Fürstenfeldbruck Nah- oder Fernverkehr?

Soll die S 4 nun in den Bundesverkehrswegeplan oder nicht?

(Foto: Reger)

Kreistag kann sich nicht auf Stellungnahme zur S 4 einigen

Von Gerhard Eisenkolb, Fürstenfeldbruck

Im Kreistag haben sich die Grünen mit Kreisrat Jan Halbauer jetzt nicht mit dem Antrag durchsetzen können, dass neben den drei Landkreiskommunen Fürstenfeldbruck, Puchheim und Eichenau auch der Landkreis selbst in einer Stellungnahme zum Bundesverkehrswegeplan die Aufnahme der S 4 in das Ausbauprogramm des Bundes fordert. Gegen den entsprechenden Antrag stimmte eine Mehrheit von 32 Kreisräten, nur 25 befürworteten ihn. Allerdings sprach sich das Gremium einstimmig für einen von Landrat Thomas Karmasin (CSU) vorgeschlagenen Kompromiss aus.

Nach dem Beschluss soll die Landkreisverwaltung vorerst nur eine Stellungnahme vorbereiten, die eine Verankerung des S-4-Ausbaus zwischen Pasing und den Halt Buchenau in Fürstenfeldbruck im Bundesverkehrswegeplan fordert. Damit folgte die Mehrheit den Bedenken des Landrats. Dieser wies unter Berufung auf den Experten für den Personennahverkehr im Landratsamt, Hermann Seifert, darauf hin, mit einem solchen Vorstoß vor allem den Fernverkehr und nicht primär den Personennahverkehr und damit die auf die S-Bahn angewiesenen Pendler zu fördern. Die von den Grünen geforderte Stellungnahme soll nur noch abgegeben werden, wenn sich das als sinnvoll erweist. Der Beschluss umfasst jedoch noch zwei weitere Punkte. Er bekräftigt explizit die bisherige Haltung des Kreistags, für den der Ausbau der S 4 nach wie vor ein wichtiges politisches Anliegen ist. Zudem wird die Landkreisverwaltung beauftragt, den aktuellen Sachstand zum Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz zu ermitteln. Laut Karmasin hat der Ausbau der S-Bahn nämlich mit Mitteln aus diesem Topf zu erfolgen und nicht mit Bundesmitteln.

Martin Runge, Fraktionssprecher der Grünen, zeigte sich über die Argumentation Karmasins "verwundert". Laut Runge dienen die Bahngleise zwischen Pasing und Buchenau dem Fern-, Nah- und Güterverkehr gleichermaßen. Deshalb handle es sich um eine "klassische Mischverkehrsstrecke", weshalb die Strecke und damit auch der S-Bahnausbau dem Fernverkehr zuzuordnen sei. Umstritten war, welche Folgen das für die S-Bahn und die Pendler nach sich zieht. Würde das zu Lasten des Nahverkehrs erfolgen, was Karmasin befürchtet, könnte das sogar Einschränkungen für die S-Bahn nach sich ziehen. Auch Olching Bürgermeister Andreas Magg (SPD) äußerte Zweifel. Es sei sich nicht sicher, ob es die Anwohner gut fänden, wenn der Güterverkehr auf den Gleisen zunähme. Emmerings Bürgermeister Michael Schanderl (FW) unterschied zwischen dem Ausbau der S 4 zwischen Pasing und Buchenau einerseits und zwischen der Ertüchtigung der internationalen Bahntrasse München-Zürich andererseits. Schanderl wollte wissen, ob und gegebenenfalls wie die Strecke München-Zürich auf den Gleisen zwischen Pasing und Buchenau ertüchtigt wird.