizeiorchesters auf den Einsatz wartet, kommt das dürre, wenngleich von einem verbindlichen Lächeln begleitete Bekenntnis: "Mir geht's gut."

Auf gutes Auftreten legt Hermann Vogelgsang (re.) hohen Wert. Auch Wilhelm Schmidbauer, Ingbert Hoffmann und Thomas Karmasin (v. li.) bestehen diese Prüfung.

(Foto: Johannes Simon)

Mehr nicht? Nur gut? Ingbert Hoffmann freut sich natürlich über das feierliche Ambiente und über all die Prominenz. Aber in seiner Rede wird deutlich, dass der 52-Jährige eher die leisen Töne bevorzugt. Dort, wo sein Vorgänger Hermann Vogelgsang gerne wortgewaltige Loblieder sang auf diesen prächtigen Saal in dem von den Zisterziensern Ende des 17. Jahrhunderts errichteten Klosterbau, seiner Freude Ausdruck gab über die gelungene Renovierung der Fresken von Hans Georg Asam und die Freilegung der großformatigen Wandbilder - dort nimmt Ingbert Hoffmann lieber nüchtern die anstehenden Aufgaben in den Fokus und erntet gerade dafür Anerkennung.

Gut zwei Monate sitzt der verheiratete Vater dreier Kinder nun im Chefsessel, den ihm der ehemalige Präsident und Fachbereichsleiter Hermann Vogelgsang bereits vor einem halben Jahr freigemacht hat. Und statt sich in vollen Zügen der Feier hinzugeben, zeigt er, dass er ebenso wie sein respektierter Vorgänger lateinischer Sprüche mächtig ist. Bemüht Vogelgsang mit dem Zitat "Nichtstun macht auch Spaß" noch Cicero, so lässt Hoffmann einen leicht modifizierten Seneca zu Wort kommen: "Nicht für sie Schule, sondern für das Leben und den Polizeialltag lernen und lehren wir." Der neue Direktor an der "Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern", wie sich die staatliche Institution offiziell nennt, hat dort also einen von insgesamt sechs Fachbereichen übernommen.

Fachhochschule der Polizei

Im Mai besuchten insgesamt 4200 Studierende an verschiedenen Standorten die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern. Der zurzeit 821 Studierende sowie etwa 40 haupt- und 150 nebenamtliche Dozenten zählende Fachbereich Polizei ist eine der sechs Säulen. Meist um die 200 angehende Führungskräfte sowie Kommissare für Schutz- und Kriminalpolizei verlassen jedes Halbjahr diesen Fachbereich. Neben dem Hauptstandort im ehemaligen Klostergebäude von Fürstenfeld, in dem es auch einfache Unterkünfte gibt, existiert eine Zweigstelle in Sulzbach-Rosenberg. Im vergangenen Jahr feierte die Einrichtung 40-jähriges Bestehen.

Das Studium führt zum formalen Abschluss des Diplom-Verwaltungswirts. Bereits ausgebildete Polizeibeamte (etwa 80 Prozent) benötigen zwei Jahre, Abiturienten wegen der dann erforderlichen Praktika beim polizeilichen Einzeldienst und bei einer Hundertschaft in der Regel drei Jahre. Das Durchschnittsalter beträgt 31 Jahre. Die 25 Studienfächer reichen von Recht über Führungs- und Einsatzlehre, Kriminalistik bis zu Soziologie, Psychologie und politischer Bildung. Viel Wert gelegt wird auf die EDV-Ausbildung, Projektarbeit, das Beherrschen von Vortrags- und Verhandlungstechniken sowie auf körperliche Fitness. In den Seminaren soll den Studierenden soziale Kompetenz vermittelt und Hilfestellung bei der Stressbewältigung geleistet werden. Realitätsnahe Einsätze im häuslichen Bereich werden unter anderem in einer speziell umgebauten Villa an der Dachauer Straße in Fürstenfeldbruck geübt.slg

Fürstenfeldbruck hat er bereits kennen gelernt: Er hat den Aufzug der Vereine zum Brucker Volksfest verfolgt, war ein paar mal im Museum und bei Vernissagen. Er hat sichtbar keine Berührungsängste und signalisiert Offenheit. Das heißt nicht, dass er in der FH alles fortführen will, ohne eigene Akzente zu setzen. Gerade in der Einsatzlehre gebe es "noch Optimierungsmöglichkeiten". So will Hoffmann das Studium in Teilbereichen noch praxisnäher gestalten. Dass er seine selbst gesteckten Ziele erreicht, das trauen ihm sowohl FH-Präsident Wernher Braun als auch der Landespolizeipräsident zu - Wilhelm Schmidbauer bezeichnet Hoffmann als gute Wahl, auch mit Blick auf Herausforderungen auf den Feldern Migration, Cyberspace und Terror. Schließlich ist der in München wohnende Direktor der erste ausgebildete Polizei-Vollzugsbeamte, der es bis an die Spitze dieses Bereichs geschafft hat.

Hoffmann studierte 1983 Jura, kam 1992 als Jurist ins Innenministerium, wechselte 1997 zur bayerischen Polizei und drei Jahre später in den Polizeivollzugsdienst. Beim Münchner Präsidium war er von 2003 an für Betrug, Wirtschafts- und Internetkriminalität und anschließend beim Landeskriminalamt für organisierte Kriminalität zuständig.