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Fürstenfeldbruck:Mehr Klarheit für Flüchtlingshelfer

Stellen den "Wegweiser Integration" vor: Michael Schankweiler von der Bundesagentur für Arbeit (von links), Tatjana Auer vom Brucker Jobcenter, Landrat Thomas Karmasin und Petra Pauli, ebenfalls vom Jobcenter.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der digitale "Wegweiser Integration" soll es den Betreuern von arbeitslosen Flüchtlingen leichter machen, die richtigen Ansprechpartner auf dem Weg zu einem Job zu finden

Künftig sollen sich Asylhelfer unterschiedlicher Landkreise noch besser miteinander vernetzen können. Eigens dafür hat das Koordinierungscenter Fürstenfeldbruck, ein Zusammenschluss haupt- und ehrenamtlicher Asylhelfer, ein neues Projekt ins Leben gerufen, welches den Namen "Wegweiser Integration" trägt. Laut den Initiatoren des Projektes geht es dabei um ein "bundesweit einzigartig erarbeitetes Gemeinschaftswerk", das auf der Homepage des Jobcenters Fürstenfeldbruck abgerufen werden kann und die Beratung von Asylbewerbern in Zukunft effizienter gestalten soll. Klickt man auf den Link "Wegweiser Integration", so findet man dort nun eine übersichtliche Aneinanderreihung verschiedener Themengebiete wie "Asylverfahren", "Sprache" oder "Arbeit", die wiederum zu den einzelnen Behörden führen, welche für die angeführten Themengebiete jeweils zuständig sind.

So soll für alle Asylhelfer künftig mehr Klarheit geschaffen werden, wenn diese Flüchtlinge beraten und nicht wissen, an welche Behörden sie die Betroffenen verweisen sollen. In den vergangenen Jahren seit 2015 ist es laut Michael Schankweiler, Vorsitzender der Agentur für Arbeit in Weilheim, immer wieder zu Verwirrungen gekommen. So hätten etwa zahlreiche Asylhelfer nicht gewusst, wann das Jobcenter und wann die Agentur für Arbeit für arbeitssuchende Asylbewerber zuständig sei, sagt Schankweiler.

Tatjana Auer, die selbst als Arbeitsvermittlerin im Jobcenter arbeitet und auch dessen Integrationsbeauftragte ist, präsentierte das Digitalprojekt am Dienstag als "Matrix, die sämtliche Akteure und Unterstützungsangebote bei der Integration von Menschen mit Fluchthintergrund abbildet." Das Projekt hätten sich alle haupt- und ehrenamtlichen Akteure in der Flüchtlingshilfe, die als solche auch Teil des Koordinierungszentrums seien, gemeinsam überlegt und entwickelt, darunter die ehrenamtlichen Asylhelferkreise Maisach und Eichenau, die Caritas, die Agentur für Arbeit und das Landratsamt in Fürstenfeldbruck. "Ziel ist es, gleiche Rahmenbedingungen für alle zu schaffen, die mit Geflüchteten zu tun haben, damit auch alle Asylbewerber gleich beraten werden", sagt Landrat Thomas Karmasin (CSU), der die Vorstellung des digitalen Wegweisers am Dienstag einleitete und selbst Schirmherr des Koordinierungscenters ist. Der Wegweiser sei eines dieser "gelungenen Projekte", bei denen man sich im Nachhinein frage: "Warum eigentlich nicht gleich?"

Für Karmasin, der in den vergangenen Jahren immer wieder von ehrenamtlichen Asylhelfern für seine "restriktive" Verteilung von Arbeitsgenehmigungen an Asylbewerber kritisiert worden ist, ist das neue Projekt allerdings kein Zugeständnis an seine Kritiker. Nach wie vor sei er der Meinung, dass Arbeitsgenehmigungen überall dort vergeben werden sollten, wo es möglich sei, aber: dass es Grenzen gebe, und "die sind dort zu ziehen, wo Menschen über ihre wahre Identität hinwegtäuschen". Dass manche Asylhelfer das Gefühl hätten, in ihrem Landkreis sei die Vergabe der Arbeitsgenehmigungen besonders streng, beeindruckt Karmasin nicht, denn: "Wenn man an der Kasse im Supermarkt steht, hat man auch oft das Gefühl, dass es bei einem selbst besonders langsam vorangeht."

© SZ vom 29.01.2020
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