Fürstenfeldbruck Schöne Stimmen

Das Musical-Projekt des Vereins Adonia überzeugt das Brucker Publikum

Von Sonja Pawlowa, Fürstenfeldbruck

In den Osterferien schnell mal ein Musical einstudieren? Das geht. 66 christliche Jugendliche begeisterten am Ostersamstag im Stadtsaal Fürstenfeldbruck mindestens 600 Zuschauer mit dem Musical "Isaak". Wie schafft man es, mit Laiendarstellern in nur drei Tagen Probenzeit ein zweistündiges Musical auf die Bühne zu bringen? Das Geheimnis liegt in einem Konzept des Vereins Adonia, der mit seiner Methode seit 2001 in ganz Deutschland gleichzeitig identische Musicals mit Jugendlichen einübt und aufführt. Offenbar versetzt nicht nur der Glaube Berge, sondern auch eine ausgeklügelte Logistik.

Vielleicht ist Gottvertrauen eine Qualität, die den Erfolg mitbringt. Bei den jungen Darstellern führte die Mitwirkung an dem Projekt zu Höchstleistungen. Schöne Stimmen, beeindruckende Schauspieler, eine Live-Band mit Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboards, Saxophon und Querflöte unterhielten niveauvoll. Auch mit der neuesten Technik klappte alles tadellos.

Wie der Titel des Musicals "Isaak- So sehr geliebt" schon vermuten lässt, war die alttestamentarische Geschichte von Abraham und Isaak Grundlage für das Stück. Keine leichte Kost, auch wenn die Musik und die Dialoge an das 21. Jahrhundert angepasst erschienen. Da ist Abraham ein "Wirtschaftsflüchtling", verbringt "Quality-Time" mit seinem Sohn Isaak, wählt ein Fahrrad als Fortbewegungsmittel für den "Vater-Sohn-Wochenendtrip". Das Wunder von Isaaks Empfängnis trotz des 90-jährigen Greisenalters der Eltern mutet in der heutigen Zeit nicht mehr ganz so absurd an wie in vergangenen Tagen. Saras Schwangerschaft jenseits der Menopause ist zur Realität geworden. Auch die Spannungen zwischen der kinderlosen Herrin Sara und der "unverschämten" Leihmutter, der Sklavin Hagar, ist möglicherweise aktueller als man denkt. Der Kern der biblischen Geschichte, dass nämlich Abraham auf Gottes Geheiß seinen Sohn opfern - sprich töten - soll, mutet trotzdem archaisch und vorsintflutlich an.

Biblische Kraft mit dem Titel "Isaak- So sehr geliebt" auf der Bühne des Veranstaltungsforums.

(Foto: Günther Reger)

Dass diese Inhalte nicht bei jedem Musical-Camp separat erarbeitet werden müssen, ist der zentrale Inhalt des Adonia-Konzepts. Es gibt ein Regiebuch, der Rest wird lokal organisiert. Gerd Hutschenreuter ist der für Bayern zuständige Teamleiter. Er gewährleistet die Umsetzung vom Camp bis zu den Busfahrten zu den Aufführungen und den Übernachtungen bei Gasteltern. Eine Woche mit Vorsprechen, Singen, Tanzen und Rollenverteilung, Proben im Schnellverfahren und Auftritt. Da ist Disziplin und Hierarchie gefragt. Als Belohnung winken ein garantiertes Gelingen und das gemeinschaftliche Erfolgserlebnis. Mitmachen dürfen nicht nur Christen. Jedoch manifestiert sich die christliche Ausrichtung deutlich in den Kleingruppen und Gebeten. Das gefällt nicht jedermann.

Dennoch ist eine Ferienfreizeit wie das Musical-Camp inklusive Rundumbetreuung, Übernachtung und Vollpension sehr attraktiv. Die Camps sind sehr schnell ausgebucht. Die Teilnehmer kommen immer wieder. Eilin Hachenberg etwa macht seit 15 Jahren mit. Sie begann als Teilnehmerin und hilft heute beim Verkauf der DVDs und Songbooks. "Bei den Camps entstehen Freundschaften, die sehr lange halten." Statt sich entlohnen zu lassen, setzt Adonia auf ehrenamtliche Mitwirkung und Freiwilligkeit. Katharina Rohmann von der evangelischen Gemeinschaft Puchheim unterstützt diese schöne Idee. Sie hat mit drei anderen Kirchen aus dem Landkreis , der Freien evangelische Gemeinde Fürstenfeldbruck, den Baptisten Puchheim und XHOPE Olching eine Allianz gebildet und den Stadtsaal gebucht. Das alles wurde aus Spendengeldern finanziert.

Laiendarsteller haben nach nur drei Probetagen ein Musical auf die Bühne gebracht.

(Foto: Günther Reger)

Wenn dann die Augen glitzern, die Wangen glühen und das Lampenfieber schwillt, wissen alle, wofür sie es tun. Es ist schön, wenn Non-Profit-Ideen eine große Bühne haben.