Fürstenfeldbruck Hotel wird Obdachlosenunterkunft

Der Betreiber des Gasthofs am Rande des Brucker Gewerbegebiets Hasenheide setzt sich aus gesundheitlichen Gründen zur Ruhe.

(Foto: Günther Reger)

Die Stadt kauft den Gasthof Hasenheide, um sich künftig die Unterbringung in auswärtigen Pensionen zu sparen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Stadt hat den Gasthof Hasenheide aufgekauft. In dem Gebäude im Norden der Stadt, das im Hotelbereich über 59 Zimmer verfügt, sollen nach der brandschutztechnischen Nachrüstung voraussichtlich von März an Obdachlose untergebracht werden. Gastwirt Albert Peschke, 69, setzt sich aus gesundheitlichen Gründen zur Ruhe und wird die Räume bis zum 1. November freimachen. Offen ist, ob die im Keller des Gasthofs untergebrachten Kegelbahnen weiter genutzt werden können. Peschke hatte das Haus mehrere Monate vergeblich zum Kauf angeboten, bevor die Stadt Interesse anmeldete. Über den Kaufpreis ist bisher nichts bekannt.

Der Gasthof mit der Adresse Hasenheide 1 liegt zwischen dem Kreisverkehr der Staatsstraße 2054 und einem Schnellrestaurant, die Zimmer sind mit bis zu vier Betten ausgestattet und über mehrere Eingänge erreichbar. Für die Stadt ist die Lage am Rande des Gewerbegebiets und der Hotelcharakter auch deshalb sinnvoll, weil die Unterbringung wohnungsloser Menschen möglichst nur übergangsweise erfolgen soll. Der auf einem städtischen Grundstück angedachte Neubau einer Obdachlosenunterkunft für bis zu 80 Menschen ist damit zumindest vorerst vom Tisch.

OB Erich Raff (CSU) bestätigte die Vertragsunterzeichnung am Donnerstag. Oberstes Ziel der Stadt ist es, alle teils in Hotels und Pensionen jenseits der Stadtgrenze untergebrachten Obdachlosen kostengünstig zu beherbergen. Zurzeit sind 108 Wohnsitzlose bei der Stadt gemeldet, die von der Kommune unterzubringen sind. Vor allem das sogenannte Hotel am Horst an der Maisacher Straße steht der Stadt bislang als Unterkunft für etwa 20 wohnungslose Menschen zur Verfügung, hinzu kommen mehre teils angemietete Wohnungen im Stadtgebiet. Vor einem Jahr hatte Bruck Zahlen vorgelegt, denen zufolge sie in den auswärtigen Pensionen in einem Extremfall pro Person und Monat 1863 Euro gezahlt worden waren - mehr als zehn Mal so viel wie in eigenen, gleichwohl spartanisch ausgestatteten Räumen an der Lände. Berechnungen der SZ ergaben, dass sich die Unterbringungen jährlich auf etwa 780 000 Euro summieren. Im zuständigen Fachausschuss war die Hoffnung geäußert worden, diese Summe mit Hilfe eigener Einrichtungen zu halbieren.

Offen ist, ob die Stadt irgendwann die Menschen unterbringen muss, die zurzeit noch in der Flüchtlingsunterkunft am Fliegerhorst leben, das Asylverfahren aber mit einem positiven Bescheid bereits abgeschlossen haben. Solche "Fehlbeleger" müssten eigentlich ausziehen und sich selbst eine Wohnung suchen. Gelingt ihnen dies nicht, müsste in letzter Konsequenz die Kommune einspringen. Die Stadt hat mit der für die Asyl-Erstaufnahmestelle am Fliegerhorst zuständigen Regierung von Oberbayern bislang die Duldung der zurzeit 43 Fehlbeleger in der Flüchtlingsunterkunft ausgehandelt. Es gibt aber keine Garantie dafür, dass diese Duldung unbefristet Bestand hätte, falls die Flüchtlingszahlen bundesweit wieder stark ansteigen sollten. Im Stadtrat sind bereits Forderungen laut geworden, zuletzt durch Walter Schwarz (SPD), die Regierung möge die Fehlbeleger doch auf ganz Oberbayern verteilen. Mit Spannung erwartet Doreen Höltl, die bei der Stadt für die Unterbringung der Wohnungslosen zuständig ist, auch die Entscheidung über mögliche Familiennachzüge, die in Berlin getroffen werden muss.

Der soziale Wohnungsbau ist für die befristete Unterbringung von Wohnungslosen nur sehr bedingt eine Alternative. Auch deshalb, weil es sich private Immobilienbesitzer leisten können, wählerisch zu sein. Die Erfahrung zeigt, dass Obdachlose nur selten zum Zug kommen. Wohnungslosen Menschen oder solchen mit geringem Einkommen kann die Stadt am besten helfen, indem sie sie in eigenen Häusern unterbringt. Oftmals rechnet sich das auch durch öffentliche Zuschüsse und die Erstattung der Mietdifferenz durch den Landkreis beziehungsweise den Freistaat. Diese Erkenntnis hat sich im Stadtrat bei einer Mehrheit durchgesetzt. Auch Oberbürgermeister Erich Raff hat mit Blick auf den in den zurückliegenden Jahren recht stiefmütterlich behandelten Neubaubereich mehrmals betont, wie "wichtig" es sei, "den sozialen Wohnungsbau voranzutreiben". Denn der Trend ist klar: Die Zahl der Sozialwohnungen, die in den Fünfzigerjahren noch bei mehr als 2000 gelegen hatte, sank bis 2006 auf 920 und bis 2013 sogar auf 599. Jüngst wurden immerhin zwölf Wohnungen an der Parsevalstraße fertiggestellt und an Personen und Familien vergeben, die gewisse Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Und im Frühjahr wird mit dem Bau weiterer 30 Wohnungen am Sulzbogen begonnen.