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Fürstenfeldbruck:"Es hat keine vergleichbaren Entwicklungen gegeben"

Sparkassenchef Peter Harwalik erläutert im SZ-Interview die Regeln für die Vergabe von Darlehen in Pandemie-Zeiten

Wie nie zuvor nimmt der Staat in der Corona-Krise Geld in die Hand und gibt es in Form von Soforthilfen und Krediten an die Wirtschaft. Ausgezahlt werden beantragte Darlehen bei den Hausbanken der Firmen, die Banken und Sparkassen wiederum bekommen das Geld von den Förderbanken des Bundes (KfW) und des Landes (LfA). Als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Fürstenfeldbruck und Kenner der Betriebe im Landkreis erklärt Vorstandsvorsitzender Peter Harwalik, wie die Kreditvergabe abläuft.

SZ: Viele Firmen im Landkreis benötigen besser gestern als heute finanzielle Hilfe, um die Corona-Krise überstehen zu können. Wie groß ist die Kreditsumme, die Sie bislang ausgereicht haben?

Peter Harwalik: Der Informationsbedarf unserer Firmen- und Geschäftskunden zu den KfW- und LfA-Krediten ist hoch. Jedoch warten teilweise die Firmen noch mit der konkreten Beantragung der Kredite. Auch sie fahren auf Sicht. Bisher haben wir rund 570 Anträge zu Fördermitteln der LfA und KfW, Sparkassenmittel und Tilgungsaussetzungen mit einem Gesamtvolumen von circa elf Millionen Euro im Zusammenhang mit der Corona-Krise bewilligt.

Was hilft noch in einer akuten Krise?

Insbesondere Tilgungsaussetzungen sind ein probater Hebel, um die Liquiditätssituation der Firmen zu entlasten. Wir haben circa 300 Tilgungsaussetzungen bisher zugesagt. Die Tilgungsaussetzungen betragen dabei meist zwischen drei und sechs Monaten.

Seit Mittwoch vergangener Woche ergänzt ein weiterer Sofortkredit der KfW das bestehende Angebot an Corona-Krediten. Dafür werden laut KfW keine Sicherheiten mehr verlangt, sondern nur eine Schufa-Auskunft. So leicht war es offenbar noch nie, an solche Kredite zu kommen, oder?

Der KfW-Schnellkredit mit einer Kredithöhe von maximal 800 000 Euro wird gute Dienste im Bereich der kleinen und mittelgroßen Firmen leisten. Er wird mit einem vereinfachten Antragsverfahren voraussichtlich ab dem 22. April zur Verfügung stehen.

Welches Risiko trägt die Sparkasse diesmal bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit ihrer Kunden? Woher können Sie wissen, ob der jahrelange solvente Großbetrieb nicht in den nächsten Tagen oder Wochen aufgeben muss?

Die Sparkasse Fürstenfeldbruck ist als Marktführer seit jeher dem Mittelstand in besonderer Weise verbunden. Dies zeigen auch die Zahlen des Jahres 2019, in dem wir 388 Millionen Euro als neue Mittelstandsfinanzierungen zugesagt haben. Eine Garantie für den nachhaltigen Fortbestand einzelner Firmen nach der Krise haben wir natürlich nicht. Auf Basis der Bilanzzahlen des Unternehmens, der Gespräche mit dem Unternehmer, vorliegender Planungen und sowie unter Einbeziehung von Branchenanalysen treffen wir eine Zukunftsprognose und Einschätzung zur weiteren Entwicklung des Unternehmens. Die besondere Herausforderung in der aktuellen Situation besteht allerdings darin, dass es bisher in der Vergangenheit keine vergleichbaren Entwicklungen gegeben hat. Auch die Situation in der Finanzmarktkrise ist mit der heutigen Entwicklung in keiner Weise vergleichbar.

Bekommt jetzt jeder einen Kredit?

In der jetzigen Krise ist die Sparkasse - wie auch in der Finanzmarktkrise 2008 - wieder ein belastbarer und berechenbarer Partner des Mittelstands. Aber natürlich können wir nicht jeder Firma Kredit geben. Wir haben die bankübliche Sorgfalt walten zu lassen. Besonders für Betriebe mit Strukturproblemen oder einem nicht tragfähigen Geschäftsmodell ist eine Kreditvergabe nicht möglich.

Während die Soforthilfe für Unternehmen direkt beim Staat beantragt werden kann, wickeln die Banken und Sparkassen die Hilfsprogramme der LfA und der KfW ab. Wie viel Mehraufwand haben Sie derzeit, wie organisieren Sie das in Ihrem Hause? Wie viel Arbeit wird im Home Office erledigt und wie geht es den Mitarbeitern damit?

Um die erwartete Antragswelle an LfA- und KfW-Krediten zu bewältigen, haben wir unsere Personalkapazitäten im Firmenkunden- und Kreditbereich durch hausinterne Umstrukturierungen um circa zehn Mitarbeiter erhöht. Darüber hinaus bereiten wir derzeit eine Hotline für Firmen- und Geschäftskunden vor.

© SZ vom 21.04.2020

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