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Frauenhaus in Fürstenfeldbruck:Sprungbrett in ein neues Leben

Das Frauenhaus besteht seit 20 Jahren. Vielen Opfern von häuslicher Gewalt bietet es einen ersten Zufluchtsort.

329 Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen hat die Polizei 2009 im Landkreis registriert. Einige Opfer haben vermutlich nach dem Eklat die Möglichkeit genutzt, allein oder mit Kindern in das Frauenhaus zu ziehen. Dort erhalten sie für maximal ein halbes Jahr eine Unterkunft und Hilfe in allen Bereichen des Alltags. Es kann das Sprungbrett in ein anderes Leben sein. In diesem Jahr feiert die unter der Trägerschaft des Vereins "Frauen helfen Frauen Fürstenfeldbruck" stehende Einrichtung ihr 20-jähriges Bestehen.

Zuerst bleibt man wegen der Kinder, dann geht man wegen der Kinder." Dieser Satz steht auf einem Flugblatt zur Wanderausstellung "Blick dahinter", die der Verein anlässlich des Jubiläums mit dem Runden Tisch gegen häusliche Gewalt in Fürstenfeldbruck vom 28. Oktober bis 11. November in der Kreisklinik zeigt. Ulrike Jurschitzka fällt der Satz spontan ein, wenn sie über ihre Arbeit spricht. Seit fünf Jahren arbeitet die Sozialpädagogin im Frauenhaus, das Platz für sechs Frauen und sieben Kinder hat. Sie ist eine von drei Mitarbeiterinnen, die sich zwei Vollzeitstellen teilen. Die restliche Arbeit stemmen 20 Ehrenamtliche, die den Verein auch in den anderen Bereichen unterstützen, dem Frauennotruf und der Interventionsstelle.

Wie Jurschitzka erzählt, ist es stets eine Form von Gewalt in der Partnerschaft - körperliche, sexuelle, psychische oder ökonomische, die die Frauen dazu veranlasst, ins Frauenhaus zu flüchten. Oft würden die Betroffenen schon länger drangsaliert, der Schritt hinaus aus dem Martyrium erfolge meist erst, wenn die Situation eskaliere, häufig in der Form, dass plötzlich die Kinder mitbetroffen seien, etwa, indem sie zum ersten Mal miterleben, wie ihre Mutter geschlagen wird oder sie selbst Zielscheibe der Aggressionen werden, sagt die Sozialpädagogin.

Der Standort des Frauenhauses ist geheim, damit die Verlassenen die Frauen nicht zur Rückkehr bewegen können. Nur über eine ständig erreichbare Telefonnummer (08141/357 35 65) können Frauen den Kontakt herstellen. In Zeiten des Handys kommt es dennoch recht oft wieder zum Kontakt mit dem Partner. 20 Prozent der Bewohnerinnen sind 2010 zurückgekehrt, ein Drittel zog nach dem Aufenthalt in eine eigene Wohnung um, 48 Prozent kamen in einer anderen Einrichtung oder bei Freunden unter. Jährlich kommen circa 30 bis 40 Frauen, etwa die Hälfte davon sind Ausländerinnen; die Zahlen sind seit 20 Jahren konstant. Laut Jurschitzka ist das Haus im Schnitt zu 80 Prozent ausgelastet. "Es ist jedes Jahr wieder so, dass wir relativ vielen Frauen absagen müssen, weil es gewisse Stoßzeiten gibt." In diesen Phasen, meist vor den Sommerferien und um die Weihnachtszeit, ist nicht nur das Brucker Frauenhaus überlastet, sondern auch ähnliche Einrichtungen. Zu anderen Zeiten sind indes überall Zimmer frei.

Während des Aufenthalts im Frauenhaus, das über Zuschüsse des Kreises, Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert wird, versuchen die Mitarbeiterinnen, die Lebenssituation der Frauen in Gesprächen und durch Vermittlung weiterer Hilfen zu verbessern. Meistens müssen finanzielle Fragen geklärt, eine Wohnung gesucht und, falls es Kinder gibt, das Jugendamt kontaktiert werden.

© SZ vom 02.09.2011

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