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Fürstenfeldbruck:Piggis glänzender Auftritt

Die Traditionsgemeinschaft Fursty hat viel Zeit und Geld in die Restaurierung eines historischen Übungsflugzeugs investiert

Der Fliegerhorst hat seine glänzende Zeit vermutlich hinter sich, die Truppe nebst Offizierschule soll in vier Jahren abziehen. Ein Relikt aus den guten Tagen ist nun dennoch auf Hochglanz poliert worden: die viersitzige Piaggio, die nach dem aktiven Dienst ihr Dasein als aufgeständertes "Sockelmodell" vor dem Captain-Higgins-Gebäude fristete und reichlich Patina angesetzt hatte, so wie alle anderen ausrangierten Düsen- und Propellerflugzeuge auf dem weitläufigen Militärareal.

Das frühere Ausbildungsflugzeug wurde nach der "Außerdienststellung" 1973 auf dem Brucker Fliegerhorst vor dem Richard-Higgins-Gebäude aufgeständert.

(Foto: Eduard Wagner/Offizierschule der Luftwaffe)

Ein Blick zurück ganz ohne Zorn: Die Bundeswehr orderte in den Fünfzigern bei der italienischen Fahrzeug- und Flugzeugschmiede Piaggio 266 Maschinen des Typs P 149 D, von den Soldaten auch "Piggi" genannt. In Italien wurden 76 Maschinen gefertigt, die restlichen 190 Flugzeuge als Lizenzbau von Focke-Wulf in Bremen. Das viersitzige Propellerflugzeug mit einziehbarem Fahrwerk wurde von einem 270-PS-Motor auf eine Reisegeschwindigkeit von etwa 225 Stundenkilometern gebracht. Die Maschinen wurden von 1957 an nicht nur für die fliegerische Schulung angehender "Transportflugzeugführer" genutzt, sondern auch von den fliegenden Verbänden von Luftwaffe und Marine. 1961 kam eine weitere Aufgabe hinzu: das sogenannte Screening, eine Eignungsfeststellung für zukünftige Jetpiloten in Uetersen, westlich von Hamburg. Nach einer kurzen Verlegung nach Neubiberg erreichten 40 Flugzeuge im Jahr 1973 den Flugplatz Fürstenfeldbruck und bildeten die dritte Staffel. Sie war im Norden des Flugplatzes stationiert und nutzte einen ehemaligen Rollweg als Start- und Landebahn.

Hauptmann a.D. Michael "Mike" Weber legt letzte Hand an und bringt an der Piaggio P 149 D das Wappen des Jagdbombergeschwaders 49 an.

(Foto: Eduard Wagner Offizierschule der Luftwaffe)

Das Screening wurde 1990 nach 17 Jahren Fursty nach Goodyear/Arizona in die USA verlegt. Nach insgesamt 33 Jahren Nutzungsdauer kam für die Piggi das Ende der fliegerischen Nutzung. Fast zehntausend Pilotenanwärter von Luftwaffe und Marine haben ihre militärische Karriere in der Kanzel des italienischen Flugzeugs begonnen. Im März 1990 wurde das Jagdbombergeschwader 49 außer Dienst gestellt. Der damalige Kommodore des Geschwaders, Oberst Fritz Morgenstern, ließ noch im selben Jahr eine Maschine des Typs mit dem militärischen Kennzeichen 90 plus 94 auf einem Betonsockel vor dem heutigen Captain-Higgins-Gebäude anbringen. In diesem Gebäude haben mehrere Generationen bis zur Außerdienststellung des Alphajets 1997 ihre fliegertheoretische Ausbildung durchlaufen.

29 Jahre haben Wind, Regen und Frost an der Piggi genagt. Acht Mitglieder der Traditionsgemeinschaft (TG) Fursty unter Leitung von Hauptmann a.D. Michael "Mike" Weber waren zwei Monate im Einsatz. Sie haben 120 Arbeitsstunden in die umfangreiche Restaurierung investiert. Die Kosten von nahezu 1000 Euro hat der Verein übernommen. Zur Freude von Soldaten, Zivilbeschäftigten und Besuchern des Fliegerhorstes erstrahlt Piggi nun in neuem Glanz - nicht auf dem hohen Ross, wohl aber auf dem Sockel. Sieht fast so aus, als starte sie gleich mit brummendem Motor.