Fürstenfeldbruck Gegen das Verdrängen und Vergessen

Versöhnung und Frieden seien keine Selbstverständlichkeit, betont OB Erich Raff bei der Volkstrauertag-Gedenkveranstaltung an der Leonhardikirche.

(Foto: Günther Reger)

Bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag erinnert Rednerin Birgitta Klemenz an den Wert der Erinnerung

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Die Tage des Gedenkens häufen sich im November: Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag, zählt Birgitta Klemenz auf und fügt verwelkende Natur" und "Novemberblues" noch hinzu sowie die Frage, ob diese Form der Trauer denn nur Platz habe, wenn sie institutionalisiert sei, und ob sie überhaupt Konsequenzen habe im alltäglichen Leben? Ein Gedenktag wie der Volkstrauertag am Sonntag rufe deshalb ins Bewusstsein, was sonst verloren gehe: innehalten, nachdenken, die Erinnerung wachhalten und sich ihr aussetzen. Die Erinnerung "trägt dazu bei, dass manches nicht noch einmal geschieht und sie erklärt sich solidarisch, dass nicht vergessen wird", sagt die CSU-Stadträtin und Kulturreferentin bei ihrer Gedenkrede vor der Leonhardikirche. Denn "Vergessen und Verdrängen ist so schlimm wie der Tod selbst".

Alljährlich wird am Volkstrauertag der Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege, alle Opfer von Krieg und Gewalt, von Terrorismus und politischer Verfolgung gedacht. Im Anschluss an einen vom katholischen Militärdekan Alfons Hutter und dem evangelischen Militärpfarrer Heiko Schulz gestalteten ökumenischem Gottesdienst in der Leonhardikirche kommen Vertreter und Fahnenabordnungen von Vereinen, Bundeswehr und Volksbund, Stadträte mit Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) an der Spitze, Landratsstellvertreterin Martina Drechsler (CSU) und Brucker Bürger zu einer Gedenkfeier am Platz vor der Kirche zusammen und legen Kränze am Gedenkstein vor der Kirche nieder. Zwei Sitzreihen mit 20 Stühlen wurden eigens dafür aufgestellt, die meisten Besucher bevorzugen bei kalten Temperaturen aber einen Platz an der Sonne.

Versöhnung und Frieden seien keine Selbstverständlichkeit, betont OB Erich Raff. Frieden, Demokratie und Menschenrechte gelte es zu bewahren: "Diese Verpflichtung müssen wir annehmen." Birgitta Klemenz nennt es notwendig, auch die jüngste Vergangenheit" und die "Opfer von Gewalt, Hass, Terror, Krieg unserer Tage" einzubeziehen. Sie erinnert in ihrer Rede nicht nur an den Ersten Weltkrieg, der vor genau 100 Jahren zu Ende ging, sondern auch daran, dass "vor 80 Jahren Erniedrigung und Entrechtung überging in die geplante Vernichtung - vor den Augen der Welt". Klemenz betont eigens, dass die "unvorstellbare Grausamkeit" des Zweiten Weltkriegs "von unserem Land ausging". Die dunklen Seiten zu verdrängen, sei gefährlich. Wer heute sage, das sei vor seiner Zeit gewesen, verkenne, dass dies Teil einer Geschichte aller ist, "die es nur als Ganzes gibt".