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Fürstenfeldbruck:Kein Gast, nirgends

Viktoria Eberl-Stefan (links) und ihre Schwester Christine Hattensperger warten auf Gäste für ihr Hotel Eberl in Hattenhofen.

(Foto: Günther Reger)

Seit der Landkreis ein Corona-Hotspot ist, haben es die Hoteliers besonders schwer

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

Der Landkreis als Corona-Hotspot, und dazu das Beherbergungsverbot - die Hotelbesitzer im Landkreis leiden unter den Auswirkungen der Pandemie. "Diese Woche ist es fürchterlich", sagt Viktoria Eberl-Stefan, die in Hattenhofen das Hotel Eberl führt. Dabei lief das Geschäft im Sommer ganz gut. "Wir haben uns nicht beklagen können. In den Sommermonaten haben wir Glück gehabt", sagt Eberl-Stefan. Doch mit den steigenden Infektionszahlen sind die Gästezahlen eingebrochen. Im Hotel Eberl steigen überwiegend Geschäftsreisende ab.

Das Hotel Lichtblick in Alling ist besonders betroffen. "Wir sind leer, es kommt keiner", sagt Inhaberin Petra Schultes. Nur ganz selten würden einzelne Gäste übernachten. Die meisten sagen auch in Alling ab, weil es im Corona-Hotspot-Landkreis liegt. Schultes kann das gut nachvollziehen. Denn das "Lichtblick" hat sich auf Reisende mit Behinderung spezialisiert. Es wurde erst 2012 erbaut, ist ein zertifiziertes barrierefreies Hotel mit 52 Betten in 22 Zimmern, verfügt aber auch über Tagungsräume. In der Zielgruppe, darunter Familien mit einem beeinträchtigen Familienmitglied, gehören viele zu Risikogruppen. Sie verreisen momentan gar nicht. "Die trauen sich nicht", sagt Schultes, und dafür habe sie vollstes Verständnis. Deshalb hätten sie "alles ohne Stornogebühren storniert". Aber auch Geschäftsreisende bleiben aus. Zum Beherbergungsverbot sagt sie: "Es ist katastrophal, dass es uns nochmal ereilt." Im August habe sie noch geglaubt, es werde nicht so schlimm.

In Hattenhofen klingelt nun oft das Telefon. "Die Leute rufen an und haben Angst, weil wir ein Hotspot sind," berichtet Eberl-Stefan. Die Gäste wollten auch wissen, ob sie nach einem Aufenthalt im Landkreis daheim in Quarantäne müssen. Eberl-Stefan kann ihnen diese Frage nicht beantworten, sie weiß es selber nicht. Das ist eines der Probleme: der Informationsfluss. Eberl-Stefan würde ihre Gäste gerne genau informieren, aber wegen der vielen unterschiedlichen Regeln und Aussagen sei das extrem schwierig, sagt sie.

Der Fürstenfeldbrucker Gastronom Gerhard Kohlfürst beklagt den "Urwald" an Vorschriften. Er führt mit seiner Frau Ursula den Familienbetrieb "Fürstenfelder" mit einem Restaurant mit Biergarten und Veranstaltungsgastronomie sowie einem Vier-Sterne-Hotel. "Es sind so viele Maßnahmen, dass wir wahnsinnig werden." Ständig gebe es neue Vorschriften, "man muss sich durch Texte wie die Allgemeinverfügungen des Landratsamts lesen, das versteht keiner." Kohlfürst hält das "Klein-Klein" für sinnlos und fürchtet überdies, dass die Bevölkerung bald nicht mehr mitziehen werde. "Es ist nachvollziehbar, dass wir Maßnahmen ergreifen müssen." Er stelle sich aber die Frage, ob wirklich alle sinnvoll seien. "Meiner Meinung nach gehen sie zu weit." Zudem wünscht sich ein einheitliches Vorgehen der Bundesländer. "Bei diesem Thema funktioniert der Föderalismus nicht." Der Gastronom und Hotelier vermutete schon, als es erlassen wurde, dass das Beherbergungsverbot in Bayern schnell wieder gekippt würde, und so ist es ja auch gekommen.

Das Verbot untersagte Hotels und Pensionen, Zimmer an Menschen zu vermieten, die aus Corona-Hotspots kamen, wenn sie nicht einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen konnten. Es war immer höchst umstritten, auch in der Politik, einzelne Bundesländer hatten es nie umgesetzt oder bereits wieder abgeschafft. Beim Hotel Eberl führte es dazu, dass die Geschäftsreisenden gar nicht erst anreisten, weil sie in der kurzen Zeit keinen schnellen Test bekommen konnten.

"Man ist der Verzweiflung nahe", beschreibt Kohlfürst seine Gemütsverfassung. Das "Fürstenfelder" stehe praktisch seit einem halben Jahr leer. Auch die Absagen von Messen und des Münchner Oktoberfests hätten sein Hotel getroffen. Die typische Tagungen, bei denen nachmittags die Teilnehmer zusammen auf die Wiesn gehen, fanden heuer eben nicht statt.

"Durchhalten werden wir schon, wir müssen halt den Gürtel enger schnallen und die Kosten im Auge behalten", sagt Eberl-Stefan. Kohlfürst verweist auf junge Gastronomen, die erst vor kurzem eröffnet hätten - für die sei es schwer, denn sie müssten ohnehin kämpfen, Corona komme noch dazu. Schultes vom "Lichtblick" hat wenig Hoffnung, dass es schnell wieder besser wird - "jetzt, wo das Virus zurückkommt". Man dürfe aber nicht jammern, sagt sie. "Schließlich hat jeder das gleiche Problem."

© SZ vom 17.10.2020

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