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Fürstenfeldbruck:Grünfläche soll zu Parkplatz werden

CSU-Stadtrat Georg Jakobs kritisiert Neubaupauprojekt in der Kreisstadt. Er will Investoren und Flächenversiegelung Grenzen setzen und fordert eine Tiefgarage

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Der Altbaubestand an der Wernher-von-Braun-Straße wird wohl abgerissen. Bäume werden gefällt.

(Foto: privat)

Die Kreisstadt will fahrradfreundlicher werden und hat sich zu mehr Klimaschutz verpflichtet. Wie passt da ein großes Neubauprojekt ins Bild, dem Altbauten und viele Bäume zum Opfer fallen sollen und bei dem ein großes Grundstück auch noch durch viele oberirdische Autostellplätze versiegelt wird? Das fragt sich CSU-Stadtrat Georg Jakobs. Er hat die Frage für sich schon beantwortet: Nichts gegen eine maßvolle Verdichtung, aber das ist zu viel. Deshalb hat er sich dafür eingesetzt, dass die Sache an diesem Mittwoch im Bauausschuss entgegen der ursprünglichen Planung doch noch auf den Tisch kommt. Stadtbaurat Johannes Dachsel dämpft aber mit Hinweis auf die Rechtslage allzu große Hoffnungen, hier noch Grundsätzliches ändern zu können.

Bruck: Konstituierende Stadtratssitzung / Stadtrat / RATHAUS

Georg Jakobs beobachtet das Vorhaben kritisch.

(Foto: Johannes Simon)

Das liegt vor allem daran, dass der gültige Bebauungsplan für das Areal an der Wernher-von-Braun- sowie Landsberger Straße genügend Spielraum lässt - vielleicht auch deshalb, weil er aus dem Jahr 1974 stammt. Darauf basierend wurde Anfang 2019 ein Vorbescheid "für die Errichtung von elf Einfamilienhäusern mit sechs Garagen, fünf Carports und elf oberirdischen Stellplätzen genehmigt", heißt es dazu in der Sitzungsvorlage der Verwaltung. Dem Bauherren stellte die Stadt die Genehmigung für eine geringfügige Überschreitung der Baugrenzen in Aussicht, so lange dabei Abstandsflächen eingehalten werden. Im Oktober beantragte das Wohnbauunternehmen Baustolz dann eine Erweiterung auf 13 Reihenhäuser (je zweigeschossig plus Dachgeschoss) nebst sieben Carports und 19 oberirdischen Stellplätzen. Die Carports sowie sechs der Stellplätze sollen zwischen den Häusern im Zentrum des Grundstücks angelegt werden - dort, wo es bislang eine große Grünfläche gibt. Der Homepage des Unternehmens zufolge soll das Wohnquartier 2022 fertigge- stellt werden und zu Preisen ab 685 000 Euro pro Reihenhaus vermarktet werden.

Jakobs würde bei dem Großprojekt in dem "gewachsenen Ortsteil" gerne noch nachjustieren, er sieht die Politik in der Verantwortung - auch wenn er nicht daran glaubt, dass sich der Abriss der Villa der Familie Sommer und der anderen Altbauten noch vermeiden lässt. Zumindest solle man versuchen, das Maß der Versiegelung zu reduzieren. Jakobs schlägt alternativ den Bau einer Tiefgarage vor. Seinem Geschmack zufolge hatten die Stadträte zu wenig Gelegenheit zur Mitsprache. Dabei sei doch zu berücksichtigen, dass durch mehr Bebauung auch die Verkehrsbelastung steigt sowie der Bedarf für Kitas und Schulen. Und es müsse die Frage erlaubt sein, ob man eine Gewinnmaximierung zulassen wolle, mit deren Folgen sich dann die Stadt auseinandersetzten müsse.

Bauordnung

Die Bayerische Bauordnung (BayBO) regelt, wie Grundstücke bebaut werden dürfen sowie die Brandschutzanforderungen für Baustoffe. Am 1. Februar tritt eine Novelle in Kraft, die Bauvorhaben beschleunigen soll. Wichtige Punkte: Es müssen geringere Abstände zur Nachbarbebauung eingehalten werden; wird ein Antrag innerhalb dreier Monate nicht bearbeitet, gilt er als genehmigt; Holz als Baustoff darf in allen Gebäudeklassen verwendet werden; die Stellplatzpflicht kann von Kommunen flexibler geregelt werden; Dachgeschosse können ohne Genehmigung ausgebaut werden und auf Aufzüge kann unter gewissen Umständen verzichtet werden. slg

Jakobs verweist auf Maisach, das seiner Überzeugung zufolge bei der Stellplatzfrage "fixer ist". Per Bebauungsplan für die Südseite des Gernlindener Zentrums legt dort fest, dass bei einem Neubau von fünf Wohneinheiten an die Fahrzeuge in einer Tiefgarage abgestellt werden müssen.

Brucks Stadtbaurat Johannes Dachsel kann den Unmut zwar nachvollziehen. Eine rechtliche Grundlage für eine Intervention durch die Stadt sieht er aber kaum. Das Vorhaben sei im Einklang mit dem Baurecht. Auch in punkto Tiefgarage habe man "keine Handhabe", wenn man nicht schadenersatzpflichtig werden wolle.

Das freilich kann und soll sich zumindest bei künftigen Projekten ändern. Dachsel will eine Grundsatzdiskussion anstoßen, bei der es auch um Grenzen der Verdichtung oder die städtische Stellplatzsatzung gehen könnte.

© SZ vom 20.01.2021
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