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Fürstenfeldbruck:Mit Tango zur Normalität

Senioren der Ökumenischen Nachbarschaftshilfe genießen Akkordeonkonzert

Von Lea Schellenberg, Fürstenfeldbruck

Unter einem roten Sonnenschirm sitzt Simon Japha an diesem windig warmen Sommertag mit seinem Akkordeon. Vor ihm haben sich die Senioren des Tagespflegedienstes versammelt. Dann fängt Japha an zu spielen - den Tango ""La Cumparsita" aus Uruguay. Darauf folgt ein Musette Walzer. Die Köpfe der umstehenden Senioren wippen langsam zum Takt mit und es herrscht eine fröhliche Stimmung. Die Betreuerin Michaela Kozlowski macht Fotos und Videos von dem angetanem Publikum.

Zweieinhalb Monate war der Pflegedienst der Ökumenischen Nachbarschaftshilfe in Fürstenfeldbruck wegen Corona geschlossen. Während dieser Zeit wurden die Gäste teilweise zuhause besucht, sodass sie etwas Gesellschaft hatten. Das sei zwar nur ein kleiner Ersatz gewesen, aber so sei man in Kontakt geblieben und man hätte die Leute auch ganz anders kennenlernen können, sagt die Leiterin Susanne Beistle. Normalerweise würde in der Einrichtung durch Gymnastik, Basteln, Singen und Essenszubereitung die Mobilität und der Geist der älteren Menschen angeregt. Seit Juni sind die Türen nun wieder geöffnet und eine kreative und sinnvolle Tagesgestaltung kann wieder stattfinden. Als sie zum ersten Mal wieder kommen durfte, habe eine demente Frau zu Susanne Beistle gesagt: "Mei des ist wie Heimkommen". Als die Leiterin davon erzählt, bekommt sie glasige Augen. Solche Kommentare würden sie in ihrer Arbeit bestärken und bestätigen. Als die Senioren wieder zur Tagesbetreuung gekommen sind, hätten die Betreuerinnen gemerkt, dass sie in der Zeit zuhause abgebaut hätten. "Sie kamen schon verändert wieder", stellt Susanne Beistle fest. "Wir sind froh wieder auf machen zu können und hoffen darauf, dass alles sukzessiv normaler wird", sagt die Geschäftsführerin Christine Gunert und spricht damit auf die Einschränkungen an. Wegen der Corona-Vorschriften ist die Besucherzahl auf sechs bis sieben beschränkt. Normalerweise es 15 Senioren pro Tag. Aber man nutze das, was erlaubt sei. So können die Gäste des Hauses ein Mal in der Woche an einem festen Tag in einer konstant bleibenden Gruppe wiederkommen. Die Senioren würden schon alle nachfragen wann sie wieder öfter in der Woche kommen dürften, sagt die Leiterin.

Dass das "Seniorenkonzert" zu Stande kam, ist der Bürgerstiftung zu verdanken. Die Bürgerstiftung organisiere und finanziere dieses Konzert wie auch andere, um Musiker in der momentanen Zeit zu unterstützen. Das Angebot der Bürgerstiftung wurde direkt angenommen, da es auch eine Bereicherung des Tages der Besucher sei, sagt Susanne Beistle.

So verfolgen die Senioren vergnügt die Lieder, die der freischaffende Musiker Japha spielt. Nach dem Csárdás von Monti wird unter Applaus eine Zugabe gefordert. Also stimmt der Akkordeonist noch mal einen Walzer an. Michaela Kozlowski fordert kurzerhand Ingeborg Schlegel zum Tanz auf. Zum Schluss rundet Simon Japha seinen Auftritt mit einem Tango ab und bedankt sich bei seinem Publikum. Er freue sich die Möglichkeit bekommen zu haben, vor der kleinen Gruppe spielen zu dürfen. Nach dem Konzert verleiht Seniorin Helga Müller ihrer Begeisterung Ausdruck: "Es war traumhaft." Und damit spricht sie scheinbar nicht nur für sich, sondern auch für die anderen Gästen, wenn man in deren Gesichter sieht.

© SZ vom 03.07.2020

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