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Fürstenfeldbruck:Sensibler Klang im großen Saal

Das Klaviertrio Enescu erhält im Stadtsaal viel Beifall

Am zweiten Abend der Fürstenfelder Konzertreihe war ein Klaviertrio angekündigt, und diese Besetzung war schließlich auch zu hören. Statt des vorgesehenen Storioni-Trios aber, das aus Krankheitsgründen kurzfristig absagen musste, spielte das im Jahr 2011 gegründete Trio Enescu. Zumindest bis zum irgendwann nachgeholten Gastspiel des Storioni-Trios kann gelten, dass das Trio Enescu mit Gabriele Gylete (Klavier), Alina Armonas-Tambrea (Violine) und Edvardos Armonas (Violoncello) auf ausgesprochen hohem Niveau musizierte und dass dabei so gut wie keine Wünsche der Zuhörer offen blieben. Das Programm umfasste neben dem viel gespielten Klaviertrio in C-Dur KV 548 von Wolfgang Amadeus Mozart zwei eher selten zu hörende Werke, nämlich das Andante con moto in c-Moll EG 116 von Edvard Grieg aus dem Jahr 1878 und das dreißig Jahre zuvor komponierte Klaviertrio in d-Moll op. 11 von Fanny Hensel, der Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Intime Kammermusik in großen Sälen, das ist ein Gegensatz, der seit dem 19. Jahrhundert Musiker wie Instrumentenbauer beschäftigt. Durch allerlei Kunstgriffe bei den Streichern, unter anderem hinsichtlich der Saiten, und durch immer größere und stabilere Flügel konnte das Klangvolumen gesteigert und damit an größere Räume angepasst werden. Die Grundproblematik, dass die Faktur vieler Kammermusikwerke andere klangliche Vorstellungen nahelegt als sie oft realisiert werden, bleibt vielfach erhalten. Diesem Spagat begegneten die Musiker des Trio Enescu dadurch, dass sie musizierten, als ob ihr Konzert in einem kleinen Raum stattfinden würde. Der Schwierigkeit, dass der Klang damit nicht an allen Plätzen des Saals gleichermaßen präsent sein könnte, setzten sie einerseits hohe Transparenz im Spiel entgegen. Andererseits veranlassten die Musiker ihr Publikum zu höchster Konzentration und zum genauen Hinhören. Da erwies sich dann auch, wie tragfähig der Ton im Stadtsaal sein kann, selbst wenn die rein akustisch zu messende Lautstärke nicht allzu groß ist.

Der Allegro-Kopfsatz des Mozart-Trios geriet sehr fein in der Klanggestaltung, Vibrato spielte bei den Streichern eine eher untergeordnete Rolle und wurde auch sehr differenziert eingesetzt. Kleine anfängliche rhythmische Unklarheiten bei der Pianistin waren schon in der Durchführung überwunden. Ein äußerlich betrachtet minimaler Aufwand führte im Andante cantabile zu einem wunderbar singenden Ton und zu großer Wirkung. Das Final-Allegro gelang sehr überzeugend durch den leichten und federnden Gestus, der dennoch nie leichtfertig-oberflächlich geriet.

Das Andante con moto von Grieg bezog seine berührende Interpretation vor allem aus zwei Quellen: Violine und Violoncello vereinten sich, sogar oft unisono, zu einer Stimme, die als ausbalanciertes Gegengewicht zum Klavier auftrat. Die leidenschaftliche Grundanlage mit großen Gefühlen wurde dabei sehr feinfühlig und auf Nuancen bedacht umgesetzt.

Fanny Hensels Klaviertrio hat mit einem gleich besetzten Werk ihres Bruders nicht nur die Tonart gemeinsam. Der Impetus des Eingangssatzes (Allegro) mit der quirligen, aber ganz pulsierend im Hintergrund gehaltenen Begleitfigur und den weiträumigen Kantilenen in den Streichern verweist auf das "Bruderwerk". Die Eigenständigkeit, mit der Hensel die kraftvolle Kantabilität hier in Klang umsetzte, war der Souveränität der Interpretation durch das Trio Enescu adäquat. Virtuosität geriet nie oberflächlich und war immer in den Dienst des gesamten Notentextes gestellt. Auch der dritte Satz, mit "Lied" bezeichnet, orientierte sich an vokalen Vorbildern und entfaltete wunderbar hymnische Größe. Der rhapsodische Schlusssatz (Allegro moderato) fand schließlich einen überzeugenden Mittelweg zwischen der musikantischen Freiheit des Musizierens und der spannungsvoll geführten Architektur des Satzes.

Am Schluss des Konzerts gab es viel Beifall für eine großartige Leistung der drei Musiker. Diese bedankten sich mit dem Scherzo-Satz aus dem Klaviertrio in d-Moll op. 32 von Anton Arenski. Die funkelnd-blitzenden Klavierkaskaden wirkten dabei wie eine stilistische Weiterführung des Hensel-Trios.

© SZ vom 28.11.2016
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