Fürstenfeldbruck Mitten aus dem Leben

Im Haus 10 stellen die besten Hobbyfotografen aus ganz Oberbayern bei einem Wettbewerb aktuelle Werke aus

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Ein Mann liegt in seinem Fahrradanhänger, am Rande einer Straße, in tiefen Schlaf versunken. Sein Hemd ist offen, sein verschwitztes Gesicht lässt tiefe Erschöpfung ebenso erkennen wie selige Entspannung. An der Wand neben ihm ist ein buntes Werbeplakat zu erkennen. Es ist ein wunderbares Foto, das Aleksandr Umanskiy vom Brucker Film- und Fotoclub im Haus 10 präsentiert. Und es fasst hervorragend das Thema der Ausstellung zusammen: "C'est la vie". Denn unter dieses Motto haben die Fotoclubs des oberbayerischen Oberlandes ihre Jahresausstellung, den Regionalwettbewerb 2018, gestellt.

Seit 38 Jahren veranstalten die 14 Regio-Fotoclubs ununterbrochen ihren alljährlichen Wettbewerb. Die Teilnehmer kommen aus Dachau, Fürstenfeldbruck, Garmisch-Partenkirchen, Landsberg, Miesbach, Starnberg, Bad Tölz, Wolfratshausen und Weilheim-Schongau, Ausrichter ist in jedem Jahr ein anderer Verein. In diesem Jahr ist es der Film- und Fotoclub Fürstenfeldbruck. Von Januar bis Juli hatten die Mitglieder der Vereine Zeit, ihre Bilder einzureichen. Eine Jury hat dann aus 380 Einsendungen die nun ausgestellten 120 Fotos ausgewählt. 60 davon zum Ausstellungsmotto, die anderen 60 sind Schwarz-Weiß-Fotografien zu freien Themen. In beiden Kategorien wurde jeweils ein Sieger bestimmt, ausgezeichnet wird er mit einem prächtigen Wanderpokal.

Aleksandr Umanskiy zeigt die Straßenszene "Mittagsschlaf - gehört auch zum Leben.

(Foto: Voxbrunner Carmen)

Bei den Themenfotos kommt der Sieger vom Kunstforum allingas aus Alling. In "I Wash" hat Markus Bauernfeind einen Schreckmoment des modernen Lebens festgehalten, das Angstszenario jedes Smartphone-Besitzers. Aus dem Inneren einer Waschmaschine blickt der Betrachter des Fotos durch die Glastür in ein entsetztes Gesicht. Es ist der Smartphone-Besitzer, der gerade sein Gerät im Inneren der bereits laufenden Trommel entdeckt hat. Das Bild überzeugt nicht nur mit diesem witzigen Motiv, sondern auch mit seiner Farbkombination, interessant gesetztem Licht, das zu zahlreichen Spiegelungen und Effekten führt, und vielen kleinen Details.

Insgesamt zeigen die Wettbewerbsbeiträge im wahrsten Sinne die ganze Palette des Lebens: Reichtum und Armut, Schönheit und Hässlichkeit, Moderne und Tradition, Mensch, Natur, Architektur. All das aber nicht plump oder oberflächlich, sondern mit überraschenden Perspektiven und vielen Gedanken, die hinter den Aufnahmen stehen, technisch meist auf einem ziemlich hohen Niveau. Wilfried Dehmel von der Fotogruppe Traubing hat für sein Bild "Reiches Deutschland" ein Obdachlosen-Zeltlager und einer Brücke fotografiert. Durch die bunten Zelte erinnert er zuerst an Erholung, Urlaub, Festivals. Doch diese Stimmung kippt freilich schnell. Neben solch ernsteren Motiven gibt es aber auch unterhaltsames, wie eine Möwe, die allein vor einem Absperrband auf einem See-Steg steht.

Markus Bauernfeinds Siegerbild "I Wash".

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Auch unter den Schwarz-Weiß-Fotografien lassen sich einige Schätze entdecken. Sei es in der Architekturecke, mit Aufnahmen von bekannten Urlaubsorten ebenso wie Innen- und Außenansichten, oder bei den Porträtaufnahmen von Menschen aus der ganzen Welt. Besonders im Gedächtnis allerdings bleibt das Siegerfoto "Sandy" von Holger Frank von den Fotofreunden Tegernseer Tal. Es zeigt einen schwarzen Jungen, dessen Gesicht von grobem Sand bedeckt ist.

Und so ist die Ausstellung eine spannende Leistungsschau der besten Hobbyfotografen aus ganz Oberbayern. Sie zeigt, auf welch hohem Niveau sich die Hobbyfotografie mittlerweile bewegt und wie wenig sie damit zu tun hat, einfach mal mit der digitalen Spiegelreflexkamera ein paar Schnappschüsse im Urlaub zu machen.

Fotoausstellung "Regio2018", Kulturwerkstatt Haus 10, Kloster Fürstenfeld. Vernissage am Freitag, 28. September, von 19.30 Uhr an. Danach zu sehen von Samstag, 29. September, bis Mittwoch, 3. Oktober, jeweils von 10 bis 18 Uhr