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Fürstenfeldbruck:Leichter radeln

Der Landkreis möchte sein Fahrradwegenetz verbessern. Entlang von Kreisstraßen will er den Bau künftig selbst finanzieren, die Kommunen sollen lediglich die Grundstücke beisteuern

Der Landkreis ist seit einiger Zeit dabei, Radfahrern eine bessere Infrastruktur bereit zu stellen. Dazu zählen die Optimierung des vorhandenen Radwegenetzes sowie der vermehrte Neubau von Radwegen. Der Landkreis verständigte sich dabei auf ein neues Prozedere. Er will künftig selbst Planung und Baukosten für jene Radwege übernehmen, die entlang seiner Kreisstraßen entstehen. Die jeweils betroffenen Gemeinden sollen im Gegenzug den dafür benötigten Grund unentgeltlich zur Verfügung stellen. Das wurde von den Kreisräten kürzlich beschlossen.

Bislang wurde der Radwegebau entlang der Kreisstraßen unterschiedlich gehandhabt: Verläuft der Radweg innerhalb eines Gemeindegebiets, dann waren bislang die Gemeinden für Grunderwerb, Planung und Bau zuständig. Verbindet der Radweg das Gebiet zweier Gemeinden, dann übernahm der Landkreis - allerdings nur, wenn die betroffene Gemeinde den Grund zur Verfügung stellte. Das habe dazu geführt, dass "die Radwege lückenhaft und auch teilweise zögerlich" gebaut worden seien, schreibt CSU-Kreisrat Johann Wörle in seinem Antrag. Die neue Regelung soll nun für Einheitlichkeit sorgen. Künftig sollen die Gemeinden den für den Radwegebau notwendigen Grunderwerb finanzieren und später die staatlichen Zuschüsse dafür bekommen. Für den Landkreis wird die neue Regelung teurer, weil er auch Planung und Bau innergemeindlicher Radwege übernehmen muss. Nur Radwege entlang von Gemeindeverbindungsstraßen bleiben weiterhin Sache der Gemeinden.

Derzeit werden die Kreisstraßen von fast 30 Kilometern Radweg flankiert. Ein neuer soll 2021 in Kombination mit einem Gehweg an der FFB 6 zwischen Grafrath und Moorenweis gebaut werden. Er soll etwa vier Kilometer lang werden, überwiegend auf Staatsforstgrund verlaufen, im Norden an der Abzweigung zur Staatsstraße 2054 (Moorenweis-Jesenwang), wo ebenfalls ein Radweg entstehen soll, beginnen und am Ortseingang von Grafrath an den vorhandenen Gehweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite andocken.

Um die bereits vorhandene Radinfrastruktur zu erhalten, können Bürger seit einiger Zeit auch kleine Mängel wie etwa umgefahrene Schilder, Schlaglöcher, Wurzeln oder andere Hindernisse auf den Wegen online melden. All das soll dazu beitragen, Schäden zu beheben und die Radwege zu optimieren. Der Mängelmelder ist Teil des Radwegekonzepts, das derzeit im Entstehen ist. Bei einer ersten Analyse war festgestellt worden, dass es nicht nur 400 Radwegekilometer im Landkreis gibt, sondern um die 700, wenn man auch kleine, verkehrsarme Straßen oder taugliche kleine Schotterwege miteinrechnet. Als Probleme wurden eine oft lückenhafte oder nicht einheitliche Beschilderung erkannt, eine nicht durchgängige Radwegeführung und zu wenige Fahrradabstellanlagen.

Entlang der Radwege sollen nun einheitliche Schilder aufgestellt werden - erkennbar an der grünen Schrift auf weißem Grund. Etwa 3000 Schilder sind bestellt. Wie Sebastian Klaß, Fahrradbeauftragter im Landratsamt, mitteilt, sollen die Schilder von Ende Oktober an von den gemeindlichen Bauhöfen angebracht werden. Ein weiterer Schwerpunkt des Radwegekonzepts sind die Freizeitradrouten, die in Zusammenarbeit mit ADFC, Bund Naturschutz (BN), Bürgerstiftung, den Nachbarlandkreisen und der Regierung von Oberbayern weiterentwickelt werden. Derzeit ist der Landkreis nur mit dem Ammer-Amper-Radweg, der mehr als 200 Kilometer von den Ammerquellen bei Oberammergau bis zur Mündung der Amper in die Isar bei Moosburg führt, im sogenannten "Bayernnetz für Radler" aufgenommen. Geplant ist nun, auch einige der sternförmig angelegten Routen von ADFC und BN aufnehmen zu lassen. Die bisherigen neun Rundtouren aus der Freizeit- und Fahrradkarte des Landkreises, die zu Kirchen und Kapellen im Westen, zur Furthmühle im Norden, zum Jexhof in den Süden oder zum Baden an den Wörthsee führen, sollen im Winter mit allen Beteiligten neu konzipiert werden.

Nach mehrfacher Ablehnung hatte der Kreistag Ende 2018 doch einer Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg zugestimmt, der vom Tulpenfeld beim Graf-Rasso-Gymnasium in Fürstenfeldbruck, über Emmering und entlang der S-4-Strecke bis zur Landkreisgrenze hinter Puchheim verlaufen soll. An diesem Donnerstag, 24. Oktober, ist dazu um 18 Uhr ein Workshop im Landratsamt geplant, bei dem Bürger ihre Ideen einbringen können. ADFC und Verkehrsforum in Fürstenfeldbruck unterstützen einen Radschnellweg, der Bund Naturschutz ist wegen des damit verbundenen Flächenverbrauchs eher skeptisch.