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Fürstenfeldbruck:S-Bahn fährt ohne Halt durch

Karmasin

Landrat Thomas Karmasin plädiert für mehr Ersatzzüge auf den S-Bahn-Linien im Außenbereich.

(Foto: Günther Reger)

Landrat Thomas Karmasin protestiert dagegen, dass bei Verspätung Stationen ausgelassen werden

Von Gerhard Eisenkolb, Fürstenfeldbruck

S-Bahn-Fahrgäste sind Ärger gewohnt. Seit einiger Zeit haben Pendler jedoch eine neuen Grund, sich verschaukelt zu fühlen. Um bei Verspätungen den Fahrplan einzuhalten, halten die Züge oft einfach an kleineren oder gleich mehreren Stationen im Außenbereich nicht mehr. Das ist wiederholt auf der Strecke der S 3 geschehen. Mit der Folge, dass Fahrgäste ihr Ziel erst erreichen, wenn sie mit einer anderen S-Bahn wieder zurückfahren. Landrat Thomas Karmasin (CSU) will dieses Konzept nicht länger hinnehmen. Er hat sich an den Geschäftsführer der Bayrischen Eisenbahngesellschaft, Johann Niggl, gewandt und ihn gebeten, sich dafür einzusetzen, dass besser geeignete Maßnahmen zur Minimierung von Betriebsstörungen ergriffen werden.

So regt Karmasin größere Pufferzeiten und den Einsatz von mehr Ersatzfahrzeuge an. Dabei könnte auf ältere ET-420-Züge zurückgegriffen werden. Diese dürfen zwar nicht den Stammstreckentunnel befahren, könnten bei Störfällen aber im Außenbereich Entlastung bringen. Die BEG bestellt bei der Bahn das Fahrplanangebot der S-Bahn und unterstützt laut Karmasin, der sich auch auf Berichte der SZ bezieht, das Durchfahren durch S-Bahn-Haltepunkte, damit sich das Gesamtsystem nach einer Betriebsstörung wieder möglichst rasch erholen könne. Da es nahezu täglich zu Betriebsstörungen komme, würde das bedeuten, dass täglich S-Bahnhöfe ohne den im Fahrplan vorgesehenen Halt durchfahren würden. Für den Landkreis Fürstenfeldbruck mit drei S-Bahnlinien und 16 Bahnhöfen ziehe das unakzeptable Folgen nach sich. Im Kampf gegen den Verkehrsinfarkt im dicht besiedelten Landkreis Fürstenfeldbruck bilden die drei S-Bahnlinien das Gerüst, auf dem das Regionalbussystem aufbaut. Deshalb ziehe jeder Fall eines ausgelassenen Zughalts weitere Verwerfungen nach sich, was den Vertrauensverlust und Vorbehalte gegenüber dem Öffentlichen Nahverkehr verstärke.

Noch etwas befürchtet Karmasin. Es könnte für DB Regio wirtschaftlich lukrativ sein, bei Störfällen S-Bahnhöfe auszulassen anstatt Strafzahlungen wegen des Überschreitens bestimmter Verspätungsvorgaben leisten zu müssen. Werde zum Aufholen von Verspätungen jedoch das Ziel aufgegeben, Fahrgäste vom Start- zum Zielbahnhof zu befördern, "verkommt der Fahrplan zum reinen Selbstzweck", stellt der Landrat in einer Presseerklärung fest.

Um sich ein realistisches Bild von der neuen S-Bahnmisere machen zu können, fordert der Landrat vom Geschäftsführer der Bayerischen Eisenbahngesellschaft Antworten zu drei Fragen. Er will wissen, welche S-Bahnhöfe im Landkreis in diesem Jahr wie oft von ausgefallenen Zughalten betroffen waren. Zudem fragt er nach den Konsequenzen für einen Fahrgast, wenn er bei der Rückfahrt von einer nachfolgenden Station kontrolliert wird und für diese Strecke keinen gültigen Fahrausweis besitzt. Johann Niggl soll auch dazu Stellung nehmen, ob Pendler mit einer Fahrgelderstattung rechnen können, wenn sie eine Anschlussverbindung verpassen oder gegebenenfalls gezwungen sind, ein Taxi zu bestellen.

© SZ vom 22.07.2016

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