Fürstenfeldbruck Kostendruck auf Klinik steigt

Mitarbeiter und Besucher der Klinik unterstützen mit ihrer Anwesenheit die Kritik der Krankenhausleitung an der Politik.

(Foto: Günther Reger)

Vorstand und Ärztlicher Direktor erwarten von der Krankenhausreform eine Verschlechterung der finanziellen Lage

Von Gerhard Eisenkolb, Fürstenfeldbruck

Eine Krankenhausreform, die nur neue Finanzprobleme schafft und die bereits bestehenden nicht löst, sollte zu denken geben. Moritz Schwoerer, Ärztlicher Direktor der Kreisklinik, und Klinikvorstand Stefan Bauer haben am Mittwoch den gemeinsamen bundesweiten Aktionstag der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Gewerkschaft Verdi genutzt, um im Lichthof des Klinikums Fürstenfeldbruck öffentlich darauf hinzuweisen, welche fatalen Folgen die geplante Reform der Bundesregierung für ihr Haus hat. Laut Bauer sollte es Patienten und Bevölkerung aufrütteln, dass die Umsetzung des Gesetzentwurfes neue ungedeckte Finanzierungslücken in Millionenhöhe nach sich ziehen wird.

Was das bedeutet, erläuterte der Klinikvorstand am Beispiel der jährlichen Tarifsteigerungen der Mitarbeitergehälter. Nur in diesem Bereich schlagen sich die Folgen der Reform in einem weiteren Minus von 400 000 Euro pro Jahr nieder. Der Grund: Der bisher als Ausgleich gewährte Versorgungszuschlag fällt ganz weg. Nicht berücksichtigt ist bei dieser Berechnung, dass sich die Finanzierungslücke in dem 280-Betten-Haus in Fürstenfeldbruck infolge der Steigerung der Tarifgehälter seit dem Jahr 2006 auf insgesamt 4,6 Millionen Euro angewachsen sei.

Diese Mehrkosten können jedoch nicht durch Mehrleistungen des Personals gedeckt werden. Werden nämlich mehr Patienten behandelt, was Bauer und Schwoerer anstreben, soll es für solche zusätzlichen Leistungen erst einmal für die Dauer von fünf Jahre lang Abschläge bei den Erlösen geben. Auch das hält die Klinikleitung nicht für sachgerecht, weil ein solcher höherer medizinischer Aufwand auf Dauer nur mit der Einstellung von zusätzlichem Personal zu bewältigen ist. Für in diesem Jahr erbrachte Mehrleistungen rechnet Klinikleiter Bauer in den nächsten drei Jahren mit einem Abschlag von rund 600 000 Euro.

Dabei steht das Brucker Haus, dessen Träger der Landkreis ist, finanziell gesehen noch relativ gut da. So betrug im vergangenen Jahr das Defizit 400 000 Euro. Eigentlich wäre die Klinik finanziell kerngesund, würde das Land Bayern als Kostenträger, wie am Mittwoch gefordert, nur die Investitionen in voller Höhe erstatten. Die Bemühungen, bei der technischen Ausstattung auf dem Stand der Entwicklung zu bleiben, zieht in Fürstenfeldbruck nur ein weiteres Defizit nach sich: Die Klinik muss pro Jahr 500 000 bis 700 000 Euro erwirtschaften, um sich die Investitionen leisten zu können. So wies der Ärztliche Direktor auf den hohen Aufwand hin, der mit jeder Verbesserung der Qualität der Behandlung verbunden ist. Laut Schwoerer, dem Chefarzt der Frauenklinik, ist eine Steigerung der Qualität nur mit immer ausgefeilteren Methoden zu erreichen. Diese sogenannte personalisierte Medizin ziehe einen hohen technischen und Betreuungsaufwand nach sich, der refinanziert werden müsse. "Geschieht das nicht, kann eine gute medizinische Versorgung nicht auf Dauer angeboten werden", stellte der Ärztliche Klinikdirektor fest. Die mangelnde Investitionsförderung ist laut Klinikleitung das Hauptproblem der Krankenhäuser.

Die Kreisklinik muss nicht nur neue Finanzlöcher stopfen, sondern sie steht schon seit langem unter einem hohen Kostendruck, was die Patienten spüren, weil Pflegekräfte und Mediziner kaum Zeit für ihre Anliegen haben. Als "hoffnungslos unterfinanziert" gilt in Fürstenfeldbruck zum Beispiel die Notfall-Ambulanz. Hier werden jährlich rund 12 000 Patienten versorgt - in etwa jeder zweite Notfall im Kreis. Für jeden Notfall werden 32 Euro erstattet. Die tatsächlichen Kosten je Fall bezifferte Bauer mit 120 Euro. Das heißt, jeder Patient, der in der Ambulanz vorspricht, wird mit 88 Euro subventioniert. Allein das daraus resultierende Minus summiert sich in einem Jahr auf 1,07 Millionen Euro, was in etwa zwei Prozent des gesamten Jahresetats entspricht.

Bauer wies auch auf positive Effekte der "Reform nach Kassenlage" hin. So rechnet der Vorstand mit mehr Geld für Pflegepersonal, das für drei bis vier Stellen reiche. Man verkaufe eben Wohltaten, um anderswo zu streichen, sagte Bauer.