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Fürstenfeldbruck:"Es ist wichtig, sich vom Perfektionismus zu verabschieden"

Power M

Gabi Hartisch vom Projekt "Power M".

(Foto: Janine Stengel-Lewis/Power M/oh)

Gabi Hartisch berät Frauen, die ihren Beruf wieder aufnehmen wollen. Dabei müssen sie auch ihr Umfeld neu ausrichten

Frauen nach längerer Familienpause wieder fit zu machen für den Arbeitsmarkt, dabei helfen Einrichtungen wie das Münchner Projekt "Power M - Perspektive Wiedereinstieg". Knapp 5000 Frauen haben in den vergangenen zehn Jahren dort Kurse wie Kompetenztraining, IT-Schulungen und Bewerbungstraining besucht. Daneben gibt es verschiedene Workshops zu Arbeitszeitgestaltung und Gehaltsverhandlungen sowie Kontakte zu Arbeitgebern. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmelden können sich Bewerberinnen aus der ganzen Region rund um München. Gabi Hartisch berät dort Frauen. Der SZ erläutert sie, wie das funktioniert.

SZ: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist derzeit gut. Profitieren davon auch Frauen, die wegen Familie und Kindern über eine längere Zeit zu Hause geblieben sind?

Gabi Hartisch: Absolut. Jede Wiedereinsteigerin hat aktuell gute Chancen, einen Job zu finden, insbesondere wenn sie gute Qualifikationen mitbringt. Bei "Power M" haben fast alle Frauen eine Berufsausbildung, davon rund 70 Prozent einen Hochschulabschluss. Selbst bei einer längeren Familienphase - bei uns sind es im Durchschnitt sieben Jahre - gelingt die Rückkehr, denn Fachkräfte werden in vielen Bereichen händeringend gesucht.

Warum brauchen denn Frauen überhaupt Hilfe beim beruflichen Wiedereinstieg?

Viele Frauen sind unsicher, ob ihre Kenntnisse und ihr Wissen noch gefragt sind, und nehmen dann schnell eine Stelle, zum Beispiel im Minijob, an, die unter ihrem Qualifikationsniveau liegt. Deshalb gibt es das bundesweite Aktionsprogramm "Perspektive Wiedereinstieg". Unser Ziel ist, dass die Frauen auch nach der Familienphase einen Job finden, der ihren Qualifikationen entspricht und eine nachhaltige Perspektive hat.

Wie unterstützen Sie die Frauen?

Unterstützung kann viel bewirken: das berufliche Selbstvertrauen stärken und zeitgemäßes Bewerbungs-Know-how vermitteln. Die Stärke von "Power M" ist der maßgeschneiderte Ansatz mit einem individuellen Plan für jede Wiedereinsteigerin. Sie kann Workshops zur Kompetenzerfassung und Orientierung besuchen, IT-Kurse und ein Bewerbungstraining. Im Bewerbungsprozess wird sie von einer erfahrenen Beraterin begleitet. Darüber hinaus pflegen wir gute Kontakte zu rund 500 Arbeitgebern, die bei uns vakante Stellen veröffentlichen. Und das dank der Förderung durch das Bundesfamilienministerium, die EU und Stadt München alles kostenlos.

Wie ist die Erfolgsquote? Erhalten Sie ein Feedback von den Teilnehmerinnen?

Wir bleiben mit allen Teilnehmerinnen in Kontakt: Rund zwei Drittel erreichen ihr Wiedereinstiegsziel innerhalb eines Jahres, das ist ein schöner Erfolg.

Welche Kompetenzen bringen die Frauen aus der Familienzeit mit in den Beruf?

In der Familienphase übernehmen viele Frauen ehrenamtliche Aufgaben und entwickeln ihre Kompetenzen weiter. Und jede Mutter kennt das: Flexibilität, Belastbarkeit, Kommunikationsfähigkeit, Team- und Konfliktfähigkeit und so weiter. Auch Arbeitgeber schätzen an Wiedereinsteigerinnen die Organisationsstärke und Fähigkeit zur Priorisierung.

Betroffene Frauen berichten, dass sie an Selbstbewusstsein verloren haben während der Familienzeit und dass sie unsicher geworden sind. Was raten Sie Frauen in solchen Situationen?

Frauen, die bei uns teilgenommen haben, berichten durch die Bank, dass sie sich nicht nur kompetent beraten fühlten, sondern dass auch der Austausch mit anderen Wiedereinsteigerinnen sehr wertvoll ist. Festzustellen, dass es anderen ähnlich geht, dass man nicht allein ist mit seinen Bedenken. Letzten Endes baut man dort auch ein tragfähiges Netzwerk auf, das im weiteren Berufsleben nützlich sein kann, wenn es um berufliche Veränderung geht.

Häufig haben sich Frauen in der Familienphase ausschließlich um den Haushalt gekümmert. Worauf müssen sie achten, wenn sie zusätzlich wieder einem Beruf nachgehen?

Wenn eine Mutter beruflich wieder einsteigt, betrifft das das gesamte Familiensystem, das heißt, alle sollten eingebunden werden. Wer kann noch unterstützen bei der Kinderbetreuung, etwa Großeltern, Leih-Omas? Was kann der Partner übernehmen? Zum Beispiel das Kind morgens in die Kita bringen. Manchmal ist es wichtig, sich vom Perfektionismus zu verabschieden, es muss nicht jeden Tag nach "Schöner Wohnen" aussehen. Und wir raten immer, dass die Frauen auf sich achten, Pausen beziehungsweise kleine Auszeiten für sich einplanen.