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Fürstenfeldbruck:Höchstleistung im Denksport

150 Teilnehmer sind bei den "Brain Games" in der Fürstenfeldbrucker Marthabräuhalle im Wettstreit um den Sieg.

(Foto: Günther Reger)

Maximilian Berchtenbreiter gewinnt Schnellschachturnier

Von Karl-Wilhelm Götte, Fürstenfeldbruck

Das Corona-Virus tangierte auch das Schnellschach-Turnier - die Brain Games - in der Brucker Marthabräuhalle. "Das hat uns sicherlich 50 Teilnehmer gekostet", so Sponsor Thomas Hirn. "Viele Schachspieler sind kurzfristig weggeblieben." Auch der Gröbenzeller Zugspitzmeister Walid Shahin tauchte nicht auf. Trotzdem waren 150 Denksportler aus der ganzen Republik angereist, um sechs Stunden lang um die 3000 Euro Preisgeld zu spielen. Auch diesmal hatten die Großmeister der Zunft das Nachsehen. Den 600 Euro-Sieger-Scheck sicherte sich Maximilian Berchtenbreiter vom Münchener SC.

Der 25-jährige Blitz- und Schnellschachspezialist wird als Internationaler Meister geführt und gab sich in den neun Runden keine Blöße. Sechsmal siegte Berchtenbreiter, dreimal spielte er Remis. Das schaffte auch Großmeister Vladimir Burmakin, der jedoch in der Zweitwertung bei Punktgleichheit den Kürzeren zog. Dritter wurde der Serbe Dejan Pikula. Der langjährige Turnierleiter Stanley Yin vom TuS Fürstenfeldbruck war sehr stolz: "Wir haben Teilnehmer aus 16 Nationen." Die kamen aus Indien oder aus Weißrussland wie Marharyta Khrapko. Die 21-jährige Informatik-Studentin sorgte anfangs für Furore, als sie nach vier Runden mit drei Siegen und einem Remis allein unter Männern ganz weit vorne stand. Dazu muss man wissen, dass Schach in der internationalen Spitze eine absolute Männerdomäne ist. Warum Frauen schlechter Schach spielen als Männer, ist noch nicht endgültig erforscht, aber die Turnierergebnisse sprechen bis heute dafür. Vielleicht liegt es daran, dass Frauen eher das Risiko scheuen. "Ich habe mich nicht getraut, gewinnen zu wollen", sagte dann auch Khrako, die an der TU München studiert. Sie konnte den Vorteil der weißen Figuren nicht nutzen und spielte in der vierten Runde per Zugwiederholung Remis. "Der Gegner hatte auch mehr Erfahrung als ich", fügte sie hinzu. Khrapko spielt für den kleinen Münchner Schachverein SC Roter Turm Altstadt. Am Ende belegte sie als beste Frau Platz 21.

Die lokalen Hobbyspieler kommen gerne, weil sie gegen die hochkarätigen Gegner einerseits sehr motiviert sind, aber auch in kompakter Form viel lernen können. So sah es auch der Germeringer Lorenz Gauchel, 19, der gerade mit Schwarz in der dritten Runde verloren hatte. Er schlug sich mit fünf Siegen und vier Niederlagen achtbar und war auf Rang 47 bester Landkreisakteur. Schachsenior Klaus Kretschel, 71, vom TuS Fürstenfeldbruck startete zunächst mit zwei Siegen, doch dann riss die Erfolgsserie. "Mir sind grobe Fehler unterlaufen", meinte Kretschel. Zwei Siege kamen bei ihm noch hinzu und Platz 87 war am Ende ein passabler Mittelfeldrang. Besser schnitten noch die Brucker Tim Hashagen (61.) und Stefan Waller (71.) ab. TuS-Spielerin Dorit Huber, 53, hatte nach vier Runden erst ein Erfolgserlebnis gehabt. "Das ist okay für mich", meinte sie trotzdem. "Die ersten Gegner waren zu stark." Huber spielt übrigens gerne mit Schwarz, weil sie dann nicht das Spiel eröffnen muss. Sie könne reagieren und "stabil ziehen", wie sie sagte. Sie ließ sich auch nach Niederlagen nicht entmutigen und verbuchte in der Endabrechnung zwei Siege und zwei Unentschieden. Auf Platz 124 rangierte sie immerhin noch vor 23 Männern.

© SZ vom 03.03.2020
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