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Fürstenfeldbruck:Im Geiste der Dichter

Kromann

Herbert Kromann wurde am 9. Oktober 1930 in Düsseldorf geboren, studierte Theaterwissenschaft in Köln und München.

(Foto: Günther Reger)

Schauspieler Herbert Kromann gestorben

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Herbert Kromann, Schauspieler und Dramaturg, war vor allem ein begnadeter Rezitator. In Weimar waren seine Vortragskünste genauso gefragt, wie in Rom und Paris. Vor 20 Jahren hatte es den gebürtigen Düsseldorfer nach Fürstenfeldbruck gezogen. Schnell haben sich seine Vorträge im Haus 10 und dem Museum zum Publikumsmagneten entwickelt: Wenn Kromann Heine, Tucholsky, Kraus, Brecht, Kästner oder Goethe las, da wollte man einfach dabei sein. Hören, wie er die Texte dieser großen deutschen Schriftsteller mit Leben füllte, mit Verve und Feingefühl, kultiviert, emphatisch, nobel, aufregend.

Aber Kromann ging es dabei nie nur um die Schönheit der Texte, sondern auch darum, seinen Hörern klar zu machen, was die Schriftsteller zu sagen haben. Denn Kromann war ein politischer Mensch, ganz auf einer Linie mit den Autoren, die er so oft las. Und so verwundert es nicht, dass er eine Veranstaltung im März 2000 kritisch der deutschen Geschichte widmete. Kaiser Wilhelm II. wurde da zerlegt, angegriffen mit Worten von Tucholsky und Heine. "Was nach meinem Tod aus Deutschland wird, ist mir ziemlich gleichgültig", ließ Kromann den Kaiser da sagen - weiter auseinander können Worte und Vortragender nicht liegen. Viel näher könnten Kromann da die Worte seines Lieblingsdichters Heine sein. "Das Leben ist eine Krankheit, die ganze Welt ein Lazarett, und der Tod ist unser Arzt." Am vergangenen Mittwoch ist Herbert Kromann im Alter von 86 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in Fürstenfeldbruck verstorben.

© SZ vom 15.11.2016
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